Articles tagged with: Angst

Zuckersüß und gemein, tiefgründig & klug

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Will Tobler, Rotraut Susanne Berner: Karak und der Zuckerbäcker, Moritz Verlag 2019 € 10,95

Für eine Erstlesegeschichte hat sie es in sich. Karak und der Zuckerbäcker erzählt mit dem Riesen Karak bildhaft von der Angst vor dem Bösen und Gemeinen, wie man ihr begegnen muss, damit sie schrumpft und wie sie bekämpft werden kann. Das Dorf des Zuckerbäckers liegt am Fuße eines Berges. Dort wohnt der Riese Karak. Einmal im Jahr, wenn er seine Suppe verspeist hat, holt sich Karak seinen süßen Nachtisch bei den Dorfbewohnern. Vor allem die Zuckerbäckerei plündert er dabei restlos aus. Das ist gemein und darf nicht so weitergehen. Während sich alle vor dem bösen Riesen verstecken, versucht der Zuckerbäcker ihm die Stirn zu bieten. Erst geht es schief, doch dann hat der schlaue Zuckerbäcker noch eine Idee. Er nimmt den Riesen mit ins Dorf und lässt ihn die Kirchturmuhr stellen. Je mehr die Menschen von Karak erfahren und ihn eingemeinden, umso kleiner wird der Riese. Am Ende erlernt er sogar das Zuckerbäckerhandwerk. Eine tiefgründige und kluge Geschichte mit viel Gesprächspotential,  bei der das Mehrfachlesen lohnt.

Nahe Zukunft Ruhestand

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Anne Cathrine Bomann: Agathe, hanserblau, € 16,00

Noch 22 Wochen arbeiten, voraussichtlich noch 800 Gespräche. So misst ein Psychotherapeut, der namenlose Ich-Erzähler des Romans, die Zeit bis zu seinem Ruhestand. Endlich frei! Doch während die Therapiegespräche an ihm vorüberziehen, entdeckt er seine eigene Angst vor der Zukunft. Die Begegnung mit Agathe, einer neuen Patientin, lässt ihn ungewohnte Wege gehen, sowohl in seinen Gedanken, als auch in den Strassen zwischen Praxis und Zuhause. Vielleicht wird die Zukunft doch nicht so grau und eintönig, wie er sie sah? EIn feines, kleines, nachdenkliches und anregendes Buch, nicht nur für Therapeuten.

Der Abschiedsbrief: Ein Monster zum Verlieben

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Dita Zipfel, Mateo Dineen: Monsta, Tulipan 2018 € 15,00

Dieses Monster schließt man sofort ins Herz: auf spillerigen Beinchen steht es da wie ein Vogel, mit fluffigem Körper wie ein Wattebausch. Der breite Mund reicht ihm von einem Ohr bis zum anderen (wenn es Ohren hätte). Auch Zähne hat es nicht grad viel. Dafür schaut es mit riesigen Glubschaugen keck in die Welt. Es scheint voller Tatendrang. "Hi" hat es ungelenk mit seinem Stift an die Wand geschrieben. Die Worte geraten ihm lautmalerisch. Monsta und Kint. Hat es gerade erst schreiben gelernt? So wie monstern? Dieses Monster, es heißt übrigens Harald, schreibt seinem Kind einen wichtigen Brief. Einen Abschiedsbrief, denn aus Monstersicht ist mit dem Kind bei dem Harald wohnt und arbeitet etwas ganz und gar nicht in Ordnung. Das Buch ist eigentlich ein Klassiker. Der große Grusel wird bei genauer Betrachtung ganz klein. Das Monster müht sich, groß und gefährlich zu werden und dabei schließen wir es ins Herz. Tausendmal gelesen und immer wieder von Neuem gruselwitzig und herzerwärmend. Vor allem die Monsterillustrationen und Gruselkabriolen sind wunderbar.

Kinderleichte Angstbewältigung mit dem Wilden Watz

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Edouard Manceau: Der Wilde Watz, Moritz Verlag 2017 € 14.-

Angst entsteht im Kopf. Gesehenes wird abgespeichert und zu Neuem kombiniert. Und in nächtlicher Schwärze steht er plötzlich da, der Wilde Watz: Arme und Beine wie Baumstämme, der Körper so groß wie ein Haus, die Ohren wie Fenster und Türen. "Aber du machst mir keine Angst",  sagt die kleine Erzählstimme in diesem minmalistischem Bilderbuch, dem es in seinem Spiel mit wenigen farigen Formen an nichts fehlt, mit Bestimmtheit aus dem Off. Einmal an Ohren und Zähnen gekitzelt und schon finden die Elemente an ihren ursprünglichen Platz in der Welt zurück. Die Hörner bilden den Mond, die Zähne das Gras. Ein Haus, ein Wald, ein Auto mit Anhänger. Die Augen des großen gruseligen Watzes sind als Letztes dran. Sie rollen erst erstaunt, kurz darauf neugierig, später ein wenig beschämt, dann ängstlich hin und her, bis sie ihren Platz als Wagenräder finden. Nu ist er weg! Wo man den wilden Watz vielleicht gerade ins Herz geschlossen hatte. Macht nichts. Einfach das Buch wieder von vorne aufschlagen. Da ist er wieder! Dieses Buch ist einfach perfekt. Für Ängstliche und Monsterfans, für Verspielte und Neugierige. Für Groß und Klein!

Nascherei zum Verlieben und Nervennahrung

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Peer Martin: Was kann einer schon tun? Oetinger 2017 € 8,99

Überaus lesenswert

Wenn Peer Martin der Frage nachgeht, wie die Welt zu retten sei, überstrahlen die Begegnungen zwischen Menschen, ihre sensiblen Gespräche voller Mimik und Gestik, die Spaziergänge entlang des Sankt Lorenz Stroms in Quebec, die düstere Faktenlage. Selbst seinem Hund Lola ringt der besorgte Familienvater Antworten ab, die er aus ihren Augen lesen kann. Schon das macht dieses schmale Büchlein überaus lesenswert.

Der Fremde

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Charlotte Habersack, SaBine Büchner: Der schaurige Schusch, Ravensburger Verlag 2016 € 12,99

Auf dem Dogglspitz, von Nebel umgeben soweit das Auge reicht, lebte abgeschieden von der Welt eine eigeschworene, tierische Gemeinschaft: das Huhn mit keckem Tirolerhut, der Hirsch in stattlicher Lederhose, eine Gams, ein Murmeltier und ein neugieriger Partyhase. Sie wussten nichts genaues, hatten dafür aber umso mehr gehört, über den Schusch, und eine blühende Fantasie. Kaum hatten es sich die Tiere versehen, war der Schusch auch schon da, durchkreuzte ihre Pläne der Missachtung und lud alle zu einer Einweihungparty ein. Natürlich wollte keiner. Nur der der Partyhase konnte einfach nicht widerstehen. Die Tiere  befürchten das Schlimmste. Einweihungsparty mit Hasenbraten. Doch weit gefehlt....In diesem Bilderbuch erzählen Text und Bild auf den Punkt. Das  aktuelle Thema des Fremdseins, die mit dem Fremden einhergehenden Ängste, überspielt in großspurigen Vorurteilen und die mutige, neugierige Annäherung, die es überall in der Welt braucht, auch auf der Dogglspitze, verpackt die Münchner Autorin Charlotte Habersack in einen rasant genialen Text, der immer wieder laut Lachen lässt. Einer muss eben den Anfang machen und dann kann die Party so richtig losgehen. Große Vorleser und kleine Betrachter werden rundum ihre Freude haben.

Charlotte Habersack, SaBine Büchner: Der Schusch und der Bär, Ravensburger Verlag € 12,99

Während der Schusch sich eingelebt hat ist ein Bär neu eingezogen. Ihm ist der Schusch nicht geheuer. Ihn treibt die beständige Angst nach Sicherheit um, deshalb beginnt er an seiner Haustür ein paar Schlösser mehr einzubauen. Auch die Fenster müssen vernagelt werden. Ist das wirklich nötig? Bald sitzt er ganz allein im stockdunklen.

Nie mehr Nacht

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Jöns Mellgren: Elsa und die Nacht, Kleine Gestalten € 14,90

Was wäre, wenn die Nacht verschwinden würde? In Kinderliedern bringt die Nacht geruhsamen Schlaf und schöne Träume. Für Elsa ist das wohl anders. Sie sitzt am Küchentisch und zählt ihr Müsli. „Du darfst hier nicht sein“, sagt sie als sie die plumpe, kleine Gestalt, das zitternde transparente Schemen, unter ihrer Bank hervorzieht und sperrt die Nacht in eine Keksdose ein. Was bald darauf in der übermüdeten Stadt passiert, gibt zu denken.So kann´s gehen. Meine Schuld ist das nicht.“ brummt Elsa, holt aber die Nacht wieder hervor und verköstigt sie mit einem Glas Traubensaft und ihrer Lebensgeschichte. Der wunderbar gelungene, poetische Text wird kongenial von surrealen, expressiven Bildern umrundet, deren klares Spiel mit Farbe und Formen beeindruckt und durch ständigen Perspektivwechsel neugierig macht. Die flächigen Farbfelder collagieren das Davor und Dahinter, Drüber und Drunter, Drinnen und Draußen als waghalsiges Spiel mit traumhaften Zwischenwelten. Die stetig wachsende Nacht umfängt das Leben und trägt Elsa behutsam in ihr Bett, sodass sie endlich wieder ins Reich der Träume gleiten kann. Ebenso wie eine schöne Einschlaf-Geschichte ist dieses Buch eine zarte Geschichte über Verlust und Versöhnung.

Mutig der Furcht entgegen

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Lemony Snicket: Dunkel, Nord-Süd Verlag € 14,95

In diesem Buch ist das Dunkel flüchtig wie ein Lufthauch und allgegenwärtig zugleich. Leo, dem kleinen Jungen im blauen Schlafanzug, lässt das Dunkel keine Ruhe. Er fürchtet sich ein wenig davor. Tagsüber inspiziert er das Haus, aber da verkriecht sich das Dunkel im Keller. „Hallo“, ruft er mutig hinein. „Hallo“, antwortet das Dunkel. Doch eines Tages, Leo schläft jetzt mit seiner Taschenlampe im Bett, besucht ihn das Dunkel in seinem Zimmer. Es will ihm etwas zeigen und lotst Leo durch das gespenstische Haus in den Keller zu der Schublade mit den Glühbirnen. Jon Klaasen, 2013 bekam er den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Sparte Bilderbuch, ist Minimalist in seinen Illustrationen. Da Dunkel liegt ihm. Das flächige, warme Schwarz umfängt den Betrachter fast angenehm. Darin in erdigen Farben die Abschnitte des Hauses, die Leo im Schein seiner Taschenlampe einfängt: die Dielen, das Treppenhaus, die Türstöcke, ein paar Möbel. Man möchte mit Leo nach dem Dunkel greifen, aber schwups, schon ist es wieder an einer anderen Stelle. Der Text dazu ist ebenso minimalistisch wie tiefgründig.“Ohne das Dunkel wäre alles hell, und dann wüsstest du nie, ob du eine Glühbirne brauchst.“ Die Glühbirnen sind äußerlich Leos Rettung. Doch eigentlich ist es der offensive Kontakt und die Auseinandersetzung, die zur Überwindung seiner Ängste führt. Ein sparsames, aber beeindruckendes wie kunstvoll gemachtes Bilderbuch.

Keine Angst beim Einschlafen

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Moni Port: Es gibt keine Kinder! Klett-Kinderbuch € 11,95

Liebevoll und herzenswarm geht es im Dunkeln wie im Hellen zu, wenn der Glaube an fremde Mitbewohner erwacht. Aber Liebelein“, beruhigt die Monstermama ihr Kleines. Es hat Angst vor Kindern in der Helligkeit. Den Spieß umzudrehen, um zu zeigen, wie ängstliche kleine Monster sind, die Kinder sich ausmalen, ist nicht neu. Diese nachtschwarzen Minimonster mit ihren Patschhändchen, Katzenohren und Kugelaugen, welche auf der Pritsche eines Spielzeuglastwagen einzuschlafen versuchen, bevor es endgültig hell wird, schließt der kleine Betrachter sofort ins Herz.