westera-ueberall

 Bette Westera, Sylvia Weve: Überall & Nirgends, Susanna Rieder Verlag 2016 € 25.-

2016 wurde der einzigartig schöne Lyrikband zu unserem Palastschatz des Jahres. Diese inspirierende wie berührende Sammlung von Gedichten bis zum Lebensende fasziniert durch die überaus abwechslungsreichen wie kunstvollen Blickwinkel, bei denen jeder Betrachter dieses Buches sogleich mindestens ein Lieblingsgedicht findet und das Bedürfnis verspürt, sich über das oft so gern umschiffte Thema auszutauschen. Der Buchpalast hatte Bette Westera zu Gast. Sie präsentierte die Gedichte im niederländischen Original, gesungen zur Gitarre. Die deutsche Übersetzung sprach der Verleger Johannes Rieder.

In einem Preisausschreiben fragten wir nach dem Lieblingsgedicht in diesem Band. Von 46 möglichen Gedichten wurden 30 genannt. Das hätten wir nicht gedacht. Was für eine tolle Bandbreite hat dieses Buch zu bieten.
Mit grafischer Eleganz inszeniert der Rieder Verlag auf dem Cover nichts als den Titel des Buches: "Überall & Nirgends". Das Inhaltsverzeichnis verlangt vom Betrachter mit einer ersten Drehung des Buches gleich den etwas anderen Blick auf das, was wir so gern verdrängen. Die Präsenz des Todes. Was wäre ein Leben ohne den Tod? Langweilig. Na also. Der Tod gehört dazu.Jeder kennt ihn. Irgendwann, irgendwo stirbt immer ein Lebewesen. Der Tod macht traurig, aber auch neugierig. Mal begreift man ihn besser mit Albernheit und mal trägt er die Erinnerung. Durch ihn können sich neue Möglichkeiten eröffnen. Trägt Omas Mantel noch ihren Fingerabdruck? So mancher trägt sein Erbe im Gesicht. Die Worte von Bette Westera verhandeln das Sterben, erzählen von Begräbnisritualen, lassen Raum für Trauer sowie Erinnerung. Lasst uns darüber reden, wie wir auch über das Leben sprechen. Der Tod ist ganz normal. "Doodgewoon", das Wort des Originaltitels bezeichnet im Niederländischen auch das Stinknormale. Und danach? Ist noch lange nicht Schluss. Es gibt den Glauben nach dem Tod, das Jenseits, und wohl auch ein Davorseits? Trägt der Tod eigentlich einen Namen? Gevatter Hein, der Weidenmann? Nur kurz möchte das vorwitzige Kind einmal auf seinem Schoß Probesitzen. Ist das verwunderlich? Bette Westera und Sylvia Weve arbeiten nicht zum ersten Mal zusammen. Die Form für dieses Projekt haben sie gemeinsam entwickelt. Bette Westera inszeniert den Tod lyrisch verlockend von all seinen ungeahnten Seiten. Sylvia Weves´ Illustrationen spielen mit Seiten und Halbseiten. So kann sie jedes Bild zweimal benutzen, ihnen ein zweites Gesicht geben, einen anderen Ton, eine gegensätzliche Stimmung. Die Bilder und Gedichte, dazu ein gut erklärender Anhang, laden zum Experimentieren, Erzählen und Nachspüren ein. Das Buch verwebt Leben und Tod, wie es das verschlungene "&" auf dem Cover prophezeit. Der Tod wird hier zu einem kunstvollen Fest. Es lässt ihn mit Genuss greifen und begreifen.