Articles Written By: Katrin Rüger

Katrin Rüger

About Katrin Rüger

Spezialistin des Kinder- & Jugendbuches

Faust quakt – Heimstatt für einen Buchbewohner

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Einen Monat lang wurde der Buchpalast zur Heimstatt des Buchbewohners. Die nahezu unbekannte Spezis entstaubte unsere Bücher und verspann das Weltwissen in den Regalen. Der sonderliche wie seltene, furchtlose und über alle Maßen faszinierende Vertreter dieser Art lebte in Goethes Faust. Wir hatte ihm den Buchpalast mit Ensikats Originalen aus Faust und Osterspaziergang tapeziert. Er fand in unserer Buchhandlung ein begeistertes Publikum.

"Als Buchbewohner habe ich es mir in meinem Faust eingerichtet. Zwei Kochplatten beim Osterspaziergang. Ich bin halt ein Singlehaushalt. Faust, Wagner - aus." sagte Michael Weiser bestimmt

und kündigte mit einem Rotstift zahlreichen Faust-Mitbewohnern. Er kannte jede Zeile in und auswendig, hatte den Text renoviert und die Möbel umgestellt. Faust II Passagen glänzten nun in Faust I neben bayerischen Varianten. Ob unter der Dusche oder beim Staubsaugen, überall trug er Goethes Zeilen mit sich herum. Beobachtet man ihn in Münchens Straßen sieht man ihn oft mit einem ausgeschalteten Handy am Ohr. So kann er ungestört Goethes Verse vor sich hinmurmeln.

Wie Lemminge lesen lernen

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Ame Dyckman, Zachariah Ohora: Lest das Buch, Lemminge!

Gemütlich geht es auf dem Walfangschiff zu. Seine Besatzung liest. Foxy studiert ein Buch über Lemminge, Käpt'n Bär seine Zeitung. Während drei Lemminge wie aufgeregte Hüpfebälle auf der Reling herumturnen, zitiert Foxy das Neuste aus seinem Buch. Lemminge springen nicht über Klippen, steht dort. Kaum fällt das Wort "springen" hüpfen die Drei über die Reling in die Tiefe. Nach einer ersten Rettungsaktion versucht Foxy Abhilfe zu schaffen. Die Lemminge müssen das Buch lesen. Das allerdings, ist leichter gesagt als getan und es wird noch viele Sprünge von der Reling geben, die herzhaft lachen lassen, bevor die Lemminge wirklich lesen lernen und damit natürlich auf neue Ideen kommen. Mit seinen flächigen, schwarz dominierten, sparsamen Illustration, in denen die Lemmlinge in Sprechblasen ihre Aktionen kommentieren, spielt das  etwas anderes Buch für die Schultüte mit Comicelementen und lässt die Kinder mit schwungvollem Spaß schon ihre ersten Worte lesen.

Mobbinggeschichte mit Rettungsanker

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Frida Nilsson: Ich und Jagger gegen den Rest der Welt, Gerstenberg Verlag 2018 € 14,95

Als Jagger auf Bengt trifft, hatten die Kinder des Hofes ihn in den Müllraum zu den Containern gesperrt. Jagger, ein selbstbewusster Penner-Hund, war auf der Suche nach etwas Fressbarem gewesen und die beiden verband sofort ein Thema: die Gemeinheiten der Mitmenschen, die sie trafen. Im Gegensatz zu Bengt hatte Jagger seine Lösung für das Problem gefunden. Er handelte und schlug zurück.  "Das klang mächtig und schrecklich und gut zugleich." Die Allianz von Bengt mit Jagger befeuert die alltägliche Mobbinggeschichte in der Bengt steckt und für die Nilsson feinfühlige Szenen und Bilder findet. Wohl dosiert inszeniert sie Aktionismus, Gleichgültigkeit und Verlogenheit mit kindlich fantasischem Rettungsanker. Ein grandios gelungenes Buch mit viel Raum für Gespräche zu einem Thema, das auch uns täglich umgibt.

Autorensamstag mit Susanna Partsch

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Susanna Partsch: Schau mir in die Augen, Dürer. Die Kunst der alten Meister erklärt von Susanna Partsch, Beck Verlag 2018 € 28.-

Sie verpackt alte Meister neu und jongliert mit Rot, Blau, Gelb: Susanna Partsch ist eine Kunstexpertin für Jung & Alt. Am Autorensamstag, 3. November 2018 empfiehlt und signiert sie zwischen 11:00 Uhr und 13:00 Uhr im Buchpalast. Kommen Sie mit ihr über Kunst oder Fälschung ins Gespräch. Ihr neustes Werk "Schau mir in die Augen, Dürer" hat Weihnachtsgeschenk-Potential.
Weshalb trägt Maria immer einen blauen Mantel? Wieso malte Rubens mit Vorliebe füllige Frauen? Wie lassen sich die großen Formate durch kleine Museeumstüren transportieren? Reden wir hier wahrlich über 500 Jahre alte Schinken? Die ästhetische Aufmachung dieses mit großer Liebe gestalteten Buches ist ein Hingucker. Die aktuellen Fotos von ungeahntem, musealem Treiben lassen staunen. Susanna Partschs erhellenden Erklärungen fesseln wie ein Krimi. Sie liefert wohldosierten Einblick, Aha-Erlebnis und packendes Detail in rasantem Wechsel. Ein Buch, mit dem man gleich ins nächste Museum laufen möchte.

Street Art Leben

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Irmgard Kramer: 17 Erkenntnisse über Leander Blum, Loewe Verlag 2018 € 17,95

Leander und Jonas führen ein Doppelleben. Tagsüber schlafen sie sich durch die Schule, nachts streifen sie über Gleise und durch Tunnel, auf der Suche nach geeigneten Orten für ihre Graffiti. Wenn sie die Spraydose ansetzen steht die Zeit still. Sie verschmelzen mit Farbe, Form und Perspektive. In ihnen pulsiert das ganze Leben. Alles wird Kunst. Ihre Freundschaft ist alles. Sie arbeiten Hand in Hand und können einander blind vertrauen bis das Mädchen Lila Leanders Blick fesselt. Kramer erzählt von den klassischen Wirrnissen zwischen Freundschaft und Verliebtsein, bei dem das Äußerste nicht ausbleibt. So wie Leander und Jonas ihre Kunstwerke in Schichten mit unterschiedlichen Techniken auftragen, umspielen sich Lila und Leander auf verschiedenen Zeitebenen. Kommentare zu Leanders Gemälden stehen seinen Kapiteln voran. Ebenso gewinnt Lila ein Bild von ihm. Im einfühlsamen Setting treibt die Unmittelbarkeit und Dramatik von Leanders Leben seine Kunst voran. Ihre Ausdrucksmittel verleihen mit Licht, Verzerrung, Täuschung und Überraschung dem Text seinen Schwung. Die Kunst führt Leander an den Abgrund. Sie rettet ihn. Und am Ende sieht jeder etwas anders. Bemerkenswert.

Optimist und Friedensaktivist

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Elisabeth Zöller: Verändert die Welt! Hanser Verlag 2018 € 19.-

Rudi Dutschke und die Studenten der 60er Jahre haben sich aktiv mit ihrer Gesellschaft auseinandergesetzt und ihren Protest, ihre neuen Ideen des Miteinanders auf die Straße gebracht. Nicht alles war gut aber vieles richtig im Kern. Sie haben den Weg geebnet, für Errungenschaften, die heute selbstverständlich sind. Geschichte ist machbar! Was können wir aus diesen Zeiten lernen? Elisabeth Zöller zeigt in ihrer knappen Biografie vor allem das Denken und Handeln seiner Zeit auf, den Aufeinanderprall von Bevölkerungsgruppen und Lager im Kalten Krieg: Studenten,  die Demokratie lebten,  Axel Springer, der Meinungsmacher, die regierenden im konservativen Rechtsstaat, Polizei, der Hass und die Angst die Bevölkerung im Wohlstandsfieber, und die Westberliner im Speziellen in ihrer Dankbarkeit gegenüber den Amerikanern, die gerade Vietnam bombadierten.  Manchmal gibt es annähernde Töne, in der Freundschaft zwischen Bloch und Dutschke. Er war ein charismatischer, kluger Redner mit Herz, ein Vielleser und Optimist, ein überzeugter Friedensaktivist, Markenzeichen selbstgestrickter Ringelpulli, dessen Leben und Wirken viel zu früh durch den versuchten Mordanschlag zerstört wurde.

Der Springteufel aus der Mottenkiste der Geschichte

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Wolfgang Korn: Karl Marx. Ein radikaler Denker, Hanser Verlag 2018 € 19.-

Eigentlich hatte Wolfgang Korn die Marx Schriften schon lange auf dem Dachboden eingelagert, da kommen sie wie ein Springteufel aus der Mottenkiste der Geschichte wieder heraus und ist aktueller denn je. Was ist dran, an Marx? "Das Kommunistische Manifest ist nicht nur eine politische Kampfschrift, sondern auch ein geschichtsphilosophisches Dokument", sagt er, der sich in seiner knappen Marx Biografie für jungen Leser bemüht, den Menschen Marx in seine Zeit einzubetten, seine komplizierten Texte einfach zu erklären und dabei sowohl sozialen, politischen und philosophischen Spuren nachgeht. Sein Text vom Leben und Wirken wird von zusätzlichen, fett hervorgehobenen, Ausführungen und Originalzitaten unterbrochen. Er wirkt insgesamt ein wenig eckig und bietet doch einen guten, schnellen Einstieg zu den wesentlichen Fragen, die Marx bewegten. Wolfgang Korn endet nicht mit Marx Tod. Er zeigt sein Wirken bis in die heutige Zeit auf und macht Lust aufs Weiterlesen.

7. November 2018, 19:30 Uhr: Palastschätze live – Thomas Ernst liest aus „Schweben“

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Jürgen-Thomas Ernst: Schweben, Braunmüller Verlag 2017 € 20.-

Dieses Buch hat mich tief berührt: es erzählt von Josefs Leben, in dem ihn Rosa ein gutes Stück begleitet. Sie sind ganz einfache Menschen, die ohne Aufhebens ihr Leben in die Hand nehmen. Sie haben wenig und brauchen nicht viel, sie nehmen Glücksmomente wahr und machen sie sich selbst und einander bewusst. Sie finden und verlieren einander und der Leser begleitet sie bei verschiedenen Episoden zwischen Kindheit und Alter. Es steckt viel Lebensweisheit in diesem schmalen Buch in Gedanken und Sätzen, die den Leser auch nach der Lektüre begleiten werden. Wer das Buch "Ein ganzes Leben" von Robert Seethaler und "Ein Leben mehr" von Joyceline Saucier gerne gelesen hat, wird auch dieses Buch lieben!

4. Juni-15. Juli 2018: Magie und Hexenzauber für jedes Alter. Ausstellung Faust Illustrationen von Klaus Ensikat

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Barbara Kindermann, Johann Wolfgang von Goethe: Faust, Kindermann Verlag € 16,90

Klaus Ensikat, 1937 in Berlin geboren, ist einer der brillantesten Buchkünstler der Gegenwart. In seinen detailreichen, mit feinem Strich gezeichneten Bilderbuchszenen können es Kinder schon früh mit der Weltliteratur aufnehmen. Verweile doch, du bist so schön! Seine Bilder verblüffen in ihrer ungewöhnlichen Mischung aus Realismus und Fantastik. Für den Kindermann Verlag hat er zahlreiche Werke der Weltliteratur illustriert. Der Buchpalast zeigt vom 4. Juni bis 15. Juli Originale aus „Faust“ und „Osterspaziergang.“

4. Juli 2018 18:30 Uhr: Jochen Till und sein Vorleser präsentieren „Pogo & Polente“ und „Luzifer“

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Jochen Till: Pogo und Polente, Tulipan Verlag 2018 € 13,00

Wie schon in Luzifer, thematisiert Jochen Till auch in Pogo und Polente elterliche Vorbilder und kindliche Rebellion in witziger, ungewohnter Rollenverteilung. Polente, eigentlich Vanessa, wünscht sich, in die Fußstapfen ihres Vaters, eines Polizisten, zu stapfen und spielt gewissenhafter Recht und Ordnung, als es die Polizei erlaubt. Sie ist mit ihrem Vater ausgerechnet in das Haus neben Pogo und seine Eltern gezogen, die in ihrer verfallenen Hütte ein waschechtes Punkerleben führen. Dummerweise entwickelt Pogo seine Zukunftswünsche ebenso gewissenhaft wie Vanessa und dirket an seinen Eltern vorbei. Er ist ein angepasster, strebsamer Einserschüler, der die Schule und das Lernen liebt. Trotz allem läuft es mit Pogo und Polente nicht gleich rund. Erst als ein Fahrraddieb sein Unwesen treibt, beginnen die beiden gemeinsame Sache zu machen. Jochen Till lässt die Welten und Lebensansichten großer wie kleiner Menschen mit viel Spaß, Situationskomik und Augenzwinkern aufeinander prallen, immer mit der Gewissheit,  dass Kinder aus all dem, was sie umgibt, das Beste machen.

16. Juli 2018, 18:30Uhr: Lea-Lina Oppermann im Gespräch mit den Bücherfressern zu ihrem Roman „Was wir dachten, was wir taten“

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Lea-Lina Oppermann: Was wir dachten, was wir taten, Beltz&Gelberg 2017 € 12,95
Außergewöhnliche Lebenssituationen sind in der Jugendliteratur ein beliebtes Thema. Gewissen und Haltung, das Leben selbst steht plötzlich auf dem Prüfstand. Lea-Lina Oppermann hat ihr Debüt mit 16 Jahren geschrieben und und beeindruckt mit Schreibtalent und Beobachtungsgabe zu jugendlichem Denken und Handeln. Ihr Buch ist zum Lieblingsbuch der Jugendlichen und zur perfekten Schullektüre avanciert.
Nach der Lesung werden die Bücherfresser mit der Autorin ins Gespräch gehen.
Lea-Lina Oppermann, beschreibt  die Ausnahmesituation eines Amoklaufes in der hermetisch abgeriegelten Welt des Klassenzimmer auf hohem Spannungsniveau aus drei Perspektiven. Zwei Durchschnittschüler Mark, Fiona und ihr junger Lehrer Herrn Filler erzählen. Wie in Zeitlupe spiegeln sie in gekonntem rhythmischen Wechsel jede Bewegung des Eindringlings und der Gruppe und sehen dabei immer sich selbst im Zentrum der Situation.  Allen voran der Lehrer, dessen knapper Altersvorsprung und  Ausbildung ihn keineswegs erhabener oder aktiver gemacht haben. Selbst als der Täter einen Stapel Briefe mit seinen Wünschen auf den Tisch legt, Forderungen in denen jeder mal gezwungen wird, andere Bloßzustellen, kommt keinem die Frage in den Sinn, was hier überhaupt gespielt wird. Viele Möglichkeiten des Eingreifens verstreichen. Stück für Stück erkennen die Erzähler die Rolle Einzelner im Gesamtkontext der Gruppe und füllen ihre bisherige Nichtwahrnehmung mit defensiven Rechtfertigungen. Bei diesem Text handelt es sich um einen erzählerisch versierten,  düstern Zustandsbericht des Seins, der nach Diskussion und Klassenlektüre ruft.

 

Die Veranstaltung eignet sich für Jugendliche und Erwachsene. Eintritt € 5.-. Um Anmeldung wird geben.

Ein Interview mit Lena-Lia Oppermann, das wir auf der Buchmesse führten, finden Sie hier.

24. September 2018, 19:00 Uhr: Marion Hübinger liest aus „Krieger der Lüfte“, begleitet an der Querflöte von Susanne Sperrhake

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Marion Hübinger: Krieger der Lüfte, Papierzieher Verlag 2018 €13,95

Ob das Schicksal seine Finger im Spiel hat, als Leyla, eine junge Verlagsangstellte, bei einem Spaziergang im Klosterpark in eine fremde Welt katapultiert wird?
Marion Hübinger ist im Buchpalast nicht nur unsere Fachfrau für Krimis, Fantasy, Romantasy oder Dystopien. Sie ist auch Schriftstellerin und wird an diesem Abend ihr neues Werk vorstellen, welches, wie auch ihre anderen Werke schon, die Leser in eine Fantasywelt entführen wird. In der fremden Welt wird Leyla Akim begegnen, einen der letzten Angehörigen seines Volkes, das von einem mörderischen Adler bedroht und vernichtet werden soll.
Für jugendliche und erwachsene Fantasyfans und solche die es werden wollen. Diesen Abend wird Susanne Sperrhake an der Querflöte begleiten.

Eintritt € 5.-. Um Anmeldung wird gebeten.

Brieflieder mit Johannes Öllinger & Alois Prinz

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Briefe von der Reise, aus dem Exil, aus dem Gefängnis, an eine Freundin, den Liebhaber, die Ehefrau - Briefe von Bismarck, Bonhoeffer, Tucholsky und Koeppen, von Celan an Bachmann, Kafka an Milena oder Rosa Luxemburg an Sophie Liebknecht. Als musikalische Begleitung zu Auftritten des Biografen Alois Prinz, begann Johannes Öllinger ausdrucksstarke Sätze aus Briefen zu sammeln und sie zu Briefliedern zu komponieren. An diesem Abend kommen kleine Meisterwerke zu Gehör. Alois Prinz wird biografisch begleitend in die Absender einführen.

Alte Meister neu verpackt und fesselnd erklärt

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Susanna Partsch: Schau mir in die Augen, Dürer. Die Kunst der alten Meister erklärt von Susanna Partsch, Beck Verlag 2018 € 28.-

Weshalb trägt Maria immer einen blauen Mantel? Wieso malte Rubens mit Vorliebe füllige Frauen? Wie lassen sich die großen Formate durch kleine Museeumstüren transportieren? Reden wir hier wahrlich über 500 Jahre alte Schinken? Die ästhetische Aufmachung dieses mit großer Liebe gestalteten Buches ist ein Hingucker. Die aktuellen Fotos von ungeahntem, musealem Treiben lassen staunen. Susanna Partschs erhellenden Erklärungen fesseln wie ein Krimi. Sie liefert wohldosierten Einblick, Aha-Erlebnis und packendes Detail in rasantem Wechsel. Ein Buch, mit dem man gleich ins nächste Museum laufen möchte.

Nathans Kinder

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Mirjam Pressler: Nathan und seine Kinder, Beltz Tb € 8,95

Machen wir uns nichts vor:  Lessings Nathan ist für viele heute klein und gelb und bestenfalls unromantische Schullektüre. Doch die Ringparabel, der Kern dieses Dramas, welches jungen Lesern vielleicht zu pathetisch, zu entrückt und marionettenhaft erscheint, wegen seiner Reimform gestelzt und dabei noch so pedantisch erzieherisch, ist aktueller denn je. Diese Geschichte muss immer wieder neu erzählt werden. So wie es auch Lessing schon tat, der die Ringparabel von Boccacio entlehnte. In großer Verneigung vor Lessing, aber dann ganz eigen und bodenständig von unten herauf beginnt Mirjam Pressler ihre Geschichte. Neben den bekannten Figuren aus dem Drama: Daria, Recha, der Tempelherr oder Al Hafi, die aus ihrer Sicht das Leben in Jerusalem schildern, dichtet sie eigene Figuren hinzu. Einen namenlosen Jungen zum Beispiel, der in Nathans Haus Unterschlupf und Arbeit findet und von ihm im ersten Kapitel den Namen Geschem bekommt.

Willi darf nicht fehlen

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Birte Müller: Planet Willi, Klett-Kinderbuch €13,95

Das autobiographische Bilderbuch katapultiert die Außenstehenden mitten hinein in Willis Leben und das Leben mit Willi. Er ist mit Down-Syndrom geboren, richtiger Trisomie 21, einem Chromosom mehr als Andere. Sein Wesen breitet sich in elementaren thematischen Episoden auf je einer Doppelseite in Bild und Text aus. „Willi lernt essen“, „Willi will küssen“, „Willis Zunge“. Der klare, einfache und direkte Ton des Textes ist wohltuend, entwaffnend wie faszinierend, weil man spürt, dass das Leben mit Willi alles andere als ganz einfach ist. Das ist bei Willi normal. Tränen und Glücksgefühle liegen bei allen Beteiligten dicht beieinander. Die aus dieser Ambivalenz erwachsende besondere Lebensenergie zeigt sich auch auf jedem, der auf den ersten Blick chaotischen, flächigen, farbintensiven Bilder. Dem linear geordneten Nebeneinander der Dinge stehen Zeitsprünge und eine cineastische Dramaturgie gegenüber. Überaus stark treten innerhalb der Reduktion dabei die Emotionen der Protagonisten zu tage. 

Religionspädagogentag 2018

Heiße Herzensangelegenheiten und zügelloser Zorn oder neuen Horizonten entgegen.

Diese Empfehlungen entstanden im Rahmen einer Fortbildung für Religions- und EthiklehrerInnen. Der aktuelle Kinder- und Jugendbuchmarkt bietet eine Vielzahl an tollen Büchern, mit denen man mit Kindern und Jugendlichen über Werte, Familie und unsere Gesellschaft im Wandel ins Gespräch kommen könnte. Hier eine Auswahl von Lieblingstiteln, die in Leseclub und Schule gut ankommen. Die gesamte Empfehlungsliste zum Download finden Sie hier.

Im Gefängnis. Was ist das für ein Ort und wie lebt man dort?

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Thomas Engelhard, Monika Osberghaus: Im Gefängnis, Klett-Kinderbuch 2018 € 14,00

"Jeder hat ja so seine Vorstellungen, aber genau wissen tut´s keiner. Sie werden es nicht glauben, aber ich habe das Buch in meine Klasse gestellt und wirklich JEDER hat es in die Hand genommen!" Grundschullehrerin im Gespräch mit mir.
Sachkundig wird hier von einem Ort erzählt, am dem Elternteile von 100.000 Kindern leben. Er liegt mitten zwischen uns und doch kennt ihn fast niemand: Das Gefängnis. Wer kommt ins Gefängnis? Was darf man dorthin mitnehmen. Wie lebt man im Gefängnis? Wer arbeitet dort? Und vor allem: Wie lebt lebt eine Familie, wenn der Papa im Gefängnis ist?  Die Geschichte packt, berührt und berichtet unbefangen und behutsam vom Alltag im und mit dem Strafvollzug. Wirklich mal was Neues!

 

Gespräch am Runden Tisch: Thomas Steinfeld zu seiner Neuübersetzung von Selma Lagerlöfs Nils Holgersson

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Selma Lagerlöf: Nils Holgerssons wunderbare Reise durch Schweden, Die Andere Bibliothek € 24.-

Aus dem Schwedischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Thomas Steinfeld. Bereichert mit Zeichnungen von Bertil Lybeck. Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2015 in der Kategorie Übersetzung. Thomas Steinfeld, Sprachakrobat und -virtuose, Literaturkenner und -kritiker hat sich daran gemacht das 700 Seiten umfassende, bekannteste Werk von Selma Lagerlöf neu und erstmals vollständig ins Deutsche zu übertragen. Herausgekommen ist ein großartiger Schmöker, eine federleichte, literarische und luftige Bildungsreise, die uns in die Kultur- und Naturlandschaften Schwedens entführt. Nun, hundert Jahre nach seinem Erscheinen, in neuem Sprachgewand, ist es ein lohnenswerter Klassiker für Jung & Alt. Dank Steinfelds Sprachkunst wirkt Lagerlöfs Text, literarisch gestaltet und doch so originär als möglich, erstaunlich modern. Für den Lesegenuss ist es dabei völlig unerheblich, ob man Schwedenkenner ist, oder bisher geglaubt hat, Småland läge gleich links hinter dem IKEA Eingang.

Nachdenken über die Natur

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Antje Damm: Was wird aus uns? Nachdenken über die Natur, Moritz Verlag 2018 € 18,00

Ist Natur eigentlich überall? Finden wir sie zwischen den Hochhäusern oder zwischen den Graten aus Granit im Gebirge? Diese zwei Bilder stehen sich zur Frage gegenüber und sehen sich igendwie ähnlich. Sie scheinen leblos und wirken gleich grau. Pflanzen oder Tiere sieht man nicht. Ähnlich und doch anders? Was fällt dir dazu ein? Und brauchen wir Natur überhaupt, wenn wir mit Plastikspielzeug spielen und Nahrung aus Konservendosen kommt? Und wer ist stärker? Pflanze oder Tier? Tier oder Mensch? Die einfachen Fragen und Bilder bringen ihre Betrachter schnell ins Philosophieren. Leicht finden wir neue Fragen, mit den Antworten ist es nicht ganz so einfach. Das Buch bietet viel Raum zum Spielen und Denken und zum Anstoßen wichtiger Gespräche. Nicht nur für Kinder. Auch für Erwachsene. Dies ist Anje Damms fünfter assoziativ philosphischer Frageband. Sie hat es darin zur wahren Meisterschaft gebracht.