Der Quer Verlag
Der Querverlag, Deutschlands erster lesbisch-schwuler Verlag, wurde 1995 von Ilona Bubeck und Jim Baker gegründet, die den Verlag noch immer führen.
Auf ein Wort mit Verleger Jim Baker:
Als ehemaliger Buchhändler hatte ich mehrere Jahre lang die Aufgabe, komplexe Romaninhalte möglichst kurz und knackig zusammenzufassen. Welche Begriffe wähle ich? Welche lasse ich weg?
Sexualität
Häufig erlebe ich, wie Menschen aussteigen, sobald ich Begriffe wie „lesbisch“, „schwul“, „trans“, oder „queer“ verwende. „Das was ‚Literatur‘ heißt, ist mehrschichtiger. […] Dostojewski hat schließ-lich für ein russisches Publikum geschrieben, doch wir alle können ihn trotzdem lesen“, sagt Nobelpreisträgerin Toni Morrison.
Selbstverständlichkeit
Von Minderheiten wird still-schweigend erwartet, dass sie sich „selbstverständlich“ in die Lage aller Protagonist*innen hineinversetzen sollen. Als schwuler Mann soll ich in der Lage sein, mit den Herzensangelegenheiten von Sally Rooneys irischen, heterosexuellen Liebenden in Normale Menschen mitzufühlen, während man von heterosexuellen Lesenden überrascht ist, wenn sie sich auf die Reise eines schwulen Flüchtlings begeben, wie es Lutz van Dijk in seinem Jugendroman Kampala-Hamburg so herzzerreißend beschreibt. Ach, wie viel schöner wäre doch die Welt, wenn wir uns alle mit der Offenheit einer Toni Morrison auf alle möglichen Lebensgeschichten stürzen würden! Jim Baker