Durchs Tor ins Darknet

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Christian Linker: Scriptkid. Erpresst im Darknet, dtv 2018 € 6,95

Short & easy. Zille ist über den Torbrowser ins Darknet gerutscht und entdeckt den Marktplatz scheinbar unbegrenzter Möglichkeiten. Vielleicht wollte sie es Leo zeigen, dessen Machosprüche sie nerven, vielleicht war sie einfach neugierig. Nun steckt sie mitten drin. Die Coderätsel der Hacker fordern sie heraus, die Gedanken über Schein und Sein dieser virtuellen Welt streifen sie nur am Rande. Auch an den Konflikt mit dem Gesetz, welches sie als Newcommer Hackerin  herausfordert, verschwendet sie vorerst keine Gedanken. Linker erzählt schnell mit nötigem Detailwissen, welches ebenso spannend ist, wie die Geschichte selbst, die sich wendet wie ein Fisch im Wasser. Eine perfekte, kurzweilige Klassenlektüre im Angesicht allgegenwärtiger Digitalisierung.

Mit allen Sinnen zwischen virtuellen und realen Welten

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June Perry: White Maze, Arena Verlag 2018 € 18,00

Vivian Tallert, Tochter der millionenschweren Game-Entwicklerin Sofia Tallert, führt ein rundum verwöhntes Luxusleben: Dank ihrer High-Tech-Linsen kann sie in eine neue, virtuelle Realität eintauchen und dort mit ihren Freunden chatten. Den Tag verbringt sie am Pool liegend und imaginäre Cocktails schlürfend oder Designerstücke shoppend in der Stadt. Erst als sich seltsame Vorfälle häufen und Sofia Tallert einem überraschendem Herzinfarkt unterliegt, beginnt Vivian die vergangenen Geschehnisse genau unter die Lupe zu nehmen. Am Morgen der Tragödie schenkte Vivians Mutter ihr noch die ersten Testausgaben der von ihr entwickelten "Lucent-Linsen", welche den Komfort besitzen ihre Nutzer alle fünf Sinne wahrnehmen zu lassen. Dank ihnen ist es möglich, einen nicht vorhandenen Sand unter den Füßen zu spüren, den Geschmack eines Milkshakes in einer selbst kreierten Welt zu genießen. Doch Sofia erkannte, dass sich jemand Zugang zu ihren Meisterwerken verschafft hatte und die harmlose Traumwelt der Linsen in ein tödliches Gefängnis, aus dem es kein Entkommen gibt, verwandelt hatte. Für Vivian ist klar, dass ihre Mutter nicht des natürlichen Todes starb und ist besessen davon, die Wahrheit herauszufinden und den Mord an ihrer Mutter zu rächen. Schließlich heuert sie Tom, den Schulhacker, an und es entwickelt sich eine innige Verbindung zwischen den Beiden. Da Viv nirgends hin kann, bringt Tom sie in ein geheimes Lager, in welchem er und seine Hacker-Bande wohnen. Die Crew setzt alles daran, die manipulierten Linsen aufzuhalten und die Menschheit vor einem großen Unglück zu bewahren. Doch um den Mörder ihrer Mutter aufzuhalten, muss sie selbst die virtuelle Realität der Lucent-Linsen betreten und ist ihm somit schutzlos ausgeliefert. Kann sie ihren eigenen Sinnen, ihrem eigenen Körper überhaupt noch trauen? Und wie viel ist Vivian bereit für den Schutz der Menschheit zu riskieren? Ein rasanter Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Menschheit 2.0

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Emily Suvada: Cat & Cole, Thienamnn Verlag 2018 € 17,00

Die Menschheit vor einem tödlichen Virus zu retten, spielt in diesem horriblen wie brillianten Futurfiction die schönste Nebenrolle der Welt. Die Mathematikerin und Autorin Emily Suvade spielt in so rasantem Tempo mit subkutan wachsenden Panels, gesundheitsfördernden Apps und Algorithmen, also der Menschheit 2.0, die scheinbar mit größter Selbstverständlichket auf digitaler Ebene mit dem menschlichen Code, der DNA, und der menschlichen Hardware laboriert, dass dem Leser bei der Lektüre förmlich die Luft weg bleibt.

Was wollen die denn mit meinen Daten?

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Michael Keller, Josh Neufeld: Big Data, Jacoby & Sturart 2017 € 15,-

Ist die schöne neue Welt noch aufzuhalten? Das könnte schon eine Frage von Gestern sein. Wenn wir Glück haben, ist es eine Frage von heute. Eine Frage von morgen ist es ganz sicher nicht. Der große Vorteil, denn man erhält, wenn man über Facebook oder Whatsapp kommuniziert oder sich mit Google orientiert ist unmittelbar spürbar. Dem entgegen steht ein Verlust, der nicht direkt spürbar ist und für den es keinen Maßstab gibt: Der Verlust der Privatheit. Schutzlosigkeit. Für das Sammeln, Verarbeiten und Weitergeben privater Daten gibt es in den meisten Staaten klare Gesetze und Regeln. In der digitalen Welt und freien Wirtschaft gibt es sie nicht. Man kommt gar nicht aus: Will man einen Dienst, eine App nutzen, muss man den AGBs zustimmen, die eine Datennutzung vorsehen. Big Data ist in vollem Gange. Aber was ist so schlimm daran? Ich habe doch nichts zu verbergen. Oder doch? Je mehr Menschen bei dieser "Selbstentschleierung" willfähig mitmachen, desto mehr entsteht der Verdacht des Verbergens bei denjenigen, die einfach nur nicht dabei sein wollen. Dieser Comic macht in aller Knappheit deutlich, wie schnell wir die Kontrolle über das eigene Abbild im Datenpool  verlieren und jetzt schon verloren haben und wie wir uns in der Gesellschaft verhalten werden, wenn unser Leben, unser Arbeitsplatz und unser Glück von den Bewertungen anderer abhängen wird. Wollen wir das wirklich?

Reale und virtuelle Welten – wer weiß noch, wo wir uns aufhalten?

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Karl Olsberg: Boy in a White Room, Loewe Verlag 2017 € 14,95

Es geht um den Jungen Manuel, der ohne Erinnerungen in einem weißen Raum aufwacht. Er kann nichts spüren, er kann nichts riechen. Wenn er spricht, dann "kommen die Wörter heraus", die er sagen will,  jedoch mit einer "Roboter-Stimme , die ganz sicher nicht seine ist. Es gibt eine sprachgesteuerte Machine, mit deren Hilfe er versucht herrauszufinden wer er ist. Plötzlich tritt ein Mann in das Zimmer und behaupted etwas Unglaubliches. Anmerkung vom Leser: Ich habe schon viele fantastische Bücher gelesen, doch dieses ist eines der Besten (auf jeden Fall Top 10). Erst baut es Spannung auf und dann gibt es ein vollkommen überraschenedes Ende. Liam, 13 Jahre

Im Netz verliebt

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Fleur Ferris: Im Zweifel tue nichts, Beltz & Gelberg 2017 € 13,95

Sierra und Taylor sind 15 und beste Freundinnen. Auch wenn  ihre Mütter es nicht gerne sehen, sie lieben Chatrooms. Dort lernen sie Jakob Jones kennen, in den sich beide Hals über Kopf verlieben. Sierra ist die Schnellere. Sie macht ein Date mit ihm aus, von dem sie nicht wieder kommen wird. Das Unfassbare passiert und Taylor wird erst im Nachhinein bewusst, mit welchem Risiko sie spielten, wo sie doch glaubten, Nähe und Liebe im Netz zu finden. So gefährlich das Netz ist, so heilsam kann es auch sein. Als Digital Native wird Taylor nach dem Mord an ihrer Freundin eine Website für sie ins Leben rufen. Erinnerung und Warnung. Aufklärung für andere und Aufarbeitung für sie selbst und ihre Freunde. Ein Roman, der gekonnt rasanten Thrill  mit starken Emotionen verbindet und aufklärende Anteile wie nebenbei zu präsentieren vermag.

Krieg per Mausklick

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Foto: Torsten Nesch mit den Bücherfressern in München. Zum Interview

Thorsten Nesch, Der Drohnenpilot, Mixtvision 2015, € 13,90

Nach dem Schulabschluss weiß der 17-jährige Darius nichts mit seinem Leben anzufangen. Am Ende eines Computerspiels wird er aufgefordert, sich für einen Job bei der Spielefirma zu bewerben. Er hatte erwartet Spieletester zu werden, doch es wird ihm angeboten, Drohnenpilot zu werden. Ein gutbezahlter Job mit eigener Wohnung. Dafür muss er nur 12 Stunden vor dem Bildschirm sitzen und die Anweisungen seiner Vorgesetzten ausführen. So sehr er sich es wünscht, ihm bleibt nicht verborgen, dass die ferngesteuerten Drohnen nicht nur überwachen, sondern auch töten. Spannend schildert Torsten Nesch in diesem Buch die menschlichen Probleme computergesteuerter Kriegsführung. 

Alles muss ins Netz

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von der Jugendjury nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2015

Dave Eggers, Der Circle, Kiwi TB 2015, € 10,99

Von den Bücherfressern 2015 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nomiert
Jurybegründung: Wollen wir in Zukunft in einer technisierten und vernetzten Welt leben, in der wir mit unseren Daten eine digitale Diktatur stützen? Dave Eggersʼ Roman ist erschreckend nah an der Realität. Der Circle ist sozusagen ein Zusammenschluss von Google, Facebook, WhatsApp und Amazon. Durch die fortschreitende Kommunikationstechnik entsteht eine Gesellschaft, die jedes Lebensdetail der gesamten Welt zugänglich macht. Persönliche Geheimnisse und Privatsphäre werden nicht gewahrt, alles wird mitgeteilt, kommentiert, bewertet.Der Text überzeugt mit einem fesselnden Plot, sodass man nicht mehr aufhören kann, zu lesen. Erschütternd konsequent zieht Eggers seine Dystopie in dieser digitalen Scheinwelt bis zum drastischen Ende durch. Die Oberflächlichkeit der Circle-Mitarbeiter spiegelt sich in der reduzierten Schlichtheit ihrer Sprache und der Eindimensionalität ihrer Charaktere wider. Ihre Haltung und die scheinbar schlüssigen Argumente, die sie zu ihrer Überzeugung führen, schmerzen beim Lesen. Dadurch setzt der Leser sich intensiv mit den Folgen einer gläsernen Gesellschaft auseinander und wird dazu animiert, den heutigen Medienkonsum kritisch zu hinterfragen.

Zukunft ohne Bücher?

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Rob M. Sonntag: Die Scanner, Fischer Tb  7,99

Inhaltszusammenfassung:
Rob ist ein Bücherscanner. Er scannt mit seinem besten Freund diese für den Ultranetz Konzern, welcher das ganze Wissen im Netz vereinigen und für jeden zugänglich machen will. Eines Tages begegnet ihnen ein seltsamer Mann, welcher der Büchergilde angehört. Schließlich erfährt er durch die Büchergilde, das Ultranetz nicht die besten Absichten hegt und Daten einfach verschwinden lässt. Zensur!

Die Freiheit nehm ich mir

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Cory Doctorow: Little Brother, Rowohlt Tb € 9,99

Little Brother ist ein packender Thriller mit erstklassigem Thema. Es geht um die Technologien der heutigen, modernen Zeit, die auch für die Überwachungsindustrie entdeckt bzw. erfunden/verbessert wurden. So ist es dem Staat möglich, den kompletten Bürger zu erfassen, zu durchleuchten und ihn somit zu einem "gläsernen Menschen" zu machen. Man denke nur an die Speicherung von Einkaufslisten in den Computern des Supermarktes, die mögliche Überwachung der Telefone und die Erhebung von durchschnittlichen Zuschauerzahlen bei einer Fernsehsendung. Freddy, 16 Jahre

Spiel oder Wirklichkeit?

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Deutscher Jugendliteraturpreis der Jugendjurys 2011

Foto: Die Bücherfresser trafen Ursula Poznanski in Frankfurt und Leipzig. Zum Interview

Ursula Poznanski, Erebos, Loewe Tb € 9,95

Nick Dunmore ist 16 Jahre alt und ein ganz gewöhnliches Schulkind. Eines Tages fangen ein paar Schulkinder an, sich merkwürdig zu benehmen. Sie verteilen DVD´s und machen mysteriöse Sachen. Jeder der eine DVD hat, spricht nicht darüber und sondert sich ab. Nick wird langsam misstrauisch. Er will unbedingt wissen, worum es sich bei dieser DVD handelt. Dann, in einer Pause, bekommt er eine von diesen DVD´s. Ereobs ist eins der Bücher, die man nicht mehr so leicht aus der Hand legt. Ich fand, dass Erebos eines der weltbesten Bücher sein sollte und empfehle anderen sehr, das Buch zu lesen. Mein Lieblingscharakter in diesem Buch ist Victor Lanski. Er ist eine Figur, die mit Nick, Emily und Speedy versucht, Erbos zu stoppen und herauszufinden, wer am Fahrradunfall von Nicks Freund Jamie Schuld war. Victor ist ein fanatischer Teeliebhaber mit einem schrecklichen Geschmack für Farbmuster. dieses Buch ist mein Lieblingsbuch, weil ich es einfach toll finde, wie Ursula Poznanski die Personen beschreibt und sie so den Szenen hinzufügt, dass die Geschichte einen Hang zur Wirklichkeit bekommt. Kristof, 12 Jahre

iphone im Kopf

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis Jugendbuch 2012

Foto: Kevin Brooks und die Bücherfresser in München. Zum Interview

Kevin Brooks, iboy, dtv Tb € 8,95

Tom Harvery ist ein ganz normaler Junge. Er wohnt zwar in einem der gefährlichsten Viertel von London bei seiner Oma die er nur Gram nennt, aber sonst ist alles so normal wie es nur sein kann. Doch eines Tages auf dem Weg von der Schule nach Hause passiert etwas, das sein Leben für immer verändern wird! Ein iPhone fällt aus dem 30. Stock auf seinen Kopf und zertrümmert seinen Schädel. Die Ärzte können zwar das meiste entfernen, doch winzig kleine Reste bleiben in seinem Gehirn. Und genau diese kleinen Stücke ermöglichen es ihm, von überall ins Internet zu kommen, ein Hacker zu sein, und über alles in der digitalen Welt Bescheid zu wissen.