Articles Written By: Marion Hübinger

Marion Hübinger

About Marion Hübinger

Autorin und Buchhändlerin mit Begeisterung für das Spannende und Fantastische. Mehr unter www.marion-huebinger.de

Sommerromanze in München

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Carolin Wahl: Vielleicht Trilogie 01. Vielleicht jetzt, Loewe Verlag 2021 € 14,95

Eine Sommerromanze, die Appetit macht. Die neunzehnjährige Gabriella aus Brasilien trifft durch ihr Praktikum in einer bekannten Münchner Caterringfirma auf Anton. Erst im Flugzeug, als er sich als ihr Sitznachbar entpuppt, dann wird er ausgerechnet ihr Ausbilder für vier Monate. Vier Monate, in denen Gabriella gute Laune unter den Köchen und Angestellten verbreitet. Vier Monate, in denen sie alles daran setzt, einen der Inhabeer der Firma zu treffen, da er der Grund ihres überstürzten Aufbruchs nach Deutschland ist: Der Mann soll ihr Vater sein, den sie jedoch  nie kennenlernen durfte. Gabriellas Achterbahnfahrt führt durch ein sommerliches München. Im Job geht sie bis an die Grenzen, ihre Freundinnen in der WG unterstützen sie beim sich Zurechtfinden, ihr ganzer Plan gerät dennoch irgendwann in Schieflage, als sie sich in Anton verliebt. Das Jugendbuch erscheint in der neuen Serie Loewe Intense, ist der erste Teil einer Trilogie, und will junge Erwachsene oder solche, die sich dorthin auf den Weg machen, mit intensiven Liebesgeschichten ansprechen.

Familienleben aus dem Takt

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Janina Hecht: In diesen Sommern, C.H.Beck Verlag 2021 €20,00

Schon auf den ersten Seiten, mit den ersten Sätzen bin ich in die Kindheit der Protagonistin Teresa eingetaucht. Janina Hecht lässt die Leser*innen an Teresas Erinnerungen teilhaben. in sparsamen Momentaufnahmen, beschwört sie die Bilder einer Familie herauf, und dennoch bleiben die Mitglieder wenig greifbar. Besonders der Vater, zu dem das Mädchen aufsieht, mit dem sie Vater-Tochter-Zeit verbringt, gegen den sie rebellieren wird, und der ihr dennoch fremd bleibt. Auch die Mutter und der jüngere Bruder werden kaum dingfest gemacht, so als hangele sich die Autorin an einer Pinnwand voller alter Fotos entlang. Es sind die kleinen und großen Momente, das Streiten oder das Schweigen der Eltern, das Bier zu viel des Vaters, der Bruder sorglos im Pool, die Teresa in Erinnerung bleiben. Und der Leser ahnt dabei, dass Teresas Welt jederzeit erschüttert werden kann. Der Debütroman von Janina Hecht besticht durch seine Schlichtheit und die minimalistisch gehaltenen Kapitel, die Autorin macht Teresas Geschichte in einer zurückhaltenden Emotionalität an zahlreichen aufeinanderfolgenden Sommern fest.

Inspirierender Briefwechsel

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Keigo Higashino: Kleine Wunder um Mitternacht, Limes Verlag 2021 €20,00

Ein Gemischtwarenladen, dessen Briefkasten zu einer Art Kummerkasten wird, da sich sein Besitzer die Fragen und Sorgen der Betreffenden sehr genau zu Herzen nimmt. Bis ins hohe Alter wird Herr Namiya die Briefe der Ratsuchenden so gut er kann beantworten. Seinem Sohn fällt es schwer zu glauben, dass noch immer Breife in dem Briefkasten landen, obgleich der Laden des Vaters längst geschlossen ist. Wie es dazu kommt, dass sogar Briefe aus der Zukunft einttreffen, oder drei Kleinkriminelle, die eigentlich nur ein Versteck für die Nacht brauchen, zu Briefeschreibern werden ... das und vieles mehr erfähren Leser und Leserinnen der wunderbar feinsinnigen Geschichten und der Schicksale, die dahinter stecken, lassen sie mitunter schmunzeln, aufhorchen und auch berührern. Mit einfachen Worten kann durchaus viel bewegt werden.

Lesend durch Europa laufen

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Philipp Fuge: Der Weg ist mein Zuhause, Knesebeck Verlag 2021 €18,00

Philipp Fuge ist zu Fuß unterwegs. Jedoch nicht auf irgendeinem Pilgerweg, nein,  er wird einmal quer durch Europa gehen, sprich von Gibraltar ans Nordkap. Damit wollte der Autor nicht nur eine Auszeit nehmen, sondern ein Zeichen für den Klimawandel setzen und für jeden erlaufenen Kilometer 1 € Spende sammeln. Über 65000 km durch 7 Länder, rund 70000 neu gepflanzte Bäume im Senegal, denn jeder Euro bedeutet 1 Baum. So die Quintessenz des Buches. Doch es steckt natürlich noch viel mehr dahinter, denn der Leser wird quasi auf jeden einzelnen Kilometer mitgenommen, durch andalusische Hitze, über Bergmassive, durch sattes Grün, oder auch mal entlang von Autobahnen, bis hoch hinauf in kalte Einöde zum Nordkap. Wer sich auf dieses Abenteuer einlässt, darf keine literarischen Ergüsse erwarten, sondern Nachdenkliches über uns Menschen, einen ehrlichen Reisebericht, eine permanente Auseinandersetzung mit sich selbst, mit den Gegebenheiten des Weges und mit der Intensität der Natur in all seinen Formen. Der Autor selbst sagt von sich, dass die 6 575 Kilometer lange Strecke wohl nur zu schaffen waren mit einer "Kombination aus ein bisschen tapfer und ein bisschen bekloppt" zu schaffen.  Ich bin den Weg lesend sehr gern mit ihm gegangen.

Glauben Sie an das Gute!

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Dmitrij Kapitelman: Eine Formalie aus Kiew, Hanser Berlin Verlag 2021 €20,00

Kennen Sie Frau Kunze aus der Ausländerbehörde? Der Ich-Erzähler wird von ihr aufgefordert, zur Einbürgerung nach 25 Jahren in Deutschland noch eine "Apostille" in seiner Geburtsstadt Kiew in der Ukraine zu organisieren. Dies führt ihn auf die Spuren seiner Familie, lässt ihn fast vergessene Freunde wiederfinden und feststellen, dass Heimat viele Gesichter hat. Dieser Roman macht Spaß! Wenn die deutsche Bürokratie zuschlägt oder die ukrainischen "Regeln" erklärt werden, um Vorgänge zu beschleunigen und der Erzähler nicht mehr weiß, wie deutsch oder doch ukrainisch er sich gerade fühlt. Der Autor hält wunderbar die Balance und lässt die Lesenden schmunzeln und mitfühlen. So zum Beispiel, wenn er mit seiner katzenliebenden "Heute-Mutter" hadert und sich plötzlich in Kiew mit seinem Vater, dessen Gesundheit und beginnender Vergesslichkeit auseinandersetzen muss. Und ganz nebenbei findet die zerstrittene Familie auf wundersamen Wegen wieder zueinander. Wer verstehen möchte, wie es sich anfühlt, "zwischen den Stühlen zweier Länder" zu sitzen, der möge dieses Buch lesen. Annette Goossens

Das pure Leben

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Callan Wink: Big Sky Country, Suhrkamp Verlag 2021 €23,00

Wer gerne Romane liest, die in der Weite der USA spielen, der darf mit "Big Sky Country" von Callan Wink in die Weiten Montanas abtauchen. August wächst auf der Farm seiner Eltern auf und muss nach deren Trennung als Jugendlicher  mit der Mutter nach Montana ziehen, wo diese sich ein neues Leben aufbauen möchte. August versucht, sich von den Erwartungen der Eltern an seine Berufswahl oder was es im Leben zu erreichen gilt, zu lösen. Die Natur und Freiheit, die er findet, erfüllen und formen ihn. Ob bei der Arbeit auf dem Feld oder auf einer Farm, auf der er mithilft - die Zufriedenheit, die diese Tätigkeit bei ihm auslöst, wird beeindruckend beschrieben. Mit klarer Sprache lässt uns der Autor am stillen Glück seiner Hauptfigur teilhaben. Die ursprüngliche Sprachlosigkeit zwischen Vater und Sohn weicht langsam einem gegenseitigen Verständnis. Seine Versuche, neue Freundschaften zu schließen und erste Erfahrungen mit der Liebe zu erleben, verfolgt man mit Spannung. Wie es gelingen kann, den eigenen Weg zu finden und dabei seine Wurzeln zu behalten, liest sich fesselnd. Ein ruhiger Roman, dem man anmerkt, dass der Autor selbst ein naturverbundener Einzelgänger ist. Dennoch packend bis zur letzten Seite. Annette Goossens

Überraschungen vorprogrammiert

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Fabian Neidhardt: Immer noch wach, Haymon Verlag 2021 €22,90

Der Roman von Fabian Neidhardt klingt so unglaublich und dennoch liegt der Geschichte ein wahrer Sachverhalt zugrunde.  Der Zeitungsartikel über eine medizinische Fehldiagnose, die einen Mann ins Hospiz zum vermeintlichen Sterben brachte , um anschließend wieder ins Leben zurückzukehren, hat den Autor angeblich dazu inspiriert, die emotionale Achterbahnfahrt des 30jährigen Alex zu erzählen. Alex ist zu jung, um an Magenkrebs zu sterben, zumal sein Vater daran elendig krepierte, als er selbst ein kleiner Junge war. Darum berschließt Alex, sich keiner Therapie zu unterziehen, sondern sich für die letzten Monate in ein Hospiz  zurückzuziehen. Das alte Leben ist abgeschlossen, dann muss Alex von heute auf morgen sein Zimmer räumen. Zurück kann und will er nicht sofort,  aber wie soll er sich neu definieren? Dem Autor ist eine charmante Lösung eingefallen: Alex wird sich darum kümmern, letzte Wünsche der Menschen zu erfüllen, die er im Hospiz  kennengelernt hat. In Rückblenden spürt Alex seiner eigenen Geschichte nach, während er sich darum bemüht, im Hier und Jetzt Lindi Hopp zu lernen, ein Schachturnier zu gewinnen oder sich ein Tattoo stechen zu lassen. Es gehört schon eine Portion Humor dazu, um diese Geschichte so zu schreiben, dass man nicht aufhören kann zu lesen. Einfühlsam, mitunter daramtisch, und immer wieder lebensfroh führt Neidhardt den Leser im Hospiz herum und füllt diesen Ort mit Leben, Freundschaften und sogar manch kleiner Freude.

Zwei Menschen auf Kollisionskurs mit dem Leben

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Delphine de Vigan: Ich hatte vergessen, dass ich verwundbar bin, DuMont Taschenbuch 2021 €12,00

Jedes Buch von Delphine de Vigan ist auf seine Weise besonders: Besonders menschlich, besonders ehrlich, besonders aufrüttelnd.  In dem vorliegenden Buch, das bereits 2009 im Französischen erschienen ist, rückt die Autorin zwei Menschen in den Mittelpunkt, die man durch einen Tag begleitet, der sie bis an den Rand der Erschöpfung bringt, und letztlich zu einer Beinahe-Begegnung führt. Mathilde, 40 Jahre, Witwe, 3 Kinder, erfolgreich Im Job, wurde im Lauf der vergangenen Monate von ihrem Chef auf subtilste Weise aus ihrer Position gedrängt. Thibault, 43 Jahre, Arzt, im Notdienst unterwegs, fährt quer durch Paris und leidet unter dem Mangel an allem. Beide sind sich bewusst, dass sie so nicht weiter machen können oder wollen. Beide sind auf ihre Weise Kämpfer und müssen sich an einem entscheidenden Punkt eingestehen, dass sie eben doch verwundbar sind.

Fesselnde Ermittlung im besetzten Paris 1940

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Chris Lloyd: Die Toten vom Gare D'Austerlitz, Suhrkamp Verlag 2021 €15,95

Ein überaus komplexer historischer Krimi, der mit dem Einmarsch der Nazis in Paris am 14. Juni 1940 beginnt, und Inspecteur Eduoard Giral, einen der fähigsten Ermittler, dazu bringen wird, gegen alle Widerstände und Einmischungen seitens Wehrmacht oder Gestapo vier Morde an Polen aufzuklären. Der Ermittler Giral, auch Eddie genannt, ist dabei unerbittlich, bisweilen fatalistisch angesichts der angespannten Lage der Franzosen in Paris, und seine Ermittlungsmethoden kann man mitunter als fragwürdig bezeichnen. Er bringt hochgestellte Nazis gegen sich auf, ignoriert die Einschüchterungsversuche der Gestapo, und muss immer wieder entscheiden, wem er trauen kann und wem nicht. Kein guter Krimi ohne Ermittler mit persönlicher Geschichte, und die erfährt der Leser nach und nach in Rückblicken, gedanklichen Exkursionen und aktuellen Auseinandersetzungen vor allem mit Eddies Sohn.

Lesend den Blick Richtung Himmel werfen

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Carsten Kluth: Die Sterne und wir, Arche Verlag 2021 €12,00

Eine 'literarische Reise zu den Geheimnissen des Nachthimmes' - so auf dem Klappentext zu lesen -  birgt eine Sammlung kleiner Texte, die die Augen der Leser natürlich nach oben, Richtung Himmel,  lenken sollen. Wer den unendlichen Nachthimmel bewundert,  lässt seinen Gedanken vielleicht genau wie der Autor freien Lauf. Darum folgen die Leser persönlichen Erinnerungen, kleinen Ausflügen in die Astrophaysik, dem Sehen und Riechen des Weltalls, oder dem Fundus an Literatur und Musik, zu denen der Nachthimmel angeregt hat. Kurzweilig zu lesen, mitunter auch lehhreich, aber immer mit einem Blick nach oben zu den Sternen und uns inmitten dieses gewaltigen Universums..

Wenn die Natur lockt

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Raynor Winn: Wilde Stille, DuMont Verlag 2021 €16,95

Das neue Buch der Nature-Writing Autorin Rynor Winn konnte mich auf seine ganz eigene Weise wieder begeistern. Erneut schenkt uns die Autorin einen sehr persönlichen Einblick in ihr Leben und knüpft dabei unmittelbar an das erste Buch  "Der Salzpfad" an, da die Leser unter anderem erfahren, wie dieses Buch geschrieben wurde. Sprich die Leser sind hautnah am Befüllen der Seiten dabei. An den Beweggründen der Autorin, die inzwischen mt ihrem Mann Moth das Leben einer Sesshaften in einem kleinen Dorf lebt, das Buch zu beginnen. Am intensiven Verabschieden ihrer Mutter. An ihren Ängsten um die sichtbaren Folgen der Krankheit bei ihrem Mann. Und letztlich auch an der Sehnsucht nach dem South West Coast Path, dem Einssein mit der Natur, dem Laufen, dem Unterwegs sein. All das zusammen genommen bringt Rynor und Moth dazu, wieder ein neues Wagnis einzugehen. Mit der Pacht einer Farm. Und mit einem neuen Trail, dem Laugavegur Trail in Island. Endlich, im letzten Drittel des Buches, sind die Leser wieder unterwegs, ihre Herzen klopfen, die Augen sehen und die Lippen schmecken ... ein Buch, das sich am Schönsten im Freien liest.

Fragen zur Weiblichkeit

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Linn Stromsborg: Nie Nie Nie, DuMont Verlag 2021, € 20,00

Die ehrliche und intensive Auseinandersetzung einer 35jährigen Frau mit der Frage, ob sie sich selbst treu bleiben kann und darf oder den gesellschaftlichen Erwartungen an sie als Frau und damit auch potentieller Mutter nachgeben soll. Schon früh hat sich für die Erzählerin herauskristallisiert, dass sie ein Leben ohne Kinder führen möchte. Damit schreckt sie so manchen Partner ab. Nur Philip bleibt. Mit ihm führt sie das Leben, dass sie sich vorgestellt hat: Spontan, lebendig, neugierig auf das Leben und mit einem bewegten Nachtleben. Rundum bekommen die Frauen Kinder, werden Freunde zu Eltern, warten Mütter auf Enkel, doch die Erzählerin will sich nicht rechtfertigen. Tut es dennoch in ihren inneren Monologen auf eine distanziert emotionslose Weise, und trifft den Leser dabei mit voller Wucht. Dann aber wird die beste Freundin schwanger und Philip hält die Gewissheit, nie eine Familie gründen zu können, nicht aus. Er hofft, hadert, geht und kommt wieder. Vieles ist in dieser Geschichte möglich oder auch nicht. In schlichter, klarer Sprache folgt der Leser der Gedanken- und Gefühlswelt der Erzählerin, bekundet mal Sympathien und mal Unverständnis, empört sich bisweilen, lässt sich aber durchaus auch beeindrucken. Über das Frau sein, die Weiblichkeit und Elternschaft.

Zwischen Familienglück und Familiendrama

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Ashley Audrain: Der Verdacht, Penguin Verlag 2021 €22,00

Das Buch hat mich eine Nacht gekostet, eine Nacht, in der ich mich wie eine Voyeurin im Leben der jungen Blythe, Ehefrau und Mutter, eingenistet und mit ihr all die Schrecken und Ängste durchlebt habe. Zurecht hat das Debüt der kanadischen Autorin bereits im Vorfeld für große Aufmerksamkeit gesorgt. Der Roman liest sich so spannend wie ein Krimi, so verstörend wie ein Psychothriller, und zwingt den Leser dazu, Partei zu ergreifen: Für oder gegen die junge Mutter, die von ihrer eigenen Familiengeschichte her traumatisiert ihre eigene neugeborene Tochetr nicht annehmen kann. Ihr Mann wünsccht sich die perfekte Familie und Blythe setzt alles daran, diesen Wunsch zu erfüllen. Doch zwischen Mutter und Tochter wird von Anfang an ein Riss entstehen, eine Kluft, die man von außen nicht sehen kann. Doch es macht etwas mit der kleinen Violet, die von dem Vater abgöttisch geliebt wird, und der Mutter misstrauisch begegnet. Das, was Blythe in ihrer Tochter glaubt zu sehen, ist zu monströs, um es in Worte zu fassen. Als ihr Sohn Sam auf die Welt kommt, erlebt sie endlich wahre Muttergefühle, und das nimmt das kleine Mädchen sehr wohl wahr. Aber sind Kinder zu Rache fähig? "Der Verdacht" ist ein schnungslos ehrliches Buch, mitreissend und zugleich schockierend. Und das bis auf die letzte Seite.

Britische Krimiheldin mit Suchtfaktor

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Elly Griffiths: Todespassion, Rowohlt Verlag J2021 €12,00

Elly Griffiths mit ihrer Krimiserie um die forensische Archäologin Dr. Ruth Galloway ist in England eine Bestsellerautorin, bei uns allerdings noch viel zu wenig bekannt.  Dabei muss man die sympathische Archäologin einfach auf Anhieb mögen. Von dem neuen Leichenfund in Norfolk erfährt sie dieses Mal von ihrem Kollegen und meint lapidar 'wenn in dem Graben nicht noch ein Skelett aus der Eisenzeit liegt, werden sie meine Beratung kaum brauchen`. Doch wie es aussieht, ist Dr. Galloway schneller in den Fall verwickelt als gedacht und ihre Antennen sind in alle Richtungen ausgerichtet. Denn eines kann sie besonders gut, sich in Dinge einmischen, die sie nichts angehen, und Verbindungen sehen, wo es keine gibt. Während die Ermittlungen in einer Klinik starten, in der das Opfer aufgrund ihres Drogenentzugs untergebracht war, fühlt sich eine Priesterin, die Dr. Galloway von früher kennt, bedroht. Die einen nennen es Zufälle, Dr. Galloway sieht Handlunsgbedarf. DCI Nelson kennt die Serienheldin gut genug, um zu wissen, dass er auf ihren Spürsinn nicht verzichten kann. Eine Krimireihe, die persönliche Themen und Ermittlung auf sapnnende und interessante Weise verwebt, und für mich zu den wirklich guten britischen Krimis gehört.

Grenzüberschreitende Ermittlungen

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Anna Schneider: Grenzfall - Der Tod in ihren Augen, Fischer Verlag 2021 €10,99

Schon der Einstieg in den ersten Krimi der Grenzfall-Serie macht deutlich, die junge und engagierte Alexa Jahn will in ihrem neuen Job als Kriminaloberkommissarin bei der Kripo Weilheim alles richtig machen. Durch und durch Polizistin stürzt sie sich gleich in den ersten Fall, der nichts für schwache Nerven ist. Ein zerteiltes Mordopfer, und die Spur der Leichenteile führt von Lenggries bis über die österreichische Grenze nach Tirol. So muss sich die junge Kommissarin nicht nur vor ihrem neuem Vorgesetzten beweisen, mit dem unbequemen Kollegen Huber im Team arbeiten, sondern sie muss auch ihren ersten grenzüberschreitenden Fall übernehmen. Dabei trifft sie auf den alternden Kollegen Bernhard Krammer aus Österreich, der sich an seinen eigenen Schwung aus jungen Jahren erinnert fühlt und eine ganz eigene Geschichte verbirgt. Eine Mischung aus spannender Ermittlungsarbeit, menschlicher Abgründe oder Beweggründe und der frischen Energie einer jungen Kommissarin, die ihre Arbeit als Berufung ansieht und ihren Platz im neuen Team finden muss.

Die Welt steht Kopf

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David Klass: Klima - Deine Zeit läuft ab, Goldmann Verlag 2021 €13,00

Hollywoodreiche Action, ein perfekter Spannungsbogen, eine dramatische Jagd - all das gepaart mit der Kilmathematik macht den Thriller des amerikanischen Drehbuchautors Klass zu einem aufregenden Leseerlebnis. "Green Man" , gejagt von hunderten an FBI-Agenten und dabei so etwas wie ein Held in der Szene all derer, die sich eine bessere Zukunft wünschen und dafür einsetzen. Wären da nicht die Menschen, die bei den spektakulären Aktionen sterben müssten. Und die lebensgefährlichen Aktionen, die auf radikale Weise die Menschen und die Politik zum Umdenken bringen sollen. "Green Man" ist schlau. Doch dann taucht Tom auf, ein junger Computeranalyst, der sich in der FBI schnell einen Namen macht. Die Stricke ziehen sich enger und enger um den meist gesuchten Umwltaktivisten Amerikas ...

Ein geheimnisvoller Dichter

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Ruth Saberton: Der Liebesbrief, Aufbau Taschenbuch Verlag 2021 €12,99

Die junge Künstlerin und frische Witwe Chloé mietet das alte Pfarrhaus eines kleinen Ortes an der Küste von Cornwall. Es soll ihr Rückzugsort werden, nachdem sie den Tod ihres Mannes nach über drei glücklichen Ehejahren noch nicht verwunden hat und einen Neuanfang sucht. Der ortsansässige Historiker des Ortes Matt wird ihr erster Ansprechpartner, um mehr über ein altes Herrenhaus und dessen Bewohner zu erfahren. Besonders die Geschichte des unverkannten jungen Dichter Rivers interessiert Chloé, da sie im Pfarrhaus auf Spuren aus seiner Vergangenheit gestoßen ist. Geschickt fügt die Autorin die Verlustbewältigung der Protagonistin, die geheimnisvolle Geschichte von Daisy und Rivers aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts, und die zarte Annäherung von Chloé und Matt mit ihren ganz eigenen Geschichten zusammen. Dazu entführt sie den Leser an die reizvolle Küste Cornwalls, und hält so manchen Blick auf das dörfliche Ambiente, die Küste und das Meer mit den Augen einer Künstlerin fest.

Sprachgewaltig und schockierend ehrlich

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Hengameh Yaghoobifarah: Ministerium der Träume, Blumenbar Verlag 2021 € 22,00

Von der Flucht einer Mutter mit ihren kleinen Kindern 1981 aus dem Iran nach Deutschland. Erste Station Lübeck Aussiedlerheim, weiter nach Hamburg, später Berlin. Vom vergeblichen Warten auf den Vater, der nie nachkommen wird, weil er Opfer einer Hinrichtung wurde. Vom Ausgegrenztsein in der Schule, dem Zusammenhalten unter Schwestern, vom sich zurechtfinden müssen in einem ungewollten Leben. Vom Leben am Limit. Drogen, männliche Gewalt, Sexarbeit, Angst vor der rechten Szene,  Sprachlosigkeit, Kampfgeist. Sprachgewaltig, erfrischend und zugleich schockierend ehrlich führt die Autorin den Lesern vor Augen, was es bedeutet, einen Lebensentwurf zu führen, der einem zunächst die Heimat nimmt, später den Vater, dann die jüngere Schwester, auf sie man so lange aufgepasst hat, und mit einer Mutter zurechtkommen muss, die mit ihren eigenen Traumata zu kämpfen hat. Der jungen Autorin gelingt es, Bilder im Kopf zu erzeugen, die man nicht haben möchte und die einen dennoch nicht loslassen. Es war schier unmöglich, das Buch aus den Händen zu legen.

Die Magie der Barden

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Dylan, Farrow: Hush, Loewe Verlag 2021 €19,95

Die Fantasy - Dilogie der Tochter von Mia Farrow und Woody Allen stellt im Vorfeld hohe Erwartungen an das Buch. Tatsächlich gefällt mir die in "Hush" erdachte Welt sehr gut, auch die Hauptprotagonistin Shae wird so gut eingeführt, dass man sie direkt vor Augen hat. Das Leben in dem Land Montane ist hart, der Ort, in dem Shae mit ihrer Mutter lebt, von der anhaltenden Dürre geplagt, und der Blaue Tod trifft diejenigen, die verbotene Wörter schreiben oder aussprechen. Alle hoffen nun auf den Besuch der Barden aus dem Hohen Haus, auf dass sie den Ort segnen und ihm Wasser bescheren werden. Denn die Barden sind mächtig, nur ihnen obliegt es, mächtige Worte in den Mund zu nehmen. Dann allerdings kommt alles ganz anders. Shaes Mutter wird brutal ermordet, niemand im Ort will Shae glauben und für sie als Waise ist plötzlich kein Platz mehr. Soweit so gut, in Fantasybüchern werden Held*innen erst unter harten Umständen geboren. Shae wird zu den Barden gehen, erfahren, dass sie selbst die Gabe in sich trägt, Beschwörungen mit Worten hervorzurufen. Doch wer warum Freund und Feind ist, warum Shae größtenteils sehr unvernünftig handelt und ihr Handeln kaum Konsequenzen trägt, das zeigt, dass es hier noch Potential nach oben gibt. Die Leser*innen tauchen dennoch in ein magisches Abenteuer, das neugierig auf die Fortsetzung macht.

Stille Gedanken um den eigenen Lebensentwurf

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Moritz Heger: Aus der Mitte des Sees, Diogenes Verlag 2021 €22,00

"Aus der Mitte des Sees" entspringen Gedanken, Lebensentwürfe, das ganze Sein. Der Autor lässt einen jungen Mönch Bahn um Bahn in dem See nahe der Benediktinerabtei durch das Wasser ziehen und Antworten auf drängende Fragen suchen. Warum ist sein Mitbruder gegangen, um eine Familie zu gründen? Wer wird die Leitung der Abtei nach dem Ableben von Pater Alban übernehmen? Bin ich auf dem richtigen Weg? Bruder Lukas geht in ein fiktives Gespräch mit seinem Exmitbruder Andreas, mit dem ihn eine enge Freundschaft verbindet. Und der Steg am See. Der jetzt leer ist, bis zu dem Tag, an dem Sarah dort aus dem Wasser auftaucht und fragt "Störe ich?" Schritt für Schritt geht Lukas zurück in die Zeit vor seinem Eintritt ins Kloster, in die Zeit mit Andreas, in die Zeit, als Juliane auftauchte und Andreas mit sich nahm. Und jetzt Sarah, mit ihrer ganz eigenen Geschichte von Verlust und Schmerz. Diese Begegnung scheint wie ein Prüfung zu sein, das Ende für den Leser umso überraschender. Ein ruhiges Buch, das den Blick über den kleinen Natursee schweifen lässt, die Gedanken dahingleiten lässt wie ein Schwimmer, der seine Bahnen zieht, und auf stille Weise die großen Lebensfragen aufwirft beziehungsweise beantwortet.

Eine Hexe mit dem Mut für drei

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Mechthild Gläser: Die Worte des Windes, Loewe Verlag 2020 €14,95

Die Fantasy-Autorin Gläser bietet in ihren Geschichten stets eine besondere Fantasywelt innerhalb ihrer fantastischen Geschichten.  In "Die Worte des Windes" existiert eine Unterwasserwelt,  die von Hexen bewohnt ist. Die 16jährige Robin, eine junge Hexe und Tochter der mächtigsten Hexenkönigin, ist vor ihrer eigenen Mutter in die Menschenwelt geflohen und hat ihren Hexenkräften abgeschworen. Doch die Winde drehen. das Wetter spielt verrückt, und auf einmal taucht ein Blitzjäger bei Robin auf und bittet sie, das Atlantis der Hexen vor einem Krieg zwischen ihren Eltern zu bewahren. Ein abenteuerliche Reise in die Unterwasserwelt beginnt, die so schillernd und fantasievoll beschrieben ist, dass man sie am liebsten selbst besuchen würde. Wäre da nicht das Problem, dass auf Robin ein Kopfgeld ausgesetzt wurde ...

Magischer Zeitsprung ins Jahr 1859

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Benjamin Read/Laura Trinder: Die Mitternachtsstunde 2 - Emily und der löchrige Zeitzauber, Carlsen Verlag 2020 €15,00

Emily ist mutig, tapfer und trägt jede Menge Magie in sich. Was sie allerdings erst seit ihrem ersten Abenteuer in der Mitternachtsstunde weiß. Damals, als ihre Eltern spurlos verschwunden waren, gelang Emily der Zeitsprung ins London von 1859. In dem Jahr zur Mitternachtsstunde  ist die Welt eingefroren und fernab von Emilys Welt von allerlei magischen Wesen bewohnt. Großes Pech für Emily, denn sie hat von ihren Eltern Abenteuerverbot bekommen. Nur unter strenger Aufsicht darf sie mit ihrem Vater wieder in die Mitternachtsstunde. Doch kaum ist sie dort angkommen, purzelt unsere energische Heldin ins nächste Abenteuer. Mysteriöse Zeitrisse müssen gefunden weerden, damit die magische Welt vor den Augen der Menschen verborgen bleibt. Mit einer großen Prise Witz, Emilys immerwährendem Optimismus und einem guten Freund an der Seite kann das vielleicht gelingen. Dem jugen Leser wird es dennoch so manches Mal die Haare sträuben, er wird sich wünschen, mit Emily und Tarkus den Nachtmarkt besuchen zu können, und genausoviel Mut wie Emily zu besitzen.

Über die Schönheit des Klaviers

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Natsu Miyashita: Der Klang der Wäder, Insel Verlag 2021 € 20,00

Tomura, ein Schuljunge aus einem kleinen Bergdorf, erlebt durch Zufall die Arbeit eines Klavierstimmers. Ohne jemals Klavier gespielt zu haben, fasziniert den Jugen sofort, wie die Klänge sich verändern können und die Geräusche eines ganzen Waldes in ihm wecken. Darum will er fortan nichts anderes werden als Klavierstimmer. Der Autor lässt den Leser durch Tomura-kan erleben, wie ein junger Mensch den Weg zu seiner Verwirklichung beschreitet.  Auf seine bescheidene Art setzt Tomura-kan nach Abschluss seiner Ausbildung zum Klavierstimmer alles daran, zu lernen, zu lauschen, und mit jedem Klavier, das er stimmen darf, über sich hinauszuwachsen. Eine poetische Geschichte, in Japan längst ein Bestseller, die auf jeder Buchseite Klaviersaiten zum Schwingen bringt.

1945, Münchner Leichen im Visier

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Heidi Rehn: Das doppelte Gesicht, Aufbau Taschenbuch Verlag 2020 €12,99

Heidi Rehns erster historischer Krimi um den Ermittler Emil Graf bietet in erster Linie das lebendige Bild Münchens 1945 kurz nach Ende des Krieges und weniger den kriminalistisch  spannenden Fall mit der entsprechenden Ermittlungarbeit. Zu sehr sind die einzelnen Figuren verhangen in ihren Erinnerungen, guten, weniger guten oder sogar längst verschütteten. Da ist auf der einen Seite Emil Graf, ein junger Mann, der das Glück hatte, aus der Gefangenschaft in der Normandie heraus mit seinem amerikanische Vorgesetzten zur Münchner Polizei zu geraten. Außerdem kommt die Reporterin Billa ins Spiel, Jüdin, Exilantin mit amerikanischem Pass. Ihr zufälliges Auftauchen im Haus der ersten Leiche, die der Polizeianwärter Emil zu Gesicht bekommt, bringt eine Geschichte ins Rollen, die lange stagniert in eben diesen Erinnerungen. Der Leser darf dabei allerdings den Blick über das bayerische Voralpenland schwenken lassen, über die zerbombte Innenstadt oder die scheinbare Idylle in Nymphenberg. Derweil wird es nicht bei der ersten Leiche bleiben. Für meine Vorstellung von einem Krimi kommt die wirkliche  Ermittlungsarbeit und der damit verbundene Spannungsanstieg leider etwas zu kurz, dafür ist die Geschichte wie alle Titel von Heidi Rehn historisch fundiert und durchaus unterhaltsam.

Starke Frauengeschichte mit biblischem Hintergrund

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Sue Monk Kidd: Das Buch Ana, BtB Verlag 2020 €22,00

"Das Buch Ana" hat sich als eine der stärksten Frauengeschichten entpuppt, die ich seit langem gelesen habe. Ungeachtet der Tatsache, dass sie Anfang des ersten Jahrhunderts nach Christi beginnt, und Mädchen sowie Frauen in dieser Zeit nicht viel mehr zu tun hatten als zu gefallen und zu gehorchen, lernen wir die vierzehnjährige Ana als eigensinniges und von ihren Gedanken überzeugtes Mädchen kennen. Aufgewachsen in der Nähe des Palastes von Herodes Antipas, ihr Vater dessen oberster Schriftgelehrter, hat Ana schreiben und lesen lernen dürfen. Als sie auf dem Markt von Sepphoris Jesus kennenlernt, wird sie ihr Weg über viele Hürden und Bürden hinweg als dessen junge Frau an seine Seite führen. Ana ist eine von vielen Frauen, die in diesem Buch zu Wort kommen, und Ana wird all ihre Geschichten aufschreiben. Die Leidvollen, wie die Schmerzhaften. Die mit Happy End und die Tragischen. Ana wird auch ihre eigene Geschichte aufschreiben. Die einer großen Liebe zu Jesus, die sie jedoch nicht blind macht für seine Nähe zu Gott und seinen Weg, den er trotz aller Gefahren gehen wird. Ana ist eine fiktive Partnerin, die die Autorin Jesus an die Seite gestellt hat. Doch es ist trostvoll für den Leser, wenn er Jesus schweren Weg bis ans Kreuz begleitet und weiß, dass Ana ihm bis zuletzt den Rücken stärkt.

Zwischen zwei Kulturen

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Olga Grjasnowa: Der verlorene Sohn, Aufbau Verlag 2020 €22,00

Jamalludin ist der Sohn des Imans vom Nordkaukasus. Er wird 1839 zur Zeit des Kaukasischen Krieges mit neun Jahren als Pfand für Friedensverhandlungen von seinen Eltern den Russen übergeben. Er steht unter Protektion des Zaren Nikolai und wird nach St. Petersburg gebracht. Dort bekommt er eine Ausbildung wie die Kinder der adligen Familien und ist oft Gast am Zarenhof. Lange hofft er, dass sein Vater ihn zurückholt. Als Jugendlicher fragt er sich oft, wer er eigentlich ist. Als junger Mann ist er Offizier in der russischen Armee. Er hat unter den Russen gute Freunde und findet eine Frau, die er liebt. Eines Tages steht er wieder vor seinem Vater und seinen Brüdern. Ein fesselnder Roman über das Leben in verschiedenen Kulturen und Religionen und über widerstreitende Gefühle. Friederike Wagner

Sehnsucht nach Ehrlichkeit

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Raffaella Romagnolo: Dieses ganze Leben, Diogenes Verlag 2020 €22,00

Paola ist 16 Jahre alt und sehnt sich danach, hinter Schweigen und Oberflächlichkeit Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit zu finden. Mit dem etwas älteren Antonio kann sie über vieles sprechen bis sie ihn im Verdacht hat, er könnte mit dem Mobbing gegen sie zu tun haben, dem sie in der Schule ausgesetzt ist. Sie ist eine leichte Zielscheibe mit ihrem Übergewicht. Dass ihr Bruder eine körperliche Behinderung hat steht geschwisterlichem Vertrautsein und Füreinanderdasein nicht im Wege. Bis ihre Mutter über Versäumnisse und sogar Vergehen in der Vergangenheit sprechen kann muss in der Gegenwart von Paolas Familie ein gewaltiger Bruch in der schönen Fassade stattfinden. Die Autorin hat sich beindruckend in die Gefühls- und Gedankenwelt dieses jungen, aufmerksam beobachtenden und reflektierenden Mädchens hineinversetzt, das mir im Laufe des Lesens immer mehr ans Herz gewachsen ist.  Friederike Wagner

Von Müttern und ihren Träumen

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Meg Wolitzer: Die Zehnjahrespause, DuMont TB 2020 €12,00

Alles dreht sich jahrelang nur um die Kinder. Aber spätestens sobald sie 'aus dem Gröbsten raus sind', bricht für viele Frauen die Zeit an, sich über die eigene weitere berufliche Zukunft klar zu werden. In „Die Zehnjahrespause“ zeichnet Meg Wolitzer ein Porträt von vier amerikanischen Vorstadtmüttern auf der Suche nach der richtigen beruflichen Entscheidung nach 10 Jahren 'Kinderpause'. Mit Amy, Jill, Roberta und Karen erleben wir hautnah mit, wie sie abwägen, ringen, sich arrangieren – und doch ihre Träume nicht ganz aus den Augen verlieren. Ich mag den ruhigen, beobachtenden, aber immer mit Wohlwollen und Amüsement auf ihre Protagonistinnen blickenden Stil der Autorin. Sie lässt die Leserin am Dilemma moderner Frauen teilnehmen, ohne zu werten oder eine Lösung anzubieten. Und sie beschreibt sehr genau ein weibliches Generationengefühl im Spagat zwischen Muttersein und der Sehnsucht nach einem erfüllenden Beruf – und das gilt immer noch und weltweit (das amerikanische Original erschien 2008).  Annette Goossens

Wenn der Duft von selbstgebackenem Brot durchs Haus zieht

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Luutz Geißler: Krume und Kruste. Brot backen in Perfektion, Becker Joest Volk Verlag 2020 € 29,95

Geeignet für Anfänger und Fortgeschrittene lässt das neue Buch von Lutz Geißler alle Amateur-Bäcker/innen Erfolgserlebnisse feiern. 25 Rezepte und Varianten, Schritt für Schritt mit ansprechenden Fotos bebildert, keine Angst vor Hefe- oder Sauerteig! Seine Rezepte brauchen kein Chi Chi oder aufwendige Zutaten, nur Mehl, Wasser, Salz, Hefe oder Sauerteig- und los geht's. Und jeder weiß: Backen macht glücklich!

Waldspaziergang & Gaumenfreude

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Bernadette Wörndl: Das Wald-Kochbuch, Hölker Verlag 2020 € 32,00

Dieses Kochbuch ist bereits haptisch ein besonderes Erlebnis. Die Autorin und Foodstylistin Bernadette Wörndl nimmt den Kochbegeisterten entsprechend der Jahreszeiten mit in den Wald, und regt dabei an, dessen Schätze nicht nur sammeln sondern anhand ihrer Rezepte nachzukochen. Und damit der richtige Pilz oder die passende Pflanze im Wald gefunden wird, stellt sie den Rezepten eine Seite aus der Speisekammer voran. Mit wunderbaren Zeichnungen werden der Steinpilz, die Morchel, der Sauerklee , die Waldbeeren oder auch die Tanne vorgestellt. Schmackhaft hergerichtete Fotos lassen den Kochbuchfreund mit großer Begeisterung blättern, regelrecht durch den Wald spazieren und Lust auf jede Menge neue Rezepte bekommen.