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Grit Poppe: Schuld, Dressler Verlag € 9,99

Jana wächst in einem partei- und linientreuen Elternhaus auf. Gerade ist sie in eine schöne Villa am Stadtrand Berlins gezogen. Ihr Vater hat die Leitung eines Hotels übernommen. Neben ihr in der neuen Klasse sitzt Jakob. Seine Eltern haben einen Ausreiseantrag gestellt. Er gilt als Einzelgänger. Besser man hat keinen Kontakt zu ihm. Die beiden Außenseiter finden sich und Jana lernt die Welt Jakobs kennen, erst naiv, dann erstaunt und am Ende gefangen in vielen widerstreitenden Gedanken, in denen sie sich fast selbst verliert.
Jakob hingegen geht unberirrt seinen Weg. Als seine Flugblattaktion entdeckt wird, steckt man ihn ins Gefängnis. Hier versucht man ihm systematisch alles zu nehmen, ihn brutal umzuerziehen. Und fast bezahlt er seine Haltung mit dem Leben. Poppe schildert ein dunkles Kapitel der DDR-Diktatur, bei der das Ausgeliefertsein nicht an den Gefängnistüren halt macht. Die Lüge und Angst regiert das ganze Leben. Wer sich beschwert, oder gar wehrt, reißt sich und andere andere, Freunde und Familie, mit in ein schwieriges Leben. Wer trägt dabei für was die Schuld? Ist Schuld hier überhaupt der richtige Begriff? Dieser letzten Frage geht Poppe in ihrem Buch eine Spur zu wenig nach. Ansonsten ist das Buch eine eindrückliche Schilderung des Überwachungsstaates und diktatorischen Regimes der DDR.