Articles tagged with: Überleben

Eine Überlebensgeschichte, die zum menschlichen Handeln motivert.

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Abba Naour, Helmut Zeller: Ich sang für die SS, H.C.Beck Verlag € 16,99

Am Anfang der Überlebensgeschichte Abba Naors steht das berührende Versprechen seines neunjährigen Urenkels, ihm einmal eine Uhr zu erfinden, die rückwärts geht, um dem Urgroßvater die Mutter und seine Brüder zurückzubringen. Denn Abba Naors Mutter Chana wurde zusammen mit dem damals sechsjährigen Berale in Auschwitz vergast, Naors älterer Bruder Chaim wurde in
Kaunas mit 15 Jahren erschossen.

Drei Orte, drei Männerschicksale

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Eva Munz: Oder sind es Sterne, Kunstmann Verlag 2021 € 24,00

Drei Schauplätze, drei männliche Protagonisten. Es ist beeindruckend, wie die Autorin Eva Munz dem inneren Empfinden und den äußeren Lebensbereichen dieser drei nachgeht. Der Leser kann mit etwas wohltuender Distanz daraufschauen. Kabul, Paris, Los Angeles. Wir treffen auf drei ganz unterschiedliche Schicksale, die viel mit Identitätssuche und dem Verschmerzen zugefügter seelischer Verletzungen zu tun haben. Wir geraten in ein Ausbildungslager zum Schutz vor Terroranschlägen, in das Zeitgehschehen von 9/11, die Suche nach Bin Laden und die Strippenzeiher dahinter, als auch in das Penthouse eines wohlhabenden Exil-Afghanen in Paris. Das Lied "Survivor" erklingt an all diesen Orten - werden die drei ihre Sehnsucht nach Zugehörigkeit stillen und werden sie überleben?

Überleben in der Wildnis

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M.A. Bennett: Sieben, Arena Verlag 2020 € 16,00

Lincoln, der sich selbst als Nerd beschreibt, wird drei Jahre auf seiner Schule gemobbt, bis er mit ein paar seiner Mitschüler auf einer einsamen Insel landet und dort der Einzige ist, der sich mit dem Überleben in der Wildnis auskennt. Dabei geht es in der Geschichte nicht hauptsächlich darum zu überleben, da sie sehr schnell Feuer haben und es genug Fische und Ziegen auf der Insel gibt, sondern um die Machtverschiebung zwischen den Personen, die sehr gut dargestellt wird. Ohne Lincoln würden die anderen nicht überleben und diese Macht über seine Mobber steigt ihm schnell zu Kopf. Die Charaktere sind anfänglich übertrieben klischeehaft, aber mit der Zeit erfährt man mehr über die Personen und die Klischees werden aufgebrochen. Auch die Zeit in der Schule ist etwas überspitzt dargestellt, die Rangordnung ist mit Nummern festgelegt, Lincoln, der natürlich die letzte Nummer hat, muss diverse Botengänge, Einkäufe und ähnliches für alle anderen Schüler machen. Sobald sie auf der Insel sind, beginnt Lincoln sich wie ein König zu fühlen und sich dementsprechend asozial den Anderen gegenüber zu verhalten. Das war zwischenzeitlich ebenfalls etwas übertrieben, aber auch nachvollziehbar. Sprachlich ist es angenehm zu lesen und es wird viel Bezug auf Literatur und Musik genommen. Insgesamt ist es ein weitgehend realistischer Roman, der an manchen Stellen aber etwas übertrieben ist. Juliana, 14 Jahre

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Fesselnd und poetisch

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Fesselnd und poetisch

Michael Köhlmeier: Das Mädchen mit dem Fingerhut, Hanser Verlag 2016 €18,90

Yiza, ein kleines Mädchen, ist allein in einem fremden Land mit ihr fremder Sprache. Es gibt Menschen, die ihr helfen, auch die Polizei hilft ihr und bringt sie in ein Heim. Dort trifft sie auf zwei Jungen, Schamhan und Arian, die sie auf ihre Flucht mitnehmen. Sie sorgen für das Mädchen und sich selbst, so gut es geht: im Freien lebend, in Hütten Schutz suchend, Nahrung und Decken stehlend. Von der Fürsorge der Kinder untereinander, ihrem Überlebensinstinkt, ihrer Lebenslage, die alles andere als kindlich ist, schreibt Michael Köhlmeier gleichzeitig so fesselnd und poetisch, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.