Articles tagged with: Wut

Das begehren, was andere haben

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Emma AdBage: Die rote Burg, Kunstmann Verlag 2021 € 15,00

Auch in ihrem zweiten Bilderbuch verpackt Emma AdBage in wenigen Strichen viel Emotion. Mama und ihre Tochter sind zu einem Kindergeburtstag eingeladen. Das Geschenk für Finn durfte das Kind aussuchen. Eine rote Spielzeugburg. Jetzt, wo sie es verpacken, möchte das Mädchen nichts lieber, als Finns rote Burg mit ihrer grünen tauschen. Natürlich geht das nicht und eine Reihe von Gefühlen breiten sich in dem Mädchen aus. Ärger oder Wut, Frustration, Neid, Machtlosigkeit.

Große Kämpferin

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Stefanie Höfler: Helsin Apelsin und der Spinner, Beltz & Gelberg 2020 € 12,95

Helsin geht in die zweite Klasse. Hier werden die Kinder noch liebvoll "Zwerge" genannt, obwohl es im sozialen Gemenge schon hoch her geht. Mit Helsins Wutanfällen, Höfler beschreibt sie durch das ganze Buch hinweg unglaublich gut, kommen die Kinder der Klasse gut klar. Nur der Neue, Louis, holt sich gleich eine blutige Nase, da er Helsins rituelle Entschuldigung nicht annehmen möchte. Helsin, das Hibbelchen, wird von einer Tat in die nächste stapfen, in einer beständigen Mischung aus Verzweiflung, Lügengeschichten und Tränen aber auch großen, warmen Glücksmomenten, an dessen Ende nicht nur die feste Freundschaft mit Louis stehen wird. Sie wird ihre Spinner unter Kontrolle bekommen, einen Adoptivopa gewinnen und eine echte Oma dazu, sie wird wissen, was Schären sind und wie und wo sie selbst adoptiert wurde.  Helsin ist eine große Kämpferin in der neuen Kinderliteratur. Sehr lesenswert.

Am Familientisch

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Donatella Di Pietrantonio, Arminuta, Kunstmann, € 20,00

Die Romane von Donatella Di Pietrantonio: direkt, mit großer Ehrlichkeit und Offenheit die jeweilige Lebenssituation beleuchtend, mich als Leserin berührend. So ging es mir auch bei ihrem neuen Roman "Arminuta". Die Geschichte eines Mädchens, das plötzlich erfährt dass das Ehepaar, bei dem es als Einzelkind in der Stadt am Meer im Wohlstand aufwuchs, nicht seine leiblichen Eltern sind. Von einem Tag auf den anderen findet es sich ohne weitere Erklärung in einer Familie mit fünf Kindern in engen, ärmlichen, dörflichen Verhältnissen auf dem Land. Ratlosigkeit und Wut durchfluten es immer wieder aber es lernt auch die vorbehaltlose Rückendeckung einer pfiffigen jüngeren Schwester kennen und entdeckt erstaunt kleine Zeichen der Zuwendung an ungeahnter Stelle. Nach "Meine Mutter ist ein Fluss" und "Bella mia" hat die Autorin wieder eine Geschichte erzählt, die ich nicht missen möchte!

Feurige Gutenachtgeschichte

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Emily Gravett, Noch mal! Fischer Sauerländer € 14,99

In freudiger Erwartung hat sich der kleine Drache samt Schnuffeltuch dicht an die Mama gekuschelt. Seine Ohren stehen auf Empfang. Mama liest aus dem dicken Drachenbuch vor. Es war fast Schlafenszeit. Am Ende der Geschichte tönt es sofort „Noch mal!“. Und Mama liest. Und liest. Und liest. Ihre Ohren sinken schlapp herab. Die Augen werden immer kleiner, derweil die Wangen des kleinen Drachen immer röter werden, weil Mama einschläft, statt auf sein „Noch mal!“ zu hören. Und da passiert es. ...Eine feurige Gutenachtgeschichte. Was ein Glück für Bücher, dass unsere kleinen abendlichen Zuhörer nicht Feuer speien können.

Variantenreiche Wut

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Toon Tellegen, Marc Boutavant: Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen, Hanser Verlag € 14,90

Kann man Wut wegpusten? In Stücke brechen oder gar unter einem Felsbrocken vergraben? Was ist Wut überhaupt für ein Gefühl? Kann man sie sehen? Im Klippschliefer, trotz seines lustigen Namens (seine Gestalt ähnelt der eines Murmeltieres) glüht eine stille Wut auf die Sonne, von der er sich wünscht, sie möge ihn erhören und einmal nicht untergehen. Dem Elefanten begegnet die Wut im Scheitern und bringt fette Beulen. Regenwurm und Käfer sprühen sie in freundschaftlichem Streit nach außen, weil jeder der Wütendste sein möchte. Die Ameise erklärt der Kröte, dass man im Gegensatz zur Wut, die dahinschwinden sollte, mit Zufriedenheit gar nichts machen müsse. Tellegens amüsante, präzise gesetzten Kurzgeschichten sind tiefsinnig und federleicht zu gleich. Am Ende wird klar, die Wut ist aus dem Gefühlskanon nicht wegdenkbar. Das zeigt auch die umrahmende Farbenpracht der Illustration. Ein kleines Feuer der Emotionen also, das Vorleser und Zuhörer unbedingt genießen sollten.