Articles tagged with: Amerika

Spätes Glück

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Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht, Diogenes 2017 € 20,00

Ein hoffnungsvoller, ein berührender Roman über das Glück, einen Menschen zu finden, mit dem man Zeit, Gedanken, Gefühle, Erinnerungen teilen kann. Dass das auch geschehen kann, wenn der langjährige Partner gestorben ist, dass dieses Glück manchmal greifbar nah ist und auch auf 70jährige wartet, ist in diesem Roman glaubhaft nachfühlbar. Dass die Umgebenug kritisch und argwöhnisch reagiert, ist aber auch spürbar.. Ein ruhiger, sensibler, gut unterhaltender Roman mit dem Schauplatz eines kleinen Städtchens in Colorado, das nahezu überall in der Welt angesiedelt sein könnte.

Sheriff contra Oligarch

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Castle Freeman: Auf die sanfte Tour, Nagel & Kimche 2017 € 19,00

Ein kleines amerikanisches Städtchen mit einem Sheriff, der mehr abwartet, als handelt - ganz zum Unverständnis seines Deputys, der meint, mit Eifer,den kniffligen Fall lösen zu können und die nächste Wahl zum Sheriff zu gewinnen. Es geht um nichts Geringeres als einen Tresordiebstahl in der Villa eines russischen Oligarchen, der diesen Raub gar nicht lustig findet und entsprechend reagiert. Mit viel Humor, einem guten Gespür für die sehr verschiedenen Charaktere und gut gesetzten Dialogen erzählt Castle Freeman eine haarsträubende Geschichte so anschaulich, dass der Leser meint, sie mitzuerleben.

Ein Leben für Basketball

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von der Jugendjury nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2016

Matthew Quick, Goodbye Bellmont, Dtv 2015 € 16,95

Finley lebt für den Basketball. Und für seine Freundin Erin. Doch als eines Tages der begabte Basketballspieler Russ Allen die Welt in seinem Kaff Bellmont stört, droht sich alles zu verändern. Finleys Traum von einem besseren Leben platzt auf einen Schlag. Doch Russ Allen ist anders  als Finley es sich vorgestellt hat und hinter seiner Welt liegt noch eine andere. Ich fand das Buch gut, weil es ein besonderes Ende hat. Es hat sich sehr gut gelesen.

Kinder, Karabiner und Kommerz

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Jordan Romero, Linda LeBlanc, Kein Gipfel zu hoch, cbj 2015 € 16,99

Jordan Romero steht mit 13 Jahren als jüngster Bergsteiger auf dem Dach der Welt, dem Mount Everest. Postwendend haben seine Eltern eine fixe Idee des neunjährigen Jungen, auf die höchsten Berge aller sieben Kontinente zu steigen, umgesetzt. Sein Buch berichtet nicht nur unreflektiert von waghalsigen Expeditionen, sondern auch vom Missverständnis ehrgeiziger Eltern.Die Höhenlage seines Heimatortes Big Bear Lake bietet einige Vorteile für hohe bergsteigerische Unternehmungen. Trotzdem erstellen die Eltern sogleich Trainingspläne, die eigentlich nichts mehr mit Jordans kindlichem Wunsch draußen zu sein und auf Krabbeltierjagd zu gehen gemein haben. Sie jagen das Kind mit schwerem Rucksack ins heimische Gebirge, lassen ihn Autoreifen am Klettergurt durch den Ort und die Hügel hinauf ziehen und pflastern das Grundstück mit Fixseilen, an denen Jordan mit dicken Handschuhen das Umklinken der Karabiner und Steigklemme üben muss. Auf seinem zweiten Berg, dem Elbrus sieht der 10-jährige auf 5000m die ersten höhenkranken Bergsteiger.

New Orleans in den 50ern

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Foto: Ruta Sepetys im Gespräch mit den Bücherfressern in München

Ruta Sepetys, Ein Glück für immer, Königskinder 2014 € 17,90

Das Setting des neuen Buches von Ruta Sepetys ist New Orleans, auch "The big Easy" genannt, nach dem Zweiten Weltkrieg. Die 16-jährige Josie wächst in dieser Stadt, wo die Schere zwischen Arm und Reich extrem groß ist und die Mafia viel Einfluss hat, auf. Sie kommt mit den unterschiedlichsten Personen in Berührung: ihre Mutter als Prostituierte, die ihr verhasst ist; Willie, die starke Bordellbetreiberin, die für sie sorgt; ihr bester Freund Patrick, mit dem sie eine Buchhandlung im Quarter führt, und sein verwirrter Vater Charlie; Charlotte, eine Collegestudentin, mit der Josie gern eine Freundschaft beginnen und studieren würde: Jesse, Freund und Beschützer; Leute von der Mafia, reiche Touristen. Sie lebt zwischen diesen verschiedenen Personen und gehört nirgendwo richtig hin. Sie möchte aufs College, kann aber ihre Herkunft nicht abstreifen, die ihr diesen Schritt sehr schwer macht. Die Geschichte ist sehr dicht und schön erzählt, es kommen einige starke Sätze und Zitate vor. Vielleicht sind die vielen Personen und Handlungsstränge manchmal ein bisschen zu viele, aber dadurch entsteht auch ein Bild von einer Zeit und einem Ort, die einem vielleicht nicht so nahe sind.Insgesamt ein schönes Buch!

Loyalität und Anderssein

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Jennifer Gooch Hummer, Der Sommer, als Chad ging und Daisy kam, Carlen Verlag € 17,90

Apron konnte ja nicht ahnen, dass sie Jesus persönlich bei einer Nachbarin treffen würde. Eigentlich war ihr Leben gerade nicht von Glücksmomenten gekrönt. Nach dem Tod ihrer Mutter möchte ihr Vater wieder heiraten. Ein neues Baby ist unterwegs. Als Apron im Chaos der misslungenen Hochzeit in der Kirche Mike, alias Jesus, erneut trifft, begleitet sie ihn und seinen Freund Chad mit nach Hause. Die beiden sind faszinierend anders. Sie sind ein Liebespaar. Doch Chad ist krank. Er hat Aids. Mitte der 80er Jahre hielt man Abstand von dieser Krankheit. Den Hass auf Homosexuelle erlebt Apron hautnah. Sie ist mit ganzer Intensität bei ihren neuen Freunden, die neue Farbe in ihr Leben bringen und kann letztendlich ihren Vater auf ihre Seite bringen. Der Sommer endet mit zwei einschneidenden Erlebnissen: dem Tod von Chad und der Geburt ihrer Schwester Daisy. Eine sensible Geschichte über Loyalität zum Anderssein.