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Luciana Rangel: (fast) alles in Ordnung - está (quase) tuto bem, Hagebutte Verlag 2021 € 15,00

„Mein Leben ist wie ein Flickenteppich aus verschiedenen Stoffresten, und ich mag es so. Der einzige Teil, der nicht zusammengeschustert sein darf, sondern aus einem Stück sein muss, ist der innere Frieden. Es muss groß genug sein, um die ganze Familie einzukleiden und aus dem Rest etwas für Freunde zu schneidern.“ Zitat: Rangel, (fast) alles in Ordnung, Hagebutte Verlag
Dicht am eigenen Herzschlag führt die in Brasilien geborene und in Deutschland lebende Journalistin Luciana Rangel ihre Leser*innen in 19 Crônicas, typisch brasilianischen Kurztexten, in ihre zwei Lebenszentren: Rio de Janeiro und Berlin. Im tropisch warmen, die familiäre Sehnsucht stillenden Rio wohnt ihre Vergangenheit, 10.000 Kilometer weiter, im frostigen, gerade das Leben erfüllende Berlin, ihre Gegenwart. Rangel jongliert mit der unterschiedlichen Lebendigkeit an diesen Orten und spürt dem Gefühl von Freiheit nach. Mehr als einmal werden Koffer gepackt und kostspieliges Übergewicht, Hab und Gut, zurück gelassen. Emotionen reisen überall hin und sie wiegen. Nach zehn Jahren Abwesenheit zurück in der neuen alten Heimatstadt Rio loten Rangels Betrachtungen ihre Vergangenheit aus, das Verhältnis zum Vater, dem sie eine bewegende Hommage schreibt.
„Die Vergangenheit faltet man zusammen, wie ein Blatt Papier, damit sie besser in die Zukunft passt.“ Rangel erstaunt in ihren dichten Texten mit Sätzen und Bildern, die ein eigenes Buch wert wären. Gesagt, getan, doch das eigene, sich sperrende Leben will sich nicht falten und in die Zukunft blicken lassen. Es wird von der Omnipräsenz der Gegenwart beherrscht. In ihr wird Rangel vom erneuten Aufbruch nach Berlin erzählen, von Gefühlen, die ein Wechsel der Staatsbürgerschaft auslösen, dem Einbürgerungstest, von rassistischen Ausgrenzungen, dem Abschied vom Vater. Die berühmte, portugiesische Saudade scheint ihren Weg nach Rio und weiter nach Berlin gefunden zu haben. Die Innensichten auf lebendige Selbstbestimmtheit  in ständiger Begwegung reißen mit. „Ich habe Gefallen daran gefunden, das Leben verstreichen zu sehen.“  Rangel vermag es, uns daran teilhaben zu lassen. Der sich für Interkulturalität einsetzende Hagebutte Verlag hat diese lesenswerten Crônicas in handschmeichelnder Klappbroschur mit Innenillustrationen von Vítor Rocha als Wendebuch auf deutsch und in ihrem brasilianisch-portugiesischen Original herausgebracht. Sie sind als perfekte Unterwegs-Lektüre in jeder Hinsicht eine Entdeckung wert.

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