Articles tagged with: Krimi

Tor in eine fremde Welt

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D.B. John: Stern des Nordens, Wunderlich Verlag 2018 € 16,99

Drei Figuren, drei Geschichten, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Und doch ist der Leser sofort mittendrin und kann sich dem Sog der vielen Fragen kaum entziehen. Was hat die nordkoreanische Bäuerin  zu befürchten? Wie linientreu war das Leben der Vorfahren des nordkoreanischen Parteifunktionärs Cho wirklich? Warum  wird ausgerechnet Jenna von der CIA als Agentin rekrutiert, um nach Nordkorea zu gehen? Ein klarer Erzählton, das Eintauchen in die befremdliche Welt Nordkoreas,  in Kombination mit einem hohen Spannungsfaktor machen diesen Thriller zu einem beeindruckenden  Leseerlebnis.

Falltüren in Diplomatenkreisen

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Anna Tell: Vier Tage in Kabul, Rowohlt Verlag 2018 € 14,99

Das gelungene Debüt der schwedischen Polizistin Anna Tell führt den Leser nach Afghanistan. Die Entführung zweier schwedischer Diplomaten bringt Amanda Lund, die beste Verhandlungsführerin der schwedischen Polizei ins Spiel. Die Hoffnung, die Verantwortlichen zu finden und die Entführten rechtzeitig befreien zu können, lassen die Kommissarin auf Hochtouren arbeiten und dabei keine Konfrontation scheuen. Rasant erzählt, fundiert durch das Hintergrundwissen der Autorin, alles verschafft dem Leser das Gefühl, live vor Ort zu sein.

20. Februar 2019, 19:30 Uhr: Palastschätze live – Lesung mit Krimiautor Frank Goldammer

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Frank Goldammer: Roter Rabe, dtv 2018 € 15,90

Schon mit seinem ersten Krimi schrieb sich Frank Goldammer in die Herzen unserer KrimileserInnen. Der Angstmann wurde zu einem unserer begehrten Palastschätze. Auf der Buchmesse in Frankfurt haben wir den in Dresden lebenden Autor erspäht und gerieten sofort in ein wunderbares Gespräch. Seien Sie gespannt auf einen Autor, der seinem Kriminalkommissar Max Heller actionreich auf hartem, historischen Pflaster in seiner Heimatstadt Dresden ermitteln lässt. Mittlerweile schreibt Max Heller das Jahr 1951 und er gerät in eine Spionageaffäre zwischen Ost und West.

Eintritt € 5.- Um Anmeldung wird gebeten.

Wie Colin, die Kung-Fu Spinne Mr. Pinguin raushaut…

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Alex T. Smith: Mr. Pinguin und der verlorene Schatz, Arena Verlag 2018 € 14.-

Die Seiten variieren in dreierlei Faben, die Schrift ist von gemütlicher Größe, die Illustrationen, entgegengesetzt zur Schrift, filigran und mit Liebe zum skurilen Detail. Mr. Pinguin hat gerade den teuren Hut mit Pfeildurchschuss erworben, das Markenzeichen jeden Abenteurers. Sein Assistenz, Colin, die Spinne, trägt über seinen buschigen Augenbrauen eine winzige Melone. In ihren zarten Spinnenbeinen stecken unerwartete Kung-Fu Kräfte. Ein herrliches Team. Als das Telefon endlich klingelt und das Abenteuer beginnt, stehen sie gerüstet bereit. Es verschlägt sie ins verstaubte Museeum der seltsamen Dinge, wo es aus ungeahnten Kellerwelten einen Schatz zu bergen gilt. Natürlich bekommen die beiden Helden es mit zwei Räubern zu tun, die gerade auf der Flucht sind und hängen bald kopfüber, am Seil gefesselt, am reißenden Wasserfall. In diesem Buch stimmt einfach alles. Ein überaus witziger und spannender Selberlese- und Vorlesegenuss. Katrin Rüger

Mitteilen ohne Sprache

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Penny Joelson: Ein kleines Wunder würde reichen, Fischer Verlag 2018 € 16,99

Nichts sagen zu können, sich nicht bewegen zu können und nichts zu tun, das können wir uns als gesunde Menschen nicht vorstellen. Doch die Hauptperson in diesem Buch, Jemma, ist es anders nicht gewohnt. Seit sie auf der Welt ist, sitzt sie im Rollstuhl, jeder nimmt Rücksicht auf sie und kümmert sich um sie. Besonders ihre Betreuerin Sarah. Als Jemma mitbekommt, dass ein ihr bekannter Junge getötet wurde und kurz darauf der Freund von Sarah ihr ein düsteres Geheimnis verrät, ist das Mädchen in Aufruhr. Am liebsten würde sie ihrer Familie alles erzählen, doch das geht nicht. Jemma kann nicht sprechen. Zu der ganzen Aufregung hinzu stellt sich heraus, dass Jemma noch eine Schwester hat, die ebenfalls adoptiert wurde. Wie kann ein Kennenlernen gelingen, wenn Jemma sich nicht mitteilen kann? Hilfe bekommt sie mittels einer Maschine, mit der man sich durch Schniefen mitteilen kann. Während Jemma übt mit ihrer Schwester zu reden, verschwindet ihre Betreuerin spurlos. Jemma weiß, was passiert sein könnte. Um ihre Gedanken verständlich zu machen, braucht sie Kraft und die Hilfe ihrer Familie.

Jochen Till und sein Vorleser präsentieren „Pogo & Polente“ und „Luzifer“

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Jochen Till: Pogo und Polente, Tulipan Verlag 2018 € 13,00

Wie schon in Luzifer, thematisiert Jochen Till auch in Pogo und Polente elterliche Vorbilder und kindliche Rebellion in witziger, ungewohnter Rollenverteilung. Polente, eigentlich Vanessa, wünscht sich, in die Fußstapfen ihres Vaters, eines Polizisten, zu stapfen und spielt gewissenhafter Recht und Ordnung, als es die Polizei erlaubt. Sie ist mit ihrem Vater ausgerechnet in das Haus neben Pogo und seine Eltern gezogen, die in ihrer verfallenen Hütte ein waschechtes Punkerleben führen. Dummerweise entwickelt Pogo seine Zukunftswünsche ebenso gewissenhaft wie Vanessa und dirket an seinen Eltern vorbei. Er ist ein angepasster, strebsamer Einserschüler, der die Schule und das Lernen liebt. Trotz allem läuft es mit Pogo und Polente nicht gleich rund. Erst als ein Fahrraddieb sein Unwesen treibt, beginnen die beiden gemeinsame Sache zu machen. Jochen Till lässt die Welten und Lebensansichten großer wie kleiner Menschen mit viel Spaß, Situationskomik und Augenzwinkern aufeinander prallen, immer mit der Gewissheit,  dass Kinder aus all dem, was sie umgibt, das Beste machen.

Zwanziger Jahre in Berlin

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Kerstin Ehmer: Der weiße Affe, Pendragon Verlag 2017 € 17,00

Eine spannende Kameraführung, mit dem der Leser nach Berlin in die Goldenen Zwanziger mitgenommen wird. Die fast atemlose, knappe Szeneneinstellung, betrachtet mit den Augen des Ariel Spiro. Der junge Kommissar, der aus der Provinz nach Berlin zieht und seine Arbeit aufnimmt. Vieles hält die Autorin lange zurück, so auch das Motiv des Mordes, und der Kommissar läuft Gefahr, schon bei diesem ersten Fall zu scheitern.

 

Ein Sturz mit Folgen

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Nicole Boyle Rodtnes: Wie das Licht von einem erloschenen Stern, Beltz und Gelberg € 14,95

Das Buch handelt von dem Mädchen Vega. Nach einem Sturz auf einer Party leidet sie an Aphasie. Das bedeutet, dass sie weder sprechen noch lesen oder schreiben kann. Sie hat den Verdacht, dass sie von jemandem geschubst wurde. Keiner will ihr das glauben. Bei einem Workshop trifft sie auf Theo, der ebenfalls unter Aphasie leidet. Sie verlieben sich. Aber wied sie herausfinden, ob ihr Verdacht richtig ist? Und wenn ja, wer hat sie geschubst?

 

Ermittlungen à la Agatha Christie

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Robin Stevens: Mord ist nichts für junge Damen, Knesebeck Verlag € 15,00

In dem Buch geht es um die Mädchen Daisy und Hazel, die eine Detektei eröffnet haben. Das Buch spielt im Mädcheninternat in England der 30er Jahre. Die beiden Mädchen sind 13 Jahre alt, als Hazel die Leiche ihrer Lehrerin Miss Bell entdeckt. Als sie allerdings mit einer Aufsichtsperson zum Tatort zurückkehrt, ist die Leiche verschwunden. Keiner glaubt den beiden Mädchen, deshalb ermitteln sie auf eigene Faust. Können Sie den Mörder fassen?

Kinderkrimi in Cornwall

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Sabine Ludwig, Pandora und der phänomenale Mr Philby, Dressler 2017 €14,99

Cornwalls Küste bietet Sabine Ludwig für ihren Kinderkrimi einen gelungenen HIntergrund. Ein in die Jahre gekommenes Hotel, dem die Gäste ausbleiben, die fast dreizehnjährige Pandora, die mir ihrer Mutter fürchtet, bald alles aufgeben zu müssen. Dann aber tauchen der mysteriöse Mr. Philby, dem Pandora von Anfang an nicht über den Weg traut, und Ashley, ein Junge aus besseren Kreisen, den Pandora von ihrer Großmutter als Feriengast aufs Auge gedrückt bekomt, auf. Statt die Ferien mit ihrem besten Freund Zack zu verbringen, findet sich Pandora unverhofft mit ihm im Streit, weil er ihr in Sachen Mr. Philby nicht glauben mag, und dafür mit Ashley verbündet, der ihr zumindest bei ihren heimlichen Nachforschungen nicht im Wege steht. Und siehe da, die Küste von Port Arthur ist gefährlich, eine Leiche taucht auf, Mr. Philby verstrickt sich in Lügen, und die drei Kinder geraten am Ende so richtig in Gefahr. Ein gelungener Krimi, der mit dem gewohnten Witz der Sabine Ludwig und einer Portion Spannung daherkommt.

Liebe geht durch den Magen: Neue Palastschätze vorgestellt

Wir haben angerichtet und laden zum belletristischen Festschmaus: Empfehlungsabend Neuerscheinungen Belletristik. Mit Herzblut und Empathie. Schönste Verschenkideen auf den Gabentisch oder einfach nur zum Selberlesen.

Bücher sind Lesegenuss und Liebe geht durch den Magen, lautet unser Motto in diesem Jahr. Lassen Sie sich überraschen, welche Schätze wir in diesem Jahr für Sie entdeckt und zu einem lesenswerten Menü zusammengestellt haben. Friederike Wagner, Katrin Rüger und Marion Hübinger empfehlen zu einem Glas Wein & Spekulatius ihre persönlichen Lieblingsbücher. Wir freuen uns auf Sie!

Raffinierte Beigabe, Schmankerl mit Pfiff

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H.Rath und E.Rai: Bullenbrüder, Wunderlich Verlag 2017 €19,95

Brüderzwist

Zwei Brüder, die das Interesse am Aufklären eines Mordes teilen, mehr aber auch nicht. Denn während der korrekte Kriminalhauptkomissar Holger Brinks im Fall eines ermordeten Unterweltbosses ermittelt, arbeitet sein Bruder Charlie gezwungenermaßen als Privatdetektiv auf der Seite eines der Verdächtigen, um seine Schulden bei diesem loszuwerden. Doch im Laufe der Zeit kommt er immer mehr zu der Überzeugung, dass sein Auftraggeber unschuldig ist und hofft, auch seinen Bullenbruder davon zu überzeugen. So korrekt und nüchtern Holger Brinks ist, so spontan und chaotisch arbeitet Charlie Brinks. Wie beide sich aus gegebenem Anlass zusammenraufen müssen, obwohl Holger die Lebensweise seines Bruders missfällt, sorgt für viel Reibung, Witz, aber auch Brüderzusammenhalt. Ein durch und durch gelungener Krimi mit Witz, einer pointierten Sicht auf die Figuren, und bei alle dem taucht man ein in die Berliner Unterwelt.

 

Raffinierte Spurensuche

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Raffinierte Spurensuche

Augustin Martinez: Monteperdido - Das Dorf der verschwundenen Mädchen, Fischer Verlag 2017 €14,99

Zwei befreundete elfjährige Mädchen verschwinden am hellichten Tag aus ihrem Bergdorf. Fünf Jahre später taucht eines der Mädchen wieder auf, verletzt und traumatisiert. Das Dorf und die Polizeieinheiten stehen Kopf. Eine dramatische Suche nach dem zweiten Mädchen beginnt. Die Geschichte allein macht das Buch zwar schon lesenswert, aber noch viel mehr Schärfe erhält es durch die Interaktionen der Figuren. Die gesamte Dorfgemeinschaft zeigt sofort wieder mit dem Finger auf den Vater, einst verdächtigt, wiieder freigelassen aber gebrandmarkt. Einige würden am liebsten Selbstjustiz ausüben. Und nicht nur das, auch die kollektive Verschwiegenheit behindert die Polizeiarbeit. Ein dichter Krimi, der den Leser bis zuletzt fesseln kann.

Historischer Mordprozess

Burnet, Projekt

Graeme Macrae Burnet, Sein blutiges Projekt, Europa Verlag 2017 €17,90

Ein Siebzehnjähriger, der vor Gericht steht, angeklagt des dreifachen Mordes, und bereits gestanden. Wir sind mitten in Schottland im Jahr 1869. Nach einer wahren Begebenheit lässt der Autor diverse Menschen aus dem Umfeld des Mörders zu Wort kommen, sein Lehrer, der Dorfpfarrer, die Nachbarn, allesamt zeugen in dem Prozess, in dem es darum gehen wird, ob Roderick Macrae Herr seiner Sinne war oder womöglich geistergestört. Faszinierend an dem Krimi sind die unterschiedlichsten Betrachtungsweisen, denn jeder, der zu Wort kommt, zeichnet ein anderes Bild von dem jungen Roddy. Doch auch er selbst kommt zu Wort. Auf Anraten seines Strafverteidigers schreibt er einen Bericht, wie es sich wirklich zugetragen hat. Die Monate zuvor, die Qualen, das regelrechte Mobbing an der armen Bauersfamilie... lesen Sie selbst und machen Sie sich ein Bild davon, ob Roderick Macrae den Tod am Galgen verdient hat...  Ein historischer Krimi, der seinesgleichen sucht und zu Recht auf der Shortlist des Man Booker Prize 2016 stand.

Düstere Faszination

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C.R. Neilson, Das Walmesser, Heyne 2017 €14,99

John Callum will seiner Vergangenheit entfliehen, einen neuen Anfang machen, irgendwo, wo ihn niemand kennt Darum sucht er sich eine Faröerinsel aus, landet in der Hauptstadt Torshaven, findet Arbeit beim Fischfang und eine Unterkunft, aber ansonsten bleibt er für sich. Das macht ihn als den Fremden erst recht verdächtig, zumindest für die Leute dort. Wer kommt schon freiwillig auf eine Insel, auf der es dreihundert Tage im Jahr regnet und nie etwas Spektakuläres passiert. Aber dann gibt es einen Mord, und John Callum kann sich an nichts erinnern. Ist es nur das letzte Glied einer Reihe von Drohungen, die ihn von der Insel vertreiben sollen? Obder kennt jemand seine Vergangenheit? Eine interessante Stimme in der Krimilandschaft, und eine Geschichte, die ihre ganz eigene Faszination besitzt.

Die Angst geht um

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Frank Goldammer, Der Angstmann, dtv Verlag 2016 € 15,90

Max Heller ist ein grundsolider Kriminalinspektor, der nur seine Arbeit machen will. Und das mitten in Dresden, kurz vor Ende des 2. Weltkrieges, während die Russen bereits im Vormarsch sind und die Menschen kurz vor dem Verzeifeln, sich gegenseitig Denunzieren und Resignieren sind. Ein psychopathischer Sereinmörder, der Frauen bei lebendigem Leib die Haut abzieht, lässt Max Heller nicht kalt. Er bemüht sich, seine Arbeit trotz der widrigen Umstände, trotz eines überzeugten SS-Anhängers als Chef, der seine Aufklärungen sabotiert, und trotz Hunger und Ängsten so gut wie möglich zu machen. Als er und seine Frau Karin mitten in der großen Bombadierungsnacht, in der Dresden dem Erdboden gleichgemacht wird, mit dem Leben gerade so davon kommt, verliert er zwar seinen Job, den Mörder aber nicht aus den Augen, denn er treibt weiter sein Unwesen... Ich finde die Atmosphäre bedrückend gut in dem Buch, die Kriegsszenerien gehen unter die Haut, die Schicksale der Menschen werden von allen Seiten beleuchtet, von denen, die einfach nur Opfer waren, den Agitatoren, und solchen, die die Augen verschlossen hatten. Ein gelungener historisch in den Jahren 1944/45 angesiedelter Krimi.

Münchner Ermittlungen mit Witz

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Jaromir Konecny: Tote Tulpen, dtv 2015 € 9,95

Leon wurde vor kurzem aus der Jugendstrafanstalt wegen eines Tresorraubes entlassen. Da er keine Eltern mehr hat, kommt er auf Bewährung in die Familie Samper, die einen Blumenladen besitzt. Nur dumm, dass gerade an dem Tag, wo er das erste mal in den Laden kommt, die Leiche einer schönen Frau mit einer schwarzen Tulpe und einem unheimlichen Gedicht auf der Brust auf der Theke liegt! Er und die gleichaltrige, SEHR schöne Tochter der Sampers versuchen den Mörder von Friederike Schnippköter zu finden und es ist klar, das das nicht leicht wird!  Eins der besten Dinge an dem Buch ist die Art wie es geschrieben ist! Es ist einfach wunderbar die lockere und witzige Art von Jaromir Konecny zu lesen! Gleichzeitig ist das Buch natürlich so spannend geschrieben, dass man immer weiterlesen muss! Ich kann das Buch vorallem für 11-12-jährige empfehlen, denn es ist schon ein bisschen schaurig. Aber grundsätzlich ein total tolles Buch das jeder einmal gelesen haben sollte!

Krimi einmal anders

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T.R. Richmond: Wer war Alice, Goldmann TB 2016 €14,99Titel

Dieser Roman liest sich anders als ein gängiger Krimi. Schon von Alice Tod erfährt man in einem Brief eines Professors an seinen Freund. Durch Blogeinträge, ausgetauschte E-Mails und Briefe nähert sich der Autor der Frage, wer Alice war und warum sie gestorben ist. Jeder hat etwas zu sagen, Freunde, Familie, der ehemalige Professor, nur eine Person hat etwas zu verbergen: die Mörderin. Auf faszinierende Art fühlt sich der Leser wie ein Voyeur, der an Alice Leben rückblickend teilhaben darf. Die Spannung hält bis zuletzt und überrascht mit einem Plot, der nicht vorhersehbar war.

Packendes Debüt

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Angela Marsons: Silent Scream, Piper TB 2016 €14,99

Ein Krimi, der es als E-Book in die britischen Krimicharts gebracht hat, und das meiner Meinung nach zurecht. In dem Debüt der Autorin trifft man auf eine junge Ermittlerin, die eine harte Vergangenheit hinter sich hat. Detective Kim Stone ist nicht gerade für ihr Taktgefühl bekannt, setzt sich über Anweisungen gern hinweg und hetzt ihr Team ständig herum. Doch sie ist brillant und ihre Ermittlungserfolge sprechen für sich. Eine solche Figur macht für mich einen guten Krimi aus. Wenn dazu noch die Story passt, dann hat man ein Buch in der Hand, das man nicht mehr weglegen möchte. 

Pfiffiger als die Stasi

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Ute Krause: Im Labyrinth der Lügen, cbj 2016 € 14,99

In der schön erzählten Geschichte geht es um Paul, dessen Eltern in den Westen freigekauft wurden. Nun lebt er bei seiner Oma und seinem Onkel. Doch als er einer mysteriösen Sache auf die Spur kommt, stellt er fest, dass nicht nur er herumspioniert. Ich fand das Buch gut, da es eine wichtige Geschichte ist. Nicolas, 11 Jahre
Ostberlin, wenig Jahre vor Mauerfall: Paul lebt bei seiner Oma. Von ihr erfährt er, dass man seine Eltern, die nach einem Fluchtversuch im Gefängnis saßen, nach Westberlin ausgetauscht hat. In diesem Moment erlischt seine Vorstellung, jemals wieder mit ihnen zusammen kommen zu können. Wenn er sein Ohr an eine zugemauerte Stelle im U-Bahn Tunnel der Friedrichstraße legt, kann er Westberlin hören, doch für DDR-Bürger wie Paul bleibt es unerreichbar. Eines Abends, als er seinen Onkel, der als Nachtwächter im Pergamon Museum auf das berühmte Ischtator aufpasst, besucht, ereignen sich in der Dunkelheit merkwürdige Dinge. Hat Onkel Henry ein Geheimnis? Pauls kriminologischer Geist ist geweckt. Zusammen mit Millie beginnt er zu beobachten und zu kombinieren. Doch je mehr die beiden Kinder ermitteln, desto verwirrender wird alles. Bald bekommt die kleine Familiengemeinschaft es täglich mit den Herren der Firma "Horch & Guck" zu tun, der gefürchteten Staatssicherheit.
Präzise hat Ute Krause den ostberliner Raum in seiner Zeit inszeniert. Das allseitige Lügengespinst, durch welches vermutlich auch Erwachsene nicht mehr durchblickten, bleibt verwirrend.  Doch am Ende zählt das Ergebnis. Oma und Onkel Henry haben das Unmögliche geschafft. Auch Paul darf nach Westberlin zu seinen Eltern ausreisen. Zurück bleibt die kindliche Ahnung an ein "anderes" Deutschland, in dem ein Leben bescheiden und mitunter nicht ganz einfach war. Diese Geschichte beruht auf einer wahren Geschichte.