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Jochen Till: Raubritter Rocko und die rostige Rüstung, Tulipan Verlag € 8,95

„Wieso, weshalb, warum?“, fragen Kinder anhaltend bei den einfachsten Behauptungen. Jochen Till beweist in dieser Erstlesegeschichte, dass man mit wenigen Worten ein Meister plausibel verrückter Antworten darauf sein kann. Mitten im schönsten April langweilt es Raubritter Rocko so sehr, dass selbst sein Knappe Rotznase, jahreszeitenumfassend geplagt von Grasschnupfen, Heuschnupfen, Laubschnupfen und Schneeschnupfen, keinen Rat weiß. Alle Winterspiele sind hundert Mal gespielt und die Schneemannarmee ist bis auf ein paar Reste ritterlich geköpft worden. Die letzten Dahinschmelzenden allerdings, verfolgen Rockos Treiben neben dem Text mit reservierter Skepsis und Groll. Auch das Raubschwein Roulade, welches immer wieder Gefallen an ihren Möhrennasen findet, mögen sie nicht. Schon diese, rein durch Illustration lebensprall gefüllten Charaktere auf dem Nebenschauplatz fesseln auf den ersten Blick.
Rockos Welt ist eine runde Sache voll überbordender Fantasie des sorgfältig wie ernsthaft begründeten Unmöglichen. Rockos Vater Ralle verklemmt bei der Frühjahrsmodenschau in seiner Rüstung und schreit um Hilfe. Rocko und Rotznase haben endlich eine Aufgabe. Doch es wird eine Weile dauern, bis sie auf die Idee kommen, den Schweißdrachen zu Hilfe zu holen. Sorgsam, ein Nasenloch zugekorkt, versucht er sein Feuer punktgenau auf den verrosteten Verschluss zu lenken. Aber dieser Plan funktioniert genauso wenig wie vorhergehende. Die Rüstung, nun als Pfanne für das Mittagessen nutzbar, umschließt den Wanst des Vaters eisern. Elegant verbinden Texter wie Illustrator auf ihre Weise mittelalterliche Welt mit Moderne, egal ob die zickige Prinzessin vor dem Wasserklosett missmutig das Klopapier prüft oder eine Motorsäge in Gedanken Abhilfe schaffen könnte, bevor der Raubritter zum Joggen geschickt werden muss. Die Linie der Geschichte folgt becircend mühelos und in konsequenter Logik einem kindlichen Spiel. Jede Antwort macht die oft schon komische Ausgangssituation noch witziger, aber auch klar nachvollziehbar. Wo es Winterreifen gibt, liegen doch Winterhufeisen nicht fern. In diesem Buch arbeiten Texter und Illustrator ineinander verschränkt und nutzen das Bild für Erzählinhalte, welche den knappen Erstlesetext sprengen würden, in einer guten Geschichte aber nicht fehlen dürfen. Diese sorgsame und unabhängige Verteilung von Inhalten ist im Erstlesebereich eine Seltenheit und ein Hochgenuss.

Jochen Till: Die wilde Wilma. Kugelfisch und Totenkopf, Tulipan Verlag € 8,95

Die wilde Wilma ist Rockos starke Cousine. Ihr Vater hat die Raubritterei satt und möchte lieber Pirat werden. Leider weiß er noch nicht einmal, wo das Meer liegt. Endlich am Strand angekommen treffen sie auf einen heulenden Kapitän, dem gerade seine ganze Mannschaft weggelaufen ist. Das passt ja prima, denkt sich Wilma und heuert mit ihrem Vater an. Doch schon bald stellt sich heraus, dass Papa noch viel lernen muss und Kapitän ein ziemlicher Angsthase ist, wenn es um wilde Kraken geht.