Articles tagged with: Vergangenheitsbewältigung

Unangepasst

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Ewald Arenz: Alte Sorten, Dumont Verlag 2019 € 20,00

Liss lebt und wirtschaftet allein auf dem großen Hof als Sally, ein junges Mädchen, zu ihr stößt. Die beiden verstehen einander zunächst fast ohne Worte, die sie dann doch nach und nach finden. Sparsam. mal vorsichtig, mal impulsiv, mit Angst, verletzt zu werden und doch auch selbst verletzend. Es spinnen sich zarte Fäden zwischen zwei Menschen, die das Gefühl miteinander teilen, in einer Familie und einem Umfeld leben zu sollen, das nicht zu ihnen passt. Sie stehen altersentsprechend an verschiedenen Positionen ihres Lebensweges, der Entscheidungen fordert. Mit gutem Gespür für seine Protagonisten und bereicherndem Blick in das Leben auf dem Land erzählt Ewald Arenz seine packende Geschichte, nach der der Leser Birnen mit neuer Aufmerksamkeit genießen wird.

Mutter und Sohn

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Nell Leyshon: Der Wald, Eisele Verlag Tb 2020 € 12,00

Die zart gezeichneten Vögel, Zweige und Früchte auf dem Buchumschlag deuten auf das sensitive Seelenleben von Zofia und Pawel hin. Mutter und Sohn sind durch die Kriegswirren des Zweiten Weltkrieges in Warschau sehr aufeinander bezogen. Zofia, eine musikalische Frau aus großbürgerlichen Verhältnissen muss lernen, in zunehmender Beschränkung zu leben, bis hin zum Leben in einem Versteck im Wald. Pawel ist ein kleiner, ängstlicher genau beobachtender Junge. Die Beiden werden die Kriegszeiten überstehen und als Sofia und Paul in England leben. Die emotionale Nähe wird auf eine große Probe gestellt als Sofia begreift, dass ihr Sohn homosexuell ist und sie ihr Bild vom Leben neu sortieren muss. Die Autorin Nell Leyshon lässt ihre Figuren in einer Weise agieren und denken, die dem Leser viele Impulse gibt. Sie schreibt in einer schönen, nachdenklichen Sprache, die den Leser gerne manche gedanklichen Umwege mitgehen lässt in einer durchaus spannenden und in vielerlei Hinsicht bereichernden Geschichte. Ein grandioser Roman!

Spionage DDR – BRD

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Dirk Brauns: Die Unscheinbaren, Galiani Berlin, € 20,00

Dirk Brauns erzählt überzeugend die fiktive, realitätsnahe Geschichte von Martin Schmidt, geboren und aufgewachsen in Ost - Berlin. Als er 18 Jahre alt war, wurden seine Eltern als Spione für den Westen entlarvt. Was das für ihn bedeutet hat, daran erinnert er sich nun, mehr als 40 Jahre danach. Er wird um ein Interview gebeten und sieht in diesem Zusammenhang Akten ein, sowohl der Stasi als auch des BND, die teilweise auch in dem Buch Raum finden. Gut, dass es als Ausgleich auch Partnerinnen und Töchter gibt!