Ernst Grube, geboren 1932 in München, ist einer der letzten Zeitzeugen des Holocausts. Der unermüdliche Einsatz seines christlichen Vaters konnte seine jüdische Mutter und sie, die drei halbjüdischen Kinder bis Anfang 45 vor der Deportation schützen. Kurz vor Kriegsende wurde er nach Theresienstadt deportiert und erlebte zwei Monate später die Befreiung durch die Rote Armee.
Brinkmann erzählt seine Geschichte zusammen mit einer zweiten Lebensgeschichte. Kurt Weber, ein junger Jurist, der seine Verlobung mit einer Jüdin für seine Karriere im NS-Staat löst. Als Staatsanwalt sprach er Todesurteile aus. Er, der es schaffte sich einen Persilschein zu beschaffen (eine der berührendsten Szenen, wenn man versucht, sich in die Haut des Schreibenden zu versetzen) begegnet Grube und verurteilt den Kommunisten zu einem Jahr Haft. Auch das berühmte Strafverfahren gegen Otto John, dem erstem Präsident des Bundesverfassungsschutz, das Webers Karriere zuspielt, ist eine weitere Recherche wert.
Hanna Brinkmann zeichnet in erdigen Farben und dunklem, organischem Rot, wenn sie die seelischen Verletzungen einfängt. Zellen, Tentakel, das offene Herz, Augäpfel. Diese webt sie in Gesetzeserlasse und nationalsozialistische Handlungen zur unaufhaltsame Entrechtung und Vernichtung jüdischer Menschen.
Wir erleben die Sprengung der Alten Hauptsynagoge in der Herzog Max Straße, das Annähen der Davidsterne. Wir fühlen die tägliche Angst vor der Deportation, die mit dunklen Gedanken durchwachten Nächten, den Schmerz, die Kinder in ein Heim geben zu müssen, den Antisemitismus, den flächendeckenden Verlust von Menschlichkeit. Wir schauen auf die Menschen, die im Land geblieben sind, um Kinder und Kranken zu helfen. So wie Ernst Mutter, die als Krankenschwester gearbeitet hat, bevor sie Zwangsarbeit leisten musste und die Frauen im Kinderheim, die wie Janucz Korczak die ihnen anvertrauten Kinder bis in den Tod begleiten.
Saftgrün ist hier nur das Gras, auf das die Deportierten sich stürzen und es verschlingen. Auch die Farbenfreude der Nachkriegszeit bleibt trügerisch. Kurt Weber packt Brinkmann in die gelackte Babushka, aus der sich immer neue Versionen schälen oder setzt ihm den clownesken Papierflieger ins Gesicht. Durch die Zeiten hinweg trifft gewissenhafte Haltung auf gewissenloses Mitläufertum. Eine Graphic Novel die in der Darstellung von Kontrasten unter die Haut geht und nicht oft genug gelesen werden kann.
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