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Stephanie Blake: Pipikack, Moritz Verlag € 12,95

Pipikack trötet der kleine Hase durch seine Zahnlücke. Seine Wangen sind gerötet vor Stolz und Selbstbewusstsein. Das momentane Lieblingswort beschert ihm souverän Aufmerksamkeit und findet in jeder Situation Anwendung. Die knallig expressiven Bilder flankieren die verbale Lautstärke und absolute Präsenz ungebremst. Die kleinen Leser haben sichtlich ihren Spaß. „Hilfe!“, rufen die Erziehungsberechtigten. Dieses Buch setzt unseren Kindern ja ein Floh ins Ohr! Weit gefehlt. Denn wer außer „Pipikack“ dem Wolf nichts zu entgegnen hat, wird diskussionslos aufgefuttert. Dummerweise färbt die Mahlzeit ab, der Wolf wird krank und kennt nur eine Antwort: „Pipikack“. Der rettende Hasenarzt birgt mutig seinen kleinen Pipikack, welcher plötzlich ausgefeilt zu argumentieren weiß, dass er doch Simon hieße. Ab sofort ist das nervtötende Pipikack abgestellt. Aber morgen ist ein neuer Tag und der Wortschatz wird zu recht Schatz genannt, nicht wahr? Kinder entdecken schnell, dass Wörter nicht nur Inhalte transportieren können, sondern beim Gegenüber auch wunderbare Reaktionen erzeugen. Einmal entdeckt, gilt es dies in einer Endlosschleife vorübergehend auszuprobieren. Und Eltern sind unermüdlich im Bessern, also großartige Mitspieler. Simons Eltern bleiben beneidenswert gelassen. Das Buch inszeniert den Bewegungsradius dieses „Einwort-Wortschatzes“ ebenso wie das Spiel des Vaters, der auf der Seite seines Sohnes mitzuspielen wagt. Er erntet Simons geballte Entrüstung. Die Intentionen der Handelnden bleiben für den Leser unausgesprochen aber nicht unbemerkt. Wer anderen beim Spielen zuschaut und sei es nur im Bilderbuch, erfährt nicht nur vom „Was“, sondern hauptsächlich vom „Warum“. Diese Erkenntnis ist hier witzig und heilsam zugleich, denn eins ist gewiss: Wenn man weiß warum, funktioniert das Spiel nicht mehr. Es macht den feinen Wörtern den garaus. Schade eigentlich.