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Stephanie Höfler: Der große schwarze Vogel, Beltz & Gelberg 2018 € 13,95

Ben ist erst 14 als seine Mutter an plötzlichem Herzstillstand verstirbt. Seine Mutter, die eine so lebendige und lebensfrohe Frau gewesen war, welche es liebte lauten Jazz mitzugrölen, durch den Wald zu spazieren und Bäume zu umarmen.Ihr Tod lässt die Familie auseinanderfallen: Bens Vater verkriecht sich in der Wohnung und wird zu einer leblosen Hülle, gefangen in Trauer und Verzweiflung, der sechsjährige Karl reißt immer wieder von Zuhause aus und Ben selbst findet keinen Weg seine Trauer zu spüren, geschweige denn heraus zu lassen. Während das Leben weiter geht, schwankt er zwischen Erinnerungen und Akzeptanz und lernt dabei die wunderschöne Lina kennen, welche auch einige traurige Erfahrungen mit dem Tod gemacht hat.
Ich muss sagen, ich bewundere alles was dieses Buch enthält: Die große Range an Gefühlen, die natürlich auch im echten Leben bei einem Todesfall eine wichtige Rolle spielen, die Reaktionen der Charaktere, welche so verschieden und authentisch erscheinen und diese unfassbar gut getroffene Sprache, in der man eben ein Buch mit solch schlimmen Thema schreiben sollte. Da das Buch auch relativ dünn (ca.200 Seiten) ist, lässt es sich schnell lesen und prägt einen aufgrund der Geschichte trotzdem ein.

Bücherfresser: Warum schreiben Sie so gerne so ernste Themen wie zB über den Tod? Stefanie Höfler: Für mich ist wichtig, dass man bei allem Ernsten und Traurigen den Humor nicht verliert. Mein Mann ist gestorben. Ich wollte über diese Erfahrung schreiben.

Konnten Sie, wie Ben, die Trauer auch nicht zulassen? Mich hat es genervt, dass die Leute zwar hin- aber eigentlich immer weggeschaut haben.

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Wie sollte man mit dem Schockmoment umgehen, den der Tod auslöst? Ich hätte mir gewünscht, dass die Leute mich fragen, ob sie mit mir reden sollen.

Welcher Weg im Umgang mit der Trauer ist der Beste? Es gibt keinen besten Weg. Jeder geht seinen eigenen Weg.
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Sie haben davor ein Buch über Mobbing und eines über häusliche Gewalt geschrieben. Basieren diese Texte auch auf Erfahrungen? Ja, ich glaube mit Mobbing hat jeder schon irgendwie Erfahrungen gemacht.

Haben Sie schon eine Idee für ein neues Buch? Ich schreibe gerade an einem Text für Jüngere, weiß aber noch nicht, was das wird.

Haben Sie ein Lieblingsbuch? (gerade kommt Susann Kreller des Weges und wir begrüßen sie): Der Schneeriese!

Hätten Sie Lust, die Charaktere aus ihrem Buch noch einmal zu treffen? Nein, das wäre ja, wie eine Fortsetzung schreiben. Das kann ich mir nicht vorstellen.
Wir danken Ihnen für das Gespräch. Hannah, 14 Jahre