Articles Written By: Katrin Rüger

Katrin Rüger

About Katrin Rüger

Spezialistin des Kinder- & Jugendbuches

„Wir müssen Kindern erlauben, sich ihre eigene Meinung zu bilden.“

gratz-amy

Alan Gratz: Amy und die geheime Bibliothek, Hanser 2019 € 15.-

Als Amy ihr Lieblingsbuch in der Schulbibliothek ausleihnen möchte, ist es nicht zu finden. Nein, kein Kind hat es ausgeborgt, der Schulauschuss hat verfügt, dass dieses Buch, welches Amy schon hundert Mal gelesen hat, ihr Herzensbuch, für Kinder ungeeignet sei, pädagoisch nicht erbaulich, ja schädlich gar. Amys erster Plan ist es, ermutigt von der Bibliothekarin, vor dem Ausschuss vorzusprechen. Aber Amy ist ein schüchternes Mädchen. Im entscheidenen Moment traut sie sich nicht. Als Amys Vater ihr das Buch kauft beginnt sie mit diesem und anderen, ebenso verbannten Büchern, eine geheime Bibliothek in ihrem Schließfach zu eröffnen. Zu ersten Mal findet Amy Mitstreiter, schafft Allianzen, handelt und kämpft eine wichtige Sache: Die Meinungsfreiheit. Immer wieder staunt man über ihre Gewitzheit, ja Klugheit und wird sich vor allen Dingen bewusst: Die kindliche Freiheit, sich aussuchen zu dürfen, was man lesen möchte, gute und schlechte Bücher, kluge und witzige, welche, die mal Lachen mal Weinen machen, ist wichtig und Charakter bildend. In der Wahl der Lektüre haben höchstens die eigenen Eltern ein Vetorecht. "Wir müssen Kindern erlauben, sich ihre eigene Meinung zu bilden, auch wenn uns das mitunter Angst macht.", lässt Allan Gratz die weise Bibliothekarin Opal Jones in seinem Buch sagen. Er schreibt aus eigener Erfahrung und mit vielen ganz konkreten Beispielen alter und neuer Bücher. Eine Geschichte, die von Klein wie Groß unbedingt gelesen werden sollte. Eine Geschichte, die Mut macht und ihre Leser, neugierig geworden, zum Lesen vieler weiter, lesenswerter Bücher animiert.

Auf des Messers Schneide

hertle-elsner-mauer

Hans Hermann Hertle, Kathrin Elsner (Hg.): Der Tag, an dem die Mauer fiel, Nicolai Verlag € 14,95

Internationale Pressekonferenzen schienen die Pressebeauftragten der DDR gern zu verstolpern. Beim Mauerbau ebenso wie beim Mauerfall 28 Jahre später. Doch während die Worte Ulbrichts "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten" im Juni 1961 kaum einen Berliner erreichten hörten die Mitteilung Günter Schabowskis alle und setzten sich in Bewegung in Richtung Mauer. Was sich in den darauffolgenden Stunden an den Berliner Grenzübergängen ereignete, haben Hans Herrmann Hertle und Kathrin Elsner in diesem Buch in Zeitzeugenberichten dokumentiert. War dies der verrückteste Irrtum in der deutschen Geschichte? Glücklicherweise war es der Besonnenste und Friedlichste. Noch heute läuft es beim Lesen kalt den Rücken hinab, wenn einem bewusst wird, wie die DDR höchste millitärische Einsatzbereitschaft anordnete und ein Stein oder ein Schuss ein ganz anderes Ende hätte entstehen lassen können. Kaum vorstellbar ist dreißig Jahre später auch die unzureichende Vernetzung zwischen den Kontrollpunkten, in der die fehlenden Anweisungen einen handlungsfreien Raum für Befehlsempfänger erschufen, den irgendjemand beherzt füllen musste. Derweil die West-Berliner im Freudentaumel steckten, stand die politische Situation in ihrer Stadt auf des Messers Schneide. Hertle und Elsner arbeiten sorgsam heraus, wie die Bürger der DDR auf allen Seiten friedlich und beherzt mit der Lösung des Problems Tatsachen schufen. Noch heute darf man vor ihnen dafür tief seinen Hut ziehen.

Der Zoo der Anderen

mohnhaupt-zoo

Jan Mohnhaupt: Der Zoo der Anderen. Als die Stasi ihr Herz für Brillenbären entdeckte und Helmut Schmidt mit Pandas nachrüstete, Hanser Verlag 2017 € 20.-

Für Außenstehende konnte die tierische Lage im geteilten Berlin sprachlich leicht in Verwechslung geraten. Der Zoologische Garten lag im Westteil, der Tierpark im Ostteil der Stadt. Der Tiergarten war gar kein Zoo und lag wiederum im Westen. Nach dem Mauerbau war er unerreichbar für Ostberliner, auch wenn ein Bericht im "Neuen Deutschland" zum Besuch des neuen Tiergartens riet und dabei den Tierpark meinte. Trotz Teilung behielten die Berliner Gemeinsamkeiten. Sie liebten ihre Zoos. Sie vergötterten ihre Zootiere, wie es in keiner anderen Stadt der Fall war und sie verloren nie ihren Humor. Mehrfach im Jahr ging man, vorallem im Westteil der Stadt, in seinen Zoo, und sicher dachte man dabei nicht an die große Politik. Jan Monhaupt nimmt seine Leser nun kurzweilig, anekdotenreich und unumwunden mit, auf die politischen Spuren, die sich schon in der Lage der Zoos spiegeln. Der Zoologische Garten lag mitten in der neuen City-West. Dicht gedrängt stand hier Gehege an Gehege. Seine Besucher jagte der beengte Parcour von einer Attraktion zur nächsten. Manche Tiere hatten sogar die Bombennächte des Zweiten Weltkrieges in der Stadt erlebt und waren durch die Blockade gefüttert worden. Der Tierpark wurde erst 1958 gegründet und  fand sein Gelände in der großen Weitläufigkeit um das Schloss Ludwigsfelde. Sein Direktor folgte der Idee einen Naturpark erschaffen zu wollen. Hier fand man Ruhe und endlose Spaziergänge von Tier zu Tier. Lag der Ku-Damm, der Kurfürstendamm im Westen gleich um die Ecke, bot der Tierpark  mit seinen Huftiergehängen den Kuh-Damm Ost. Schöner als mit dieser Führung durch zwei Zoos auf den zwei Seiten einer Stadt, lässt sich ins Berlinerische vereint getrennte Mauerleben nicht einsteigen.

5. November 2019, 19:30 Uhr: Woche der unabhängigen Buchhandlungen – 12.000 Jahre Weihnachten mit Gerald Huber

huber-weihnachten

Gerald Huber: 12 000 Jahre Weihnachten. Ursprünge eines Festes. Volk Verlag 2018 € 28.-

Weihnachten kann immer noch überraschen – vorausgesetzt, man will sich verzaubern lassen von Mythen, Legenden und den uralten historischen Wurzeln, aus denen unsere winterliche Fest- und Feierzeit zwischen Allerheiligen und Fastnacht erwachsen ist.
Was sahen die Menschen des Neolithikums beim feierlichen Blick in den Himmel? Was verbindet Christus mit dem griechischen Dionysos und dem ägyptischen Horus? Wie wurde der Paradiesbaum zu unserem leuchtenden Christbaum? Was haben römische Sarturnalien mit den Perchten gemein und wann entstanden aus Bienenfleiß die ersten Lebkuchen zur Adventszeit? Gerald Huber führt uns wortgewandt und mit viel Wissen zurück in die Entstehungszeit unserer heutigen Traditionen und gleichzeitig tief hinein in den lichtdunklen Zauber der Weihnacht.

30 Jahre Mauerfall – Gespräche im Miteinander 13. April – 7. Juni 2019

Vor 30 Jahren, am 9. November 1989, fiel die Mauer, die zur Teilung Deutschland führte, Familien trennte und vielen die Freiheit nahm. Was können wir erzählen, vom Leben mit der Mauer? Wir wollen anregen, Geschichte zu teilen und wieder in Erinnerung zu bringen. Dazu präsentiert der Buchpalast von Mitte April bis Ende Mai eine Ausstellung mit Rätselralley und vier Veranstaltungen. Wir zeigen Originalillustrationen von Horst Klein aus dem Buch Hübendrüben, präsentieren Bilder, Zeugnisse und Kurioses, das wir bei unseren Familien und unseren Kunden gesammelt haben. Zum Entdecken, Anfassen, Staunen & Fragen, Bücher lesen und zur Gesprächs- und Leseanregung für Groß und Klein.

Abenteuer vor der Haustür

Tereza Vostradovská: Komm mit raus, Entdeckermaus, cbj 2019 €15.-

Die kleine Maus inspiziert die Natur rund um ihr Mauseloch, die Wiese, den Wald, Garten und Teich. Sie möchte ein Buch über die Natur schreiben. Woher kommen die Wurzeln? Und wem gehören sie? Wer lebt da eingerollt unter der Erde, wie sie? Und wer frisst wen? Ẁas eine Fahrradkette ist, weiß die Maus, aber was ist eine Nahrungskette? Dabei richtet die Maus ihr Augenmerk gerade auf das Kleine. Die Eier, Larven und Federn. Den Gallapfel und die Ameisen. In einer Mischung aus erzählender Geschichte und Sachbuch ist sie durch das unterwegs. Mit Käscher, Lupe und Flossen ist sie unterwegs durch das detailreich und animieriernd gezeichnete Buch und zeigt: die schönsten Abenteuer können direkt vor der eigenen Haustür beginnen. Das ein bisschen andere, gut vorlesbare Sachbuch über die heimische Natur und ihre Bewohner.

Auf den Spuren der Erinnerung

furniss-morgen

Clare Furniss: Morgen ist heute schon vorbei, Rowohlt Rotfuchs 2019 € 14,99

Sicherheitshalber macht Hattie drei Schwangerschaftstest. Das Ergebnis aus der Hingabe einer Nacht ist eindeutig, der Vater dieses zukünftigen Kindes weit weg, die Selbstverständlichkeit das Kind abzutreiben steht fest in ihrem Kopf. Ihr Mut, zur Tat zu schreiten, ist noch nicht gefasst. Er wird verdrängt, von einer vergessenen Verwandten, einer Schwester iher Großmutter. Keiner der beiden giert nach Kontakt und doch hofft Hattie von dieser alten Frau etwas über ihren eigenen Vater in Erfahrung bringen zu können. Wenn dann jetzt, denn Gloria wird dement und beginnt zu vergessen. Gloria erzählt Hattie Unerwartetes. Die beiden verbindet die ungewollte Schwangerschaft.  Unverheiratet schwanger war damals vollkommen undenkbar, noch dazu, wenn das Kind eine andere Hautfarbe haben sollte. Stück für Stück eröffnet Gloria eine Geschichte, die Dramatik gewinnt und mehr und mehr den Atem nimmt. Erst gegen Ende entdeckt man die Liebe, das Leid und die Erstarrung in Sprachlosigkeit,  den Mut, der Entscheidungen stützt und  sich an ganz unerwarteten Stellen auftun wird. Funiss komponiert ein Frauenschicksal aus den 50ern und eins in heutigen Zeiten zu einem packenden, vielschichtigen Roman. Viel hat sich seit dem geändert und einiges gar nicht, denn die Entscheidung einer jungen Frau, ihr Kind zu behalten hat mehr mit dem Herzen zu tun, als mit dem Verstand. Wie weitreichend diese Entscheidung ist und über Generationen hinweg Wege eröffnet, können LeserInnen hier gewahr werden. Beeindruckend!

Papas kinderleichte Erziehung zu Spiel & Spaß dank Langeweile.

dubois-pfff

Claude Dubois: Pff..., Moritz Verlag 2019 €10,95

"Schluß jetzt!" Papa Erpel spricht ein Machtwort und schickt seine am Handy herumklickenden Küken an die frische Luft. Nun hängen sie wie nasse Waschlappen über einem Ast und geben sich der Langeweile hin. Die folgende kleine Bildsequenz weckt bei Erwachsenen Sehnsuchtsgefühle. LANGEWEILE. Gibt es sie eigentlich noch? Bald kommt Papa mit einem Wäschekorb unter dem Arm wieder vorbeigeschlendert und wirft Optionen in die Kinderrunde. Man könnte ja Fussball  spielen, Fangen, Blinde Kuh oder gar beim Wäsche aufhängen mithelfen?  Am Ende pumpt er das Planschbecken auf. Die Kinder sind nicht überzeugt und überlassen das Wasser zunächst einem dahergelaufenen Spatz. Natürlich weiß am Ende keiner wie es kam, aber die Kinder schließen Freundschaft und spielen so toll wie lange nicht mehr. Beim Anblick der tobenden Kinder staunt die Mama nicht schlecht. Die Geschichte formt sich aus der Luft und wird von Seite zu Seite von einer Leichtigkeit getragen, die dem Nichts zu entspringen scheint. Der Langeweile eben. Schön, dass es sie noch gibt. Dubois fängt sie ein, mit den ihr typischen, prägnant knappen Strichen, die gerade im Weglassen ihre erzählerische Kraft enwickeln. Ganz nebenbei und mit großer Selbstverständlichkeit schmeißt in diesem Buch auch der Vater den Haushalt. Schön, dass die große, weite Welt so genussvoll zelebriert werden kann, Enteneltern sei Dank!

Die unsichtbaren Beine der Liebe

hagerup-bruder

Linde Hagerup: Ein Bruder zu viel, Gerstenberg Verlag 2019 € 14,95

Die Welt der 9-jährigen Sara könnte schöner nicht sein, bis eine Freundin ihrer Mutter plötzlich stirbt. Alleinerziehend hinterlässt sie einen 5-jährigen Sohn. Saras Eltern beschießen, ihn in die Familie aufzunehmen. Sara konnte dem quengelingen Steinar nie etwas abgewinnen. Nun besetzt er ihr halbes Zimmer. Die Mutter. Den Vater. Von Trauer umfangen, bekommt er immer alles. Steiner lebt in einem Schonraum und in Sara nagt ein kleines, wütendes Tier. Da alle Aufmerksamkeit auf Steinar liegt verschwindet Sara mehr und mehr, bis sie auf eine Idee kommt: Sara wird zu Alfred, einem großen Bruder für Steinar, der nett zu ihm sein kann und der vieles schafft, das Sara nicht gelingen will. Doch das Doppelleben birgt andere Schwierigkeiten. Schlicht, klar und für Kinder zum Greifen nah und bildlich erzählt liegt unter dieser Geschichte große psychologische Brisanz. Alle Figuren müssen sich mit starken Gefühlen arrangieren und ihre Handlungen werden in emotionalen Notsituationen mit zweierlei Maß gemessen. Es geht nicht immer gerecht zu. Saras Flucht in eine andere Person macht sie handlungfähig, ist aber auch kein Dauerzustand. Wie wird sie den Weg wieder zu sich selbst zurück finden? Der packende Kinderroman ist eine Geschichte der kleinen Schritte, kurzen Sätze, wechselnden (Jahres)Zeiten. Dem Vergehen von Zeit überhaupt. Der Veränderung. Dem Wachsen. Und vor allem der Liebe, und einer bewundernswerten Vater-Tochter Beziehung. "Die Liebe sind ein paar Beine, die du nicht sehen kannst. Diese Beine können viel weiter laufen als deine normalen Beine. Diese Beine nämlich tragen dich durch das Leben", sagt Saras Papa in der Overtüre zu ihr. Diese vier ungewöhnlichen Beine, die sichtbaren wie unsichtbaren lassen Sara zunächst straucheln und stolpern. Sara nimmt uns mit in ihre Geschichte, die man am Ende, die Beine sehend, ins Herz schließt und keinesfalls missen möchte.

Grandios!

lutes-berlin

Jason Lutes: Berlin. Gesamtausgabe, Carlsen 2019 € 46.-

Heute steht die Weimarer Republik im Fokus und hält für so manchen Vergleich zur heutigen Zeit her. Lutes begann dieses, zwanzig Schaffensjahre umfassende, Werk 1994. In symphonischer, atemraubender Manier hat das Leben in der Großstadt Berlin zwischen 1928-1933 auf 550 opulente Seiten gebannt. Da ist Marthe. Sie flüchtet vor einer arrangierten Heirat in ein Kunststudium nach Berlin. Im Zug lernt sie den Journalisten Kurt Severing kennen, der ihr in der fremden Stadt die ersten Schritte erleichtert. Er arbeitet für Ossietzkys Weltbühne, mit Ringelnatz als Freund an seiner Seite. Marthes Liebe zu Severing wird zum beständigen Auf und Ab und bald durch eine neue Tonart erweitert. In der Kunstschule lernt sie Anna kennen. Ein junge Frau, die sich als Mann kleidet und fühlt. Die ganze Stadt ist in Bewegung. Eine Zeit am Abgrund. Eine Zeit in der sich Hass und Gewalt formieren. Eine Zeit, die atemlos macht. Und sprachlos. Eine Zeit, in der Severking an der Macht seiner Worte zu zweifeln beginnt und doch sind es Worte, die hetzen, verbünden, trennen und aufzuwiegeln verstehen.  Weitere Geschichten kreuzen den Weg.  Da ist Sylvia. Ihre Eltern sind Arbeiter. Mit dem Arbeitsplatzverlust der Mutter trennen sie sich und teilen die Kinder auf.  Gudrun stirbt bei einer Demonstation der KPD auf der Straße. Sylvia wird sich auf der Straße durchschlagen und selbst zur Kommunistin. Eine zeitlang gewährt ihr eine jüdische Familie Unterschlupf. Ihr Vater und ihr Bruder werden Anhänger der Nationalsozialisten. Da ist Margarethe, einst Severkings Geliebte. Sie kommt aus großbürgerlicher, industrieller Welt, die sich am Ende ebenso mit Hitler verbünden wird.  Vor großartig eingefangener Stadtkulisse in scharfem schwarzweiß, zwischen gleißendem Licht und erbarmungslosen Schatten zeichnet Lutes laute und stille Lebensdramen, politische Umbrüche, Untergang und Hoffnungsschimmer und eine sich mit Angst füllende, widersprüchliche, bald berstende Welt. Diese graphic novel bietet viele Ebenen. Man kann sie wieder und wieder lesen und Neues entdecken. Die Gesamtausgabe umfasst die drei Einzelausgaben in größerem Format und wurde um Erklärungen zu Bauwerken und Plätzen der Stadt, sowie Skizzen und einem Interview mit Jason Lutes ergänzt. Sie ist ein Schmöker, ein Gedicht. Sie ist absolut lesenswert.

Alex Wheatle im Gespräch mit Jugendlichen über Gewalt in der Jugendliteratur

Die Jugendlichen leben zwischen Traum und Trauma, in sozialer Armut und Gewalt. Familie zerfällt. Freundschaften sind das Leben. Beziehungen sind die Welt. Wheatles erzählt in seiner Trilogie vom Spiegel ihrer Seele. Leidenschaftlich und aus eigener Erfahrung schildert er das Gangsterleben, mal aus Sicht der Jungen, mal aus der der Mädchen. Er gibt allen eine eindrucksvolle, unverwechselbare Stimme.

24. September 2019, 18:30 Uhr: Kinderveranstaltung mit Lutz van Dijk: Bis bald, Opa.

dijk-opa

Lutz van Dijk: Bis bald, Opa. Peter Hammer Verlag 2019 € 14.-

Wie gewöhnlich fährt Daniel in den Winterferien zu seinem Opa Anton. Dieser lebt bei Kaptstadt in Südafrika. Dort, im Township Marsiphumelele,  leitet Opa Anton zusammen mit seinem Mann Opa Ivo ein Kinderhaus. Das war schon immer so, solange Daniel denken kann. Doch in diesem Jahr bekommt Daniels Mama kurz vor seiner Abreise einen alarmierenden Anruf. Opa Anton liegt im Krankenhaus. Spontan beschließt Daniels Mutter mitzufahren. Auch ihr neuer Freund und seine Tochter werden Daniel und seine Mutter begleiten. Kaum gelandet, umfängt die kleine Patchwork-Familie die Farbigkeit eines südafrikanschen Sommers, die Sprachenvielfalt des Landes, das pralle Leben, in deren Mitte die besondere Familiengeschichte Daniels steht. Gekonnt jongliert der Autor in seiner Geschichte mit der Vorbereitung eines Abschiedes und schreibt dabei eine Liebeserklärung an die Kraft des Miteinanders im Leben.

Mit Stefan Zweig im Gepäck

hintze-krones-tonspur

Oliver Hintze, Susanne Krones: Tonspur. Wie ich die Welt von gestern verließ, dtv TB € 14,95

Dreistimmig lockt Olaf Hintzes Tonspur in das Reich seiner Erinnerungen. Mit seiner eigenen, im Buch in wörtlicher Rede gehaltenen Stimme, einer vorsichtig und sorgsam zu nennenden Annäherung seiner Chronistin Susanne Krones und jenen, immer wieder aufs Neue ergreifenden Zitaten aus Stefan Zweigs Welt von Gestern taucht vor unseren Augen ein Land wieder auf, dass 30 Jahre nach seiner Auflösung beginnt in Vergessenheit zu geraten. Hintze, aufgewachsen im Erfurtder 70er und 80er Jahre, entdeckte die Kraft und Sogwirkung von Büchern und Musik.

Die Herausfordung des eigenen Lebensweges

clima-sonne

Gabriele Clima: Der Sonne nach, Hanser Verlag 2019 € 14.-

Sozialstunden sollen den unüberlegt agierenden Dario lehren auf den richtigen Weg zu gelangen und zu tun, was man von ihm verlangt. So lernt er den vollkommen von Pflege abhängigen Andy kennen. Dieser kann sich weder bewegen noch sprechen und sitzt im Rollstuhl. Damit gehört er für Dario zur Gruppe der Behinderten.  Aber nein, er ist ein Mensch mit besonderen Fähigkeiten. Doch diese sprachliche Gleichstellung wird von seiner Betreuerin nicht gelebt. Sie behandelt Andy wie ein Baby und bemerkt dabei: er sei doch "kein normaler Mensch". Sie hält ihn für einen Idioten, das spürt Dario sofort, denn auch ihn hält man für eine Niete. Unkompliziert, dirket und immer ein wenig rebellisch, wie Dario so ist, nimmt er den Rollstuhl samt Andy unter den Arm und schiebt damit, mal wieder ohne einen Gedanken an die Konsequenzen zu verschwenden, einem Abenteuer entgegen.

Ein klarer Blick zurück ermöglicht erhellende Gedanken für die Gegenwart.

frei-rechten-zeit

Norbert Frei, Christina Morina, Franka Maubach, Maik Tändler: Zur rechten Zeit, Ullstein Verlag 2019 € 20,00

Selbstbewusst spielt der Titel dieses Buches mit einer Doppelbedeutung. Der politische Rechtsruck in Europa ist auch in Deutschland unübersehbar. Es wird höchtste Zeit, sich mit diesem Phänomen auseinanderzsetzen. Die vier Historiker und Historikerinnen der Universitäen in Jena und Amsterdam bieten einen gelungenen, lesenswerten Einstieg. Der Umgang mit dem nationalsozialistischen Erbe in Ost und West wurde politisch konträr angepackt, Erinnerung und Mahung nahm im Laufe der Jahrzehnte unterschiedlich Gestalt an. Eine gewissenhafte Aufarbeitung, die die Handlungen von Tätern wie Mitläufern ins Licht der Öffentlichkeit und in Diskurs brachte, stieß je nach Jahrzeht in beiden Ländern mehr oder weniger an seine Grenzen.

18. Mai 2019, 15:00 Uhr: Der erste Deutsche im All. Zu Gast Sigmund Jähn

nielsen-kosmonauten

Maja Nielsen: Kosmonauten. Mit 20.000 PS ins All. Gerstenberg Verlag € 12,90

Der menschliche Versuch, nach den Sternen zu greifen, wurde vom Wettlauf zweier Großmächte, dem kalten Krieg in dem sie sich befanden, angekurbelt. Und abhängig davon, ob man als Kind in West oder Ost groß wurde, heißen die Helden des Weltraums Neil Armstrong oder Jury Gagarin, Ulf Merbold oder Sigmund Jähn. Die sowjetische Raumfahrt hatte in einigen Punkten die Nase vorn. Sie schickte den ersten Menschen überhaupt in die Erdumlaufbahn und auch der erste Deutsche im All, Sigmund Jähn, war Bürger der DDR, ein Kosmonaut. Maja Nielsen spürt  in ihrem Buch  diesen ersten Weltraumabenteurern, den Kosmomauten, nach und erzählt packend für Kinder und Erwachsene über eine noch heute faszinierende, historische Zeit.

Auf den Spuren jüdischen Lebens

pressler-gold

Mirjam Pressler: Dunkles Gold, Beltz & Gelberg 2019, € 17,95

Das letzte Buch der im Januar 2019 verstorbenen Autorin Mirjam Pressler setzt sich eindringlich mit dem Umgang, den Vorbehalten, den verschiedenen Gedanken, die wir gegenüber Menschen mosaischen Glaubens hegen, auseinander und dreht dabei unverzichtbare Fragen in den Köpfen ihrer Protagonisten: Sind jüdische Menschen bessere Menschen, nur weil sie Juden sind und ihnen im Lauf der Geschichte viel Unrecht, Leid, Vertreibung und systematische Ermordung zugefügt wurde? Warum kann der Antisemitismus nicht endlich enden? Wie steht es heute mit unserer Schuld ? Pressler führt ihre Leser über den Fund eines Goldschatzes in Erfurt zwischen dem Hier und Jetzt und dem Mittelalter hin und her.

Einfach Müll?

raidt-muell

Gerda Raidt: Müll, Beltz &Gelberg 2019

Spannend, wissensprall und eine gelungene Vorleselektüre: Ehe man sich's  versieht, sind Leser, Vorleser und Zuhörer abgetaucht, in den Müllbergen unserer Zivilisation. Mal lässt uns die Autorin archäologisch gründeln, mal gegenwärtig, sortiert nach Materialien, in den Mülltonnen vor dem Haus, auf dem Wertstoffhof oder auf den Müllkippen in Indien und Südamerika. Werden und Vergehen wäre dabei der natürliche Kreislauf der Natur. Ein Weg, den auch unser Müll bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts fast vollständig genommen hat. Heute sieht das anders aus.  Aus entsorgtem Plastik ist im Meer ein nicht abbaubarer Teppich geworden, der unerwünscht in alle Lebenskreisläufe dringt. Wie können wir das Mikroplastik wieder aus der Welt schaffen? Und wie nachfolgende Generationen vor Atommüll warnen, der viele Menschenleben braucht, sich in unschädliche Bestandteile zu zersetzen. Müll ist nicht für jeden gleich Müll. Aus Müll kann man auch Neues schaffen, unnötige Verpackung kann man meiden. Am Ende stehen einige ratsame Tipps, die Sache mit dem Müll aktiv anzugehen. Hier können auch Grundschulkinder schon mitmachen. Ihnen  überlassen wir schon heute unseren Müll. Lasst uns also darüber reden, wie wir den nicht recyclebaren Müllberg möglichst klein halten können!

Im Würgegriff des Überwachungsstaates

poppe-schuld

Grit Poppe: Schuld, Dressler Verlag € 9,99

Jana wächst in einem partei- und linientreuen Elternhaus auf. Gerade ist sie in eine schöne Villa am Stadtrand Berlins gezogen. Ihr Vater hat die Leitung eines Hotels übernommen. Neben ihr in der neuen Klasse sitzt Jakob. Seine Eltern haben einen Ausreiseantrag gestellt. Er gilt als Einzelgänger. Besser man hat keinen Kontakt zu ihm. Die beiden Außenseiter finden sich und Jana lernt die Welt Jakobs kennen, erst naiv, dann erstaunt und am Ende gefangen in vielen widerstreitenden Gedanken, in denen sie sich fast selbst verliert.

Traumspringer

ruehle-traumspringer

Alex Rühle: Traumspringer, dtv junior 2019 € 14,95

Leon träumt mit offenen Augen. Sein Freund Max träumt am Handy. Er testet Beta- Spieleversionen aus der Firma seines Vaters. Unablässig befindet er sich in virtuellen Verfolgungsjagden. Leon hätte auch Elias gern zum Freund, aber dieser schweigt und ist abweisend. Er ist der Außenseiter der Klasse. Als Leon eine Fledermaus aus einem Traum am Klassenzimmerfenster sieht und den Wolf aus dem Zoo, der bald vermisst gemeldet wird, ist er sich sicher, dass zwischen Wachen und Schlafen seltsame Verbindungen existieren. Bald lernt er Morpheus und seine Geschwister kennen und erfährt von verschwundenen Kindern und geklauten Träumen, mit denen es sich Geld verdienen lässt.

Leben, denken, handeln. Wenn das Gewissen mit den Zähnen knirscht.

kordon-krokodil

Klaus Kordon: Krokodil im Nacken, Beltz & Gelberg TB € 9,95

Manfreds Kindheit wird vom Leben in Mutters Kneipe bestimmt. Oft stromert er durch die Straßen des östlichen Berlins und spielt in den Trümmerbergen, geht für die Mutter einkaufen am  S-Bahnhof Gesundbrunnen mit seinem westlichen Einkaufsparadies. Er verliert sich in der Welt der Bücher, entdeckt das Kino und das Theater. Die Kriegswitwe hat keine Zeit für Kindererziehung. Sie stirbt früh und Manfred wird als Spätwaise in einem sozialistischen Kinderheim erwachsen. Mitten in der Arbeit stehend holt er sein Abitur nach und macht ein Fernstudium, heiratet jung und bekommt zwei Kinder. Den geforderten Eintritt in die Partei, das politische Mitwirken am Aufbau des Arbeiter- und Bauernstaates den die DDR Diktatur erzwingt, wird von Lenz immer wieder erneut umgangen.

Für Demokratie und Menschenrechte

buddenberg-henseler-grenzfall

Thomas Henseler, Susanne Buddenberg: Grenzfall. Ost-Berlin 1982: Ein Schüler rebelliert gegen die herrschende Politik, avant Verlag €14,95

Sie drucken ihre Zeitung, die sie Grenzfall  genannt haben, in wechselnden Verstecken. Anfangs in einer Auflage von 50 Exemplaren, später einige Hundert. Immer im Visier und auf der Flucht vor dem Überwachungsapparat der DDR, dem Ministerium für Staatssicherheit, für die sie sich mit ihrem Handeln und ihrer Meinung zu Staatsfeinden gemacht haben. Sie berichten von all dem, was in der DDR nicht laut gesagt werden darf und fordern die Menschenrechte ein: Das Recht auf freie Meinungsäußerung, Chancengleichheit in der Bildung, Versammlungs- und Reisefreiheit. Sie schreiben über die Umweltzerstörung durch den Braunkohleabbau und äußern sich gegen die Stationierung von Atomwaffen, einer Friedensinitiative, die sich in den 80er Jahren in beiden deutschen Ländern formiert.

Kinderalltag an der Mauer

ludwig-mauerschweinchen

Katja Ludwig: Das Mauerschweinchen, cbj 2019 € 13.-

"Schwein gehabt", denkt Aron, als das Meerschweinchen an seinem improvisierten Gleitschirm über die Grenzanlage in den Westen Berlins segelt. Ein Meerschwein und die Berliner Mauer bilden den Mittelpunkt zweier Kindergeschichten, die vom Leben in den deutschen Ländern der 80er Jahre erzählen. Die Mauer führt quer über die Wolliner Straße und bildet die Begrenzung der kindlichen Welten. Arons Eltern wollen mit dem Westen nichts zu tun haben, aber Arons Oma besucht ihn regelmäßig. Als Rentnerin darf sie von Osten nach dem Westen reisen. Deshalb nennt Aron sie auch seine "Wandeloma". In Noras Mietshaus, auf der westlichen Seite wohnt auch eine Oma. Jeder nennt sie Oma Wirsing. Sie wandelt manchmal in umgekehrter Richtung, von West nach Ost, um sich die Haare preisgünstig in lila Locken legen zu lassen. Noras größter Weihnachtswunsch wäre ein Meerschwein gewesen, doch ihre Eltern wollen ihn ihr nicht erfüllen.

Eine wahre Geschichte

al-sayed-gefluechtet

Abdullah Al-Sayed, Kerstin Kropac: Geflüchtet. Zu Hause in Deutschland, daheim in Syrien, Arena 2018 €9,99

Abdullah ist 16, als er im Sommer 2015 Syrien und den Rest seiner Familie endgültig verlassen muss. Ein Leben in seiner vom Krieg verwüsteten Heimat ist kaum mehr möglich. Sein Vater wurde bei einem der täglichen Bombenangriffe getötet, sein Bruder ist aus dem Bus heraus verschleppt worden. Abdullah wird am Ende seiner Fluchtodyssee in einem Kinderheim in Deutschland landen. Hochmotiviert und in der Hoffnung auf eine Zukunft lernt er die deutsche Sprache, holt seinen Realschulabschluss und das Fachabitur nach. Seine Geschichte hat er mit Hilfe der Journalistin Kerstin Kropac aufgeschrieben. Der Text führt unaufgeregt und kompakt durch die Ereignisse seines Lebens und lässt keinen Zweifel daran: niemand flüchtet freiwillig oder aus Zeitvertreib oder, weil er es in einem fremden Land bequemer haben möchte. Dieser Text ist hervorragend als Schullektüre geeignet. Er gibt Flüchtlingen ein Gesicht und bietet einen guten Überblick über den Syrienkonflikt.

Wie die Fantasie im Spiel mit Geschichten groß und stark macht

evans-fitz-fups

Lissa Evans: Fitz Fups muss weg, Mixtvision 2019 € 15,00

Das Buch, welches Phine ihrer vierjährigen Schwester Minnie zum hundersten Mal vorlesen soll, handelt von bunten Farbtonnen, Wimblis genannt, die glücklich im noch bunteren Wimbli-Land leben, wo alle in furchtbaren Reimen sprechen. Nachdem ein Verkehrsunfall  Minnie ins Krankenhaus gebracht hat, gerät Phine ausgerechnet mit ihrem verhätschelten Cousin Graham in dieses unsägliche Buch. Die klassische Schnittstelle ist schlicht wie schön angelegt und mittels Spielzeughandy werden die Welten in Kontakt bleiben.  Phine muss  die Wimblis und das Land von der Tyrannei des Fitz Fups, einem von Minnies Kuscheltieren befreien und das gelingt nur, wenn alle zusammen helfen und Mut beweisen. Während sich das bunte Land durch Fitz Fups mehr und mehr entfärbt, weisen die Reime den Weg zum Ziel, denn das Abenteuer scheint auch ein Spiel zu sein. Dieses wunderbar verrückte, witzige, gut konstruierte, sprachspielerische und zu Herzen gehende Abenteuer hat alles, was eine gute Geschichte braucht und zeigt ganz nebenbei, wie Kinder mit Fantasie groß und stark werden können.  Viel Spaß zum Vor- und Selberlesen.

Coole Großeltern

till-opa

Jochen Till: Opa müffelt, Oma schnarcht, Tulipan 2019 € 10.-

Die Reihe "Tulipan Kleiner Roman" richtet sich an gute Leser ab 7. Handlich und klein passen die Bücher unter jede Bettdecke oder ins Handgepäck für unterwegs. Auch Jochen Tills Hauptfigur Lutz befindet sich auf dem Rücksitz des Autos seiner Eltern. Sie bringen ihn zu Oma & Opa. Dort soll er zwei Tage bleiben. Lutz, der vier Jahre mit seinen Eltern in Amerika lebte, kann sich an seine Großeltern überhaupt nicht erinnern und malt sich das Wochenende in den schrecklichsten Farben aus. Aber dann kommt natürlich alles ganz anders und Oma & Opa sind viel cooler, als er gedacht hat. Ein typisches Jochen Till Buch kommt natürlich nicht ohne verstolperte Missverständnisse und viel Witz aus. Eine schöne Wochenendlektüre fürs Grundschulalter.

Wer abholzt muss aufforsten

beedie-willibarts-wald

Duncan Beedie: Willbarts Wald, Magellan Verlag 2018 € 14.-

Wenn der eifrige Förster mit seiner treuen Axt in den Wald geht, ist am Abend kein Baum mehr am Leben und ein wütender Vogel beschwert sich. Der Holzfäller bietet ihm Herberge in seinem Bart. Am nächsten Tag, der Förster verbrennt Äste und Zweige, schimpft ein Stachelschwein. Als er am dritten Tag die Stämme zum Sägewerk flösst, wütet der Biber. Mit den drei Waldtieren im Bart und im Bett lässt sich nachts kein Auge mehr schließen. So rasiert der Förster kurzerhand auch seinen Bart, in dem die heimatlosen Tiere Unterschlupf gefunden haben und schappt sich seine treue Schaufel, um neue Bäume zu pflanzen.

Selbstverständlich, neugierig, souverän. Ein Krimi zum Anbeißen.

patwarden-forschungsgruppe-erbsensuppe

Rieke Patwardhan: Forschungsgruppe Erbsensuppe, Knesebeck Verlag 2019 € 13.-

Lange schon hat sich Nils Klasse einen Flüchtling gewünscht. Als die Lehrerin ihnen Lina ankündigt, glaubt Evi, sie käme aus Schweden. Evi ist nicht gerade auf den Mund gefallen und ein wenig grobmotorisch. Eine Außenseiterin. In der Klassenbande der 22 Fragezeichen will sie keiner haben. Auch der stille Nils war am Tag der Bandengründung krank. So bleibt ihm nichts anderes übrig, als Evis Wunsch nachzukommen und mit ihr eine zweite Bande zu gründen. Die Bandenaufgabe ist bald gefunden: Linas Integration.

Fantasie kennt keine Grenzen

ravishankar-strasser-ausreden

Anushka Ravishankar, Susanne Straßer: Ausreden, Ausreden, Peter Hammer Verlag 2019 € 16,-

Zwischen Kindern und Erwachsenen können in der Betrachtung eines Sachverhaltes Welten liegen. Auch diesem Buch kann man sich von verschiedenen Seiten nähern. Die einen verfolgen Tims Bemühen, die anderen fiebern mit seiner Fantasie.  Beim Start in die Woche nimmt Tim sich vor hilfsbereit, nützlich, brav und vernünftig allen erwachsenen Erwartungen zu entsprechen. Doch jeden Tag gerät ihm die anstehende Aufgabe irgendwie zu verrücktem Blödsinn und absurdem Quatsch.

Ausstellung Illustration Susanne Straßer

strasser-wal

Vom 15. Februar bis zum 29. März zeigt der Buchpalast Original-Illustrationen und Skizzen von Susanne Straßer.

Ihre Bücher erzählen vom Wal in der Wanne oder von Igel, Fuchs, Esel, Pelikan und Krokodil, die den Schlaf suchen, vom Elefanten auf der Wippe oder vom Bären, der trotz seiner Größe zu einem Kuchen im Fenster nicht hinaufreichen kann. Unverwüstliche Pappbilderbücher, die minimalistisch inszeniert mit der von den Allerkleinsten geliebten Schleife der Wiederholung spielen. Mal leert sich das Bett. Mal füllt sich die Wanne. Mal bauen die Tiere eine Leiter und werden sie auf der Wippe den Gewichtsausgleich finden? Mühelos stapelt Strasser Tiere auf engstem Raum. Ihre Mimik erzählt Geschichten. Die klaren, gemütlichen oder atemraubenden Kompositionen werden lautmalerisch begleitet von schwipp und  schwapp, schlurf oder taps. Sie rennen und rollen, genießen und küssen, vor-, hinter-, über- und ineinander. Auf den ersten Blick ruht das Auge auf dem klaren Bild, dessen Dynamik sich erst auf den zweiten Blick offenbart. Und auch beim hundertsten Lesen entdeckt man noch Neues. Hier ist der Beweis: Geschichten für Zweijährige können auch Vorleser richtig mitreißen.