Articles tagged with: Frankreich

Drei Frauen in Paris 1885

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Viktoria Mas: Die Tanzenden, Piper Verlag 2020 € 20,00

Ein spannend zu lesender Roman in Paris um 1885. Drei Frauen ganz unterschiedlicher Art sind die zentralen Figuren, verbunden durch einen bestimmten Ort: die Salpetrière. Ein weitläufiges Areal hinter Mauern, in dem aus der Gesellschaft verstoßene Frauen leben. Oft führen die Folgen von Gewalttätigkeit an diesen Ort. So ist es bei der jungen Louise, die nun an hysterischen Anfällen leidet und  ein interessantes Objekt für die Mediziner darstellt. Anders bei Eugénie, die aus großbürgerlichen Kreisen kommt und ungewollt Geistererscheinungen hat. Und dann ist da noch Geneviève, die seit Jahrzehnten die Aufsicht über die Frauen führt und bei der sich unerwartet ein großer Wandel vollzieht. Es fällt schwer, das Buch aus den Händen zu legen, es beschreibt Emotionen und Situationen so anschaulich, dass die Bilder im Kopf von selbst entstehen.

Alternativlos

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Victor Jestn: Hitze, Verlag Kein und Aber 2020 € 20,00

Die Landes im Sommer: Pinienwälder am Atlantik und brütende Hitze beherrschen den Campingplatz. Der 17-jährige Léonard ist mit seiner Familie im Zelturlaub. Und während alle anderen Jugendlichen die Tage am Strand, am Pool und mit Feiern bis in die tiefe Nacht und Sex verbringen, langweilt er sich. Bis er bei einem seiner nächtlichen Spaziergänge auf Oscar trifft. Oscar, der sich an der Schaukel erdrosselt. In seinem realitätsfernen Zustand tut Léonard … nichts. Erst hinterher vergräbt er Oscars Leiche in den Dünen, ohne zu wissen wieso. Der dünne Band von Victor Jestin fesselt von der ersten Seite an. Léonards Verhalten erscheint zugleich unlogisch und vollkommen alternativlos je länger die Situation anhält. Die Atmosphäre des Campingplatzes mit Animationsprogramm erwacht durch die sprachliche Darstellung zum Leben, und die Charaktere scheinen alle in ihrer eigenen Sommerpausenblase zu schweben. „Hitze“ entführt in einen nicht so entspannenden Sommerurlaub in eine der wunderschönen Regionen Frankreichs.

Literarisches Kleinod

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Anne Weber: Annette, ein Heldinnenepos. Verlag Matthes & Seitz 2020 € 22,00

Ein beeindruckendes, verführerisches Stück Literatur! Anne Weber findet einen ganz eigenen Erzählrhythmus in diesem Epos, das von einer unbekannt gebliebenen Kämpferin erzählt. Anne Beaumanoir, genannt Annette, findet in jungen Jahren zur Résistance im von Deutschland besetzten Frankreich. Es ist der Wunsch, die Menschen von der Fremdherrschaft zu befreien, das persönliche Schicksal ist untergeordnet, die Identität wird zur Anonymität im Getriebe des Widerstands. Nach dem Krieg wird Annette Ärztin und lebt mit Mann und Kindern in üblichen Verhältnisssen. Aber sie kann offensichtlich nicht ohne Abenteuer und dieses findet sie bei der FLN. Dieses Mal kämpft sie gegen das eigene Land, das ein anderes besetzt: Algerien. Sie wird große Opfer bringen und ungeahnte Wege gehen. Sympathisch und eigenwillig sind Anne Webers Wortwahl und Satzgefüge, sie ziehen in den Bann. Während sie von damals erzählen geben sie manchmal Gedankenverbindungen zur späteren Geschichte, die damals noch ungeschrieben war, die aber für und heute erlebte Vergangenheit ist. Ein ganz besonders reizvolles Buch, das aus den Neuerscheinungen des Frühjahrs herausragt!

In die Vergangenheit gespült

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Ulrich Tukur: Der Ursprung der Welt, Verlag S. Fischer € 22,00

Die goldene Schrift und der dunkelrote grprägte Schutzumschlag, der eine runde Öffnung für eine Photographie freilässt, machen neugierig und versprechen nicht zuviel: Ulrich Tukurs Sprache ist schön und klar, beinhaltet manche heutzutage selten genutzte Wörter und zieht den Leser durch den Gebrauch des Präteritums in den Bann vergangener Zeiten. So erstaunt es zu erfahren, dass der Roman in der nahen Zukunt der 2030er Jahre angelegt ist, in der die digitale Überwachung das Leben der Menschen überschattet. Paul Goullet befindet sich in Paris und entdeckt dort ein altes Photoalbum, das Bilder eines Mannes von vor 100 Jahren zeigt, der ihm aufs Haar gleicht. Paul reist den Spuren nach und fühlt sich immer wieder hineinkatapultiert in die Zeit der 1930er Jahre während der deutschen Besatzung und der Resistance in Südfrankreich. Er hat verwirrende und klärende Begegnungen, er wird Dinge erfahren, von denen auch der Leser wünschte, sie wären nur der Phantasie entsprungen. Das Nachwort lässt uns wissen, dass gerade hier wahre Begebenheiten zugrunde liegen. Und während Paul Goullet seiner eigenen Geschichte folgt und Klarheit findet, lesen wir einen fesselnden Roman zwischen gestern und heute.

Ein Kommissar vom alten Schlag

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Alex Lepic, Lacroix und die Toten vom Pont Neuf, Kampa Verlag 2019 €16,90

Den Pariser Commissaire Lacroix hat der Leser bereits auf den ersten Seiten vor Augen: gemütlich, Pfeife rauchend, dem Essen und einem guten Schluck Wein nicht abgeneigt. Während ihn und sein Team ein nächtlicher Mord an einem Clochard ins Spiel bringt, lernt man Paris und das Viertel, in dem sich Lacroix vornehmlich zuhause fühlt, kennen. Lacroix Blick auf die Stadt und die Menschen ist stets ein wohlwollender, wenn nicht sogar bewundernder. Es schmckt ihm anfangs nicht, dass er es plötzlich miteinem Serienmörder zu tun hat, doch dann sind genau seine Logik und Kombinationsgabe gefragt. Am Ende kommt alles anders als selbst der Leser vermutet. Ein Pariskrimi, der sehr offensichtlich an die Zeit von Simenons Kommissar Maigret erinern darf.

Die Wohltat der Kunst

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David Foenkinos: Die Frau im Musée d`Orsay, Penguin Tb € 11,00

Warum nur hat der Kunstprofessor Antoine Duris Hals über Kopf seine Vorlesungen und Seminare abgesagt und ist mit nur einem Koffer nach Paris gegangen? Wo er noch dazu eine Stelle als Wärter im Musée d`Orsay annimmt? Diese Fragen beantworten sich Stück für Stück mit dem Schicksal einer jungen Frau in Lyon, die großes Talent in der Malerei zeigt und so wie Antoine Duris das wohltuende, heilsame von intensiven Betrachtungen geliebter Gemälde kennt. Der Roman erzählt eine Geschichte die zeigt, dass auch nach tiefer Dunkelheit Licht erstrahlen kann.

Liebe und Klavier

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William Boyd: Blinde Liebe, Kampa Verlag 2019 € 24,00

Mit Brodie Moncur reisen die Leser quer durch Europa: von Edinburgh über Paris nach St. Petersburg, nach Biarritz, Nizza, Genf, Wien, Graz, Triest - und dann sogar nach Indien. Es ist die Zieit um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert. Brodie Mancur ist ein sehr versierter Klavierstimmer und seine Begabung öffnet ihm viele Türen. Dass er sich mit Mitte zwanzig in eine bereits liierte Frau verliebt, für die er alles zu tun bereit ist, führt zu einem zusehends an Spannung aufnehmenden Aspekt einer ohnehin fesselnden Geschichte. Ein Roman zum Eintauchen mit interessanten, gut gezeichneten Figuren und faszinierenden Schauplätzen!

Emotionale Familienspannung

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Tatiana de Rosnay: Fünf Tage in Paris, C. Bertelsmann Verlag 2019 € 20,00

Ein emotionsgeladener Roman über eine Familie in Frankreich, der es bei einem Familientreffen in Paris gelingt, lang gehütete und verdrängte Gefühle und Erlebnisse zuzulassen und Offenheit untereinander zu wagen. Der Fokus liegt auf Linden, dem berühmten in San Francisco lebenden Sohn und Fotografen, aber auch die Vergangenheit seiner Schwester und seiner Eltern birgt viel Unausgesprochenes. Während der fünf beschriebenen Tage wird Paris von einer ungeahnt heftigen und folgenschweren Überflutung heimgesucht. DIe vielen nach und nach an die Oberfläche gelangenden Ereignisse halten auch die Leser in Atem.

Ungewöhnliches beim Familientreffen

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Vincent Almendros: Ins Schwarze, Wagenbach Verlag 2019, € 16,00

Laurent kommt anlässlich der Hochzeit seiner Cousine nach vielen Jahren in seinen kleinen Heimatort zurück. Er hatte offensichtlich keine leichte Kindheit und Jugend, es gab komplizierte Familienverhältnisse. Das erklärt allerdings noch nicht, warum er nun mit Claire, einer guten Freundin aus Wohngemeinschaftszeiten, anreist und nicht mit seiner Freundin Constance, mit der er ein Kind erwartet. Und warum nennt er Claire Constance, wenn seine Familie dabei ist? Ein dicht verwobener Roman, der den Leser nicht loslässt.

Zwei Paare: im 18. Jahrhundert und jetzt

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Alex Capus: Königskinder, Hanser Verlag 2018, € 21,00

In seinem Roman "Königskinder" erzählt Alex Capus zwei Geschichten: die eine von Max und Tina, die auf dem Jaunapass mit ihrem Auto im Schnee stecken bleiben und eine Nacht im Auto verbringen ist gespickt mit amüsanten Dialogen, wie wir es von Alex Capus kennen. Um das Warten zu erleichtern erzählt Max die zweite Geschichte, die sich in dieser Gegend und in Frankreich im 18. Jahrhundert zutrug: von dem armen Viehhüter Jakob und Marie, der reichen Bauerstochter, die sich verlieben und nicht zusammensein sollten. Sie sind es dennoch, kurz zumindest, und sie bleiben beide über viele Jahre der Trennung ihrer Liebe treu und werden über verschlungene Wege wieder zueinanderfinden. Auch ohne im Auto eingeschneit zu sein mag man das Buch nicht zur Seite legen und die Geschichte von Jakob und Marie, Max und Tina miterleben!

Eine kleine Familie

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Eugène Dabit: Petit-Louis, Schoeffling &Co € 22,00

Der erstmalig ins Deutsche übersetzte, 1930 im französischen Original erschienene Roman führt den Leser ins Paris von 1900 - 1920. Er erzählt von einer Arbeiterfamilie mit einem Sohn, Petit-Louis, die das einfache familiäre Miteinander lebt und liebt. Als der Ehemann und Vater zu Beginn des 1. Weltkrieges als Soldat fortgeht, ist dies für die Zurückbleibenden schwer zu ertragen. Petit-Louis ist als Jüngster an seiner Arbeitsstelle Hänseleien ausgesetzt und meldet sich freiwillig zum Militär, um sich zu beweisen und um die Welt zu sehen. Der Leser begleitet ihn in seiner Entwicklung vom Jugendlichen zum jungen Mann, in der Begegnung mit sehr verschiedenen Männern, die ihm Freunde werden und ihm sehr unterschiedliche Sichtweisen auf das Leben zeigen. Das Leben hinter und an der Front wird dem Leser vorstellbar und er hofft mit Petit-Louis, dass die kleine Familie wieder zusammenfinden möge. Eugéne Dabit hat autobiografische Erlebnisse in diesem Roman verarbeitet und eine sehr lesenswerte Liebeserklärung an seine Eltern und das Leben geschrieben.

Frankreich 1539

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Janet Lewis: Die Frau, die liebte, dtv € 18,00

Wie Liebe wächst, wie Sehnsucht blind macht, wie Schulgefühl zermartert, wie Liebe in Hass umschlägt - in dem Ambiente der Gascogne in der Mitte des 16. Jahrhunderts erlebt all diese Emotionalitäten eine junge Frau, Bertrande, die auf einen reichen Hof verheiratet wird. Das Buch gibt intensiven Einblick in den hierarchischen Alltag auf dem Land als auch einen sehr erstaunlichen, verwirrenden Prozess vor Gericht. Die Amerikanerin Janet Lewis, Zeitgenossin von John Williams und von ihm sehr geschätzt, schrieb diesen Roman 1941 und griff hiermit einen der berühmtesten Rechtsfälle Frankreichs auf. Nun ist der Roman erstmalig im Deutschen erschienen.

 

Krimi? Roman?

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Tanguy Viel: Selbstjustiz, Wagenbach Verlag, € 20,00

"Selbstjustiz" ist eindeutig ein Roman, ein Roman mit Mord: Dass Martial Kermeur einen Mann vom Boot ins Meer gestossen hat und weggefahren ist, weiß der Leser schon auf Seite 2. Dass dieser ertrank, erklärt sich von selbst. Nun sitzt Kermeur dem Richter gegenüber, einem guten Zuhörer. Was geschah, wie kam es zu der Tat? Kermeur kann erzählen, Tanguy Viel kann erzählen. Der Leser profitiert davon: eine gute Sprache, interessante Beschreibungen und Vergleiche. Und ein beglückendes Ende!

Die Leichtigkeit des Seins

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Clémentine Beauvais: Die Königinnen der Würstchen, Carlsen Verlag 2017 €16,99

Man stelle sich drei füllig Grazien auf der Landstraße vor, die in einer Facbookumfrage zu Hässlichkeitsköniginnen ihrer Schule gewählt wurden, dazu drei nicht passende Räder samt Anhänger für Würstchenverkauf und einen unschlagbaren Plan. Beauvais schickt alles auf eine Reise nach Paris, würzt mit Witz, Schlagfertigkeit, ja Klugheit und einer Reihe interessanter menschlicher Begegnungen. So macht sie aus typischen Mobbingopfern charismatische Mädchen voller Elan, welche die Herzen der LeserInnen im Sturm erobern. Beauvais entfesselt sie von Anbeginn rasant. Die schmerzlichen Tränen der gefühlsbetonten „Goldwurst“ Astrid versiegen schnell, die kleine, schlaue „Silberwurst“ Hakima, wird ins Boot geholt. Die zynische Mireille, jetzige „Bronzewurst“ und Rekordhalterin des Titels, arbeitet die Radl-Route nach Paris aus, denn jede hat einen Grund am Nationalfeiertag im Élyséepalast zu sein. Räder und Anhänger werden gefunden und aufgemöbelt, Hakimas Bruder, ein junger Kriegsveteran im Rollstuhl, wird die Truppe begleiten und fährt voran. Wie er im Laufe der Reise seinen Lebensmut wieder zurückerobern wird, ist eine weitere, zarte Nebengeschichte. In Cluny werden die 3 Würste schon erwartet. Ob man sie dazu überreden kann, in schönen Kleidern dem Abschlussball der Universität beizuwohnen? In einem abgelegenen Schloss erfahren sie von einem Schwesternschicksal und einer Liebesgeschichte ohne Toleranz. Ihr ungewöhnliches Treiben erregt immer mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und so bekommen sie am Ende sogar vier Einladungkarten für die Feier in Paris. Doch hier kommt nun endlich einiges anders als geplant. Ein rundum gelungenes, amüsantes Jugendbuch, das uns in überbordender Kreativität den Umgang mit engstirnigen, ausgrenzenden, verletzenden Meinungen lehrt.

Luftig leichter Weinschaum Genuss

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Ulrike und Manfred Jacobs: Sisis Vermächtnis, Picus Verlag 2017 € 16,00

Irrungen und Wirrungen

Das Umschlagbild bringt den Leser schon in die richtige Stimmung: luftig, leicht, mit Wellengang kommt dieser Roman daher, der von köstlichen Verwirrungen und Verirrungen zwischen Wien und der Normandie erzählt. Spannung und Liebe kommen dabei nicht zu kurz! Ein Wiener Jurist stolpert über merkwürdige Zahlungen an ein normannisches Dorf, die auf ein Vermächtnis Sisis zurückgehen und bringt damit den östereichischen Kulturhaushalt ganz schön durscheinander. In Beauport in der Normandie bleibt auch kaum ein Stein auf dem anderen...Beste Unterhaltung! Eigentlich will man das Buch gar nicht aus der Hand legen, bis sich alles erklärt hat!

Was die Toten erzählen

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Yann Sola, Gefährliche Ernte, KiWi 2017 € 9,99

Ein charmanter Krimi, der den Leser an die Küste Südfrankreichs im heißen Sommer führt. Ein Toter mitten in den Weinbergen seines Vaters ruft Perez auf den Plan, der um das Geheimnis seiner eigenen erlesenen Weinsorte fürchtet, die er unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit für teures Geld und unter der Hand verkauft. Denn der Tote war bei der Planung und dem Anbau der Reben als Saisonarbeiter dabei. Mit viel Witz und französischem Charme folgt man Perez bei seinen privaten Ermittlungen, nichtsahnend, dass der Fall ganz andere Dimension bekommt, die weit in die Politik um die gestrandeten Flüchtlinge an Frankreichs Küsten reicht. Zuletzt präsentiert Perez der Polizei den Täter, und ganz nebenbei kümmert er sich um die Herzensangelegenheiten seiner erwachsenen Tochter.

5 Hochzeiten und kein Todesfall

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Jea-Philippe Blondel: Die Liebeserklärung, Deuticke Verlag 2017 € 18,00

Wieder einmal hat Jean-Philippe Blondel einen wunderbar unterhaltenden Roman geschrieben. Der Autor von "6 Uhr 41" erzählt von dem jungen Corentin, der mit seinem Onkel in der französischen Provinz als Hochzeitsfotograf unterwegs ist. Es ergeben sich viele amüsante , gut beobachtete Zwischenfälle bei den Hochzeiten. Corentins Leben allerdings fehlt es ein wenig an Amüsement - er ist auf der Suche nach Vielem und wird eine sehr spezielle Art des Suchens entwickeln. Beste Unterhaltung für jedes Alter, die ein Lächeln auf den Lippen garantiert.

Historisch und literarisch sensationell

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Francoise Frenkel: Nichts, um sein Haupt zu betten, Hanser Verlag 2016 € 22,00

1943 geschrieben und veröffentlicht, auf einem Flohmarkt in Nizza wiederentdeckt, 2015 in Frankreich neu aufgelegt und in diesem Jahr erstmals ins Deutsche übersetzt: Francoise Frenkel, eine junge polnische Jüdin, die in ihrer Begeisterung für die französische Literatur 1921 die erste französische Buchhandlung in Berlin eröffnete, erzählt von ihrem Leben. Ihrem erfolgreichen Engagement für die Literatur wird 1939 mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten ein Ende gesetzt. Sie flieht nach Paris und von dort aus quer durch Frankreich bis nach Nizza. Hier erlebt sie sowohl die Nöte des Überlebens im besetzten Frankreich als auch die couragierte Hilfsbereitschaft in der französischen Bevölkerung. Der Leser folgt gebannt ihren Beobachtungen in Freiheit, im Versteck, auf der Flucht, im Gefängnis. Beim 3. Versuch wird ihr die illegale Überquerung der Grenze in die Schweiz gelingen, gleich danach hat Francoise Frenkel das vorliegende Buch verfasst. Ein außergewöhnliches Zeugnis, ein historisch und literarisch sensationeller Fund.

 

Zwei ungleiche Schwestern

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Zwei ungleiche Schwestern

Kristin Hannah, Die Nachtigall, Rütten & Loening Verlag 2016 € 19,99

Paris 1939. Die Geschichte zweier Schwestern in Frankreich zur Zeit der deutschen Besetzung bringt den Leser dazu, sich auf zwei ganz unterschiedliche Schicksale einzulassen. Während Vianne am liebsten die Augen  vor der Realität verschließen möchte, nicht wahrhaben möchte, dass ihre jüdische Freundin eines Tages nicht mehr an der Schule unterrichten darf, und sich notgedrungen damit abfinden muss, auch in ihrem Haus ein deutscher Offizier leben wird, will sich ihre Schwester Isabelle nicht mit der Lage Frankreichs abfinden und geht in die Résistance. Beiden Schwestern wird im Laufe der Zeit mehr abverlangt, als sie es jemals für möglich gehalten hätten. Das Buch ´Die Nachtigall` steht stellvertretend für das Schicksal vieler französischer Frauen und nimmt einen mit auf eine lange Lesereise. 

Neuen Horizonten entgegen

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis Jugendbuch 2012

Foto: Anne-Laure Bondoux mit Bücherfressern auf der Frankfurter Buchmesse. Zum Interview

Anne-Laure Bondoux, Zeit der Wunder, Carlsen Tb €6,99

Kaukasus, 1985: Das Sowjetreich zerfällt und die kleinen Staaten, die Moskau unterstellt waren, wollen unabhängig werden. Dabei gibt es immer wieder auch Anschläge, einer von vielen auf einen Zug. In dem brennenden Zug findet eine russische Helferin, Gloria, eine französische Frau mit ihrem Baby, die im Sterben liegt. Die Frau, Jeanne, fleht Gloria an, ihren Sohn Blaise zu nehmen, und übergibt ihr auch seinen und ihren französischen Pass.So nimmt Gloria Blaise, den sie Koumail nennt, bei sich auf, schlägt sich mit ihm durch ihr hartes Leben, ein Leben der Ärmsten, und erzählt ihm jeden Abend "seine" Geschichte, die ihm Mut und Hoffnung geben soll. Bis auf einen Rucksack mit Gegenständen, die ihnen wichtig sind, haben sie sonst weniger als nichts. Die Gegenstände sind zum Beispiel ein grüner Reiseatlas, auf dem sie ihren Weg verfolgen, und ein Samowar, mit dem sie Tee kochen können. Seitdem ist es Glorias Ziel, ihn nach Frankreich zu bringen, in das Land, in dem die Menschenrechte erfunden wurden.

Die Entdeckerin: Anne-Laure Bondoux

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Worauf ich mich persönlich am meisten gefreut habe auf der Frankfurter Buchmesse (abgesehen davon, einen Tag schulfrei zu haben), war das Interview mit der Autorin von meinem Wunschpreistitel „Zeit der Wunder“, Anne-Laure Bondoux. Das Interview haben wir in einer bunten Mischung aus Französisch, Deutsch und Englisch geführt.

Unsere erste Frage war natürlich, wie sie die Idee zu diesem Roman hatte. Sie wollte eine Geschichte über einen Optimisten schreiben, eine Geschichte über eine Katastrophe und eine Person, die dieser trotzt. Dann hat sie diese Art von Geschichte mit anderen Geschichten, die sie in ihrem Kopf hatte oder die im Radio oder im Fernsehen kamen, vermischt. Dazu kommt, dass in Frankreich Migranten ein großes Problem sind. Jeden Tag gibt es eine neue Nachricht über irgendeinen Vorfall mit Migranten.