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Trentsetter für ein neues Älterwerden

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Christiane Hastrich, Barbara Lueg: Statt einsam gemeinsam. Wie wir im Alter leben wollen, Eisele Verlag 2021 € 20,00

Werden die Babyboomer das Leben des dritten Lebensabschnittes revolutionieren? Ihre Lebenserwartung ist hoch, ihre Kinder haben sie für die weite Welt erzogen, einen Generationenvertrag, auf den sie wie selbstverständlich zurückgreifen können, wird es  nicht geben. Auf sich allein gestellt, sollte man sich also Gedanken machen. Wenn die Babyboomer in Rente gehen, werden nur halb so viele in ihre Berufe einsteigen. Wie und wo werden wir leben? Altersgerecht, indviduell, selbstbewusst und selbstbestimmt. Glücklich und erfüllt. Hastrich und Lueg, selbst dieser Babyboomer Generation angehörg, stellen in ihrem Buch eine Palette der Möglichkeiten zusammen, die vom Tinyhouse über verschiedene Formen von WGs bis zum Mehrgenerationenhaus reichen. Jedem dieser Kapitel hängen Fragen und Gespräche mit Menschen an, die sich für eine dieser Wohnformen entschieden haben und die Für und Wider ihrer Modelle erfahren haben. Das lässt Leser*inenn sofort eintauchen und beflügelt eigene Gedankenspiele, denen man sich nicht verschließen sollte. So unterschiedlich Erfahrungen berichtet werden, eins betonen alle Befragten: Wer einen gelungenen dritten Lebensabschnitt entgegen sehen möchte, ein heimeliges Domizil finden, sich in einer Gemeinschaft zu Hause fühlen möchte, sollte nicht bis zum hohen Alter damit warten. Spätestens in seinen 50ern sollte man mit dem Ort spielen, in den 60ern über die Gemeinschaft denken. Nicht passiv bleiben sondern das Leben bis hin zum Lebensende aktiv gestalten ist eine klare Devise für einen individuellen Weg, der Gemeinsamkeit braucht, denn  Hilfestellung wird gegeben und genommen werden müssen. Ein Weg, auf dem man lange unabhänig und selbstbewusst alt werden und gefordert sein kann. Hastrich un dLuong machen Lust darauf, die Sache anzugehen.

Faszinierend, inspirierend, informativ.

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William A. Ewing, Holly Roussell: Civilization. Wie wir heute leben. Knesebeck Verlag 2018 € 55.-

Ein Blick von oben: auf vier Quadratmetern leben vier Menschen. Kochend, lesend, lernend, schlafend. Ein Blick von unten: Bewusstlos liegt die Patientin auf dem OP Tisch. Die Verkabelungen zu Hightech Apparaturen erhalten sie am Leben. Ein Blick auf Augenhöhe: Unterhalb polizeilicher Schutzschilde stehen zwei Kinder. Weinend. Die Polizisten versuchen einen Strom von Flüchtlingen, die über eine Grenze drängen wollen, aufzuhalten. Wieder Vogelperspektive: Stille. Transportwege in der Landschaft bilden bizarre Formen des Fortschritts. Das Wort Zivilisation ist nicht leicht zu fassen.

Auf Bärenfährte

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Katja Gehrmann: Stadtbär, Moritz Verlag 2019 € 10,95

Wenn man in eine andere Gegend zieht, lebt es sich angepasst leichter. Das weiß jedes Tier. Selbst der Bär, noch neu in der Stadt, bemerkt nach seiner ersten Kollision mit einem Menschen: "Solche Sachen trägt man hier also? Dann mach ich das besser auch so." Schwupps setzt er Hut und Sonnenbrille auf und nimmt die Tasche unter den Arm, die der Mensch liegen gelassen hat. Sie ist voller.....das sei hier aber nicht verraten. Der Bär macht sich auf die Suche nach seinen Freunden: dem Fuchs, dem Biber, dem Dachs und dem Marder. Alle sind in Stadt umgezogen, denn hier gibt es reichlich Nahrung und guten Unterschlupf. Es lebt sich bequem, solange man eben unbemerkt bleibt. Aber wie soll ein großer Bär unbemerkt bleiben?