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Auf des Messers Schneide

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Hans Hermann Hertle, Kathrin Elsner (Hg.): Der Tag, an dem die Mauer fiel, Nicolai Verlag € 14,95

Internationale Pressekonferenzen schienen die Pressebeauftragten der DDR gern zu verstolpern. Beim Mauerbau ebenso wie beim Mauerfall 28 Jahre später. Doch während die Worte Ulbrichts "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten" im Juni 1961 kaum einen Berliner erreichten hörten die Mitteilung Günter Schabowskis alle und setzten sich in Bewegung in Richtung Mauer. Was sich in den darauffolgenden Stunden an den Berliner Grenzübergängen ereignete, haben Hans Herrmann Hertle und Kathrin Elsner in diesem Buch in Zeitzeugenberichten dokumentiert. War dies der verrückteste Irrtum in der deutschen Geschichte? Glücklicherweise war es der Besonnenste und Friedlichste. Noch heute läuft es beim Lesen kalt den Rücken hinab, wenn einem bewusst wird, wie die DDR höchste millitärische Einsatzbereitschaft anordnete und ein Stein oder ein Schuss ein ganz anderes Ende hätte entstehen lassen können. Kaum vorstellbar ist dreißig Jahre später auch die unzureichende Vernetzung zwischen den Kontrollpunkten, in der die fehlenden Anweisungen einen handlungsfreien Raum für Befehlsempfänger erschufen, den irgendjemand beherzt füllen musste. Derweil die West-Berliner im Freudentaumel steckten, stand die politische Situation in ihrer Stadt auf des Messers Schneide. Hertle und Elsner arbeiten sorgsam heraus, wie die Bürger der DDR auf allen Seiten friedlich und beherzt mit der Lösung des Problems Tatsachen schufen. Noch heute darf man vor ihnen dafür tief seinen Hut ziehen.

Kinderalltag an der Mauer

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Katja Ludwig: Das Mauerschweinchen, cbj 2019 € 13.-

"Schwein gehabt", denkt Aron, als das Meerschweinchen an seinem improvisierten Gleitschirm über die Grenzanlage in den Westen Berlins segelt. Ein Meerschwein und die Berliner Mauer bilden den Mittelpunkt zweier Kindergeschichten, die vom Leben in den deutschen Ländern der 80er Jahre erzählen. Die Mauer führt quer über die Wolliner Straße und bildet die Begrenzung der kindlichen Welten. Arons Eltern wollen mit dem Westen nichts zu tun haben, aber Arons Oma besucht ihn regelmäßig. Als Rentnerin darf sie von Osten nach dem Westen reisen. Deshalb nennt Aron sie auch seine "Wandeloma". In Noras Mietshaus, auf der westlichen Seite wohnt auch eine Oma. Jeder nennt sie Oma Wirsing. Sie wandelt manchmal in umgekehrter Richtung, von West nach Ost, um sich die Haare preisgünstig in lila Locken legen zu lassen. Noras größter Weihnachtswunsch wäre ein Meerschwein gewesen, doch ihre Eltern wollen ihn ihr nicht erfüllen.