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Selin Visne: Die Überlieferung der Welt, dtv 2020 € 10,95

Laelia, die mit kleineren Diebstählen versucht, ihre Mutter und ihren Bruder zu versorgen, gerät in große Schwierigkeiten, als Nero, der Boss der kriminellen Unterwelt, es ihr verbieten will. Aber auch ihre magischen Kräfte können nicht den Hunger ihrer Familie stillen, also sieht sie sich gezwungen weiter zu klauen. Als Nero das herausfindet, flieht sie zusammen mit Hadrian, der sich gegen seinen Boss gewandt hat. Ein geheimnisvoller Seher überzeugt die beiden, sich ihm anzuschließen. Seinen Visionen folgend suchen sie drei weitere magische Begabte, um ein geheimnisvolles Ritual durchzuführen, dass jedem von ihnen einen geliebten gestorbenen Menschen zurückbringen soll.

Das Buch wird aus den Sichten der sechs für das Ritual auserwählten Personen geschrieben. Da sie fast alle unterschiedliche Fähigkeiten haben und an verschiedenen Orten wohnen, sind alle auf ihre ganz eigene Weise interessant. Leider wurden die Charakterzüge aber bei keinem sonderlich realistisch und lebensecht rübergebracht, weswegen manche Protagonisten bis zum Ende hin keine richtige Persönlichkeit hatten und zu wenig ausgestaltet blieben. Die Welt ist dagegen gut überlegt und ausgestaltet. Die Orte wurden eindrucksvoll beschrieben und hatten alle ihre Besonderheiten. Auch die gesellschaftliche Kluft zwischen Magischen und nicht Magischen kam gut rüber. Die Geschichte war dagegen vom Aufbau nichts Neues und ähnelte auch in ihren Charakteren anderen Büchern. Doch es gibt tatsächlich überdurchschnittlich viele überraschende Wendungen, die das Lesen spannend bleiben lassen. Das Ende ist etwas abrupt und das Buch wirkt dadurch nicht ganz abgeschlossen. Insgesamt ist es trotzdem ein unterhaltsames Jugendbuch.