Articles tagged with: Tod

Von kleinen und großen Abschieden

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Nina LaCour, Alles okay, Hanser Verlag 2019 € 16,00

Marins Verlust ist einer von denen, die den Leser mit in eine Tiefe ziehen, aus der er gemeinsam mit der Protagonistin im Verlauf der Geschichte nach und nach wieder auftaucht. Als Kind hat Marin ihre Mutter verloren, einen Vater gab es nie. Gerade erwachsen,verliert sie den Großvater, ihren Mittelpunkt ihres Lebens, und damit auch sich selbst.  Seither ist nichts mehr okay, Marin verkriecht sich vor der Welt und ihren Freunden. Das erste Wiedersehen der besten Freundinnen nimmt die Autorin zum Anlass, um Marin und Mabel zaghaft zurückblicken zu lassen: Auf die letzten Sommertage. Auf die Zeit des Schulabschlusses, angefüllt mit Plänen, Hoffnungen und vielen letzten Malen. Marin und Mabel ist klar, dass sich ihre Wege wegen des Studiums trennen werden. Ungeplant war jedoch, wie sich in dem ganzen Taumel ihre Herzen und Körper finden. Hatte die zarte, heimlich gelebte Liebe je eine Chance? Ein intensives und emotional starkes Jugendbuch über Liebe, Freundschaft, Verlust und den Weg aus dem Dunkeln ans Licht.

Ein Sommer voller Leben

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Anne Freytag: Mein bester letzter Sommer, Heyne Verlag 14,99

„Stell dir vor, stell es dir einfach mal vor: deine Schulklingel läutet, alle freuen sich, ja, endlich Sommerferien und weißt, es ist dein letzter Sommer, was du noch nicht weißt, es wird dein bester, letzter Sommer sein.“ Zitat: Freytag, Mein bester letzter Sommer
So geht es Tessa. Sie ist 17. Sie weiß, dass sie sterben wird. Viel Besonderes hat sie noch nicht erlebt. Ihre Eltern behandeln sie auf einmal als wäre sie aus Watte und sie verschanzt sich nur noch in ihrem Zimmer und wartet auf das Ende. Doch das ändert sich schlagartig, also sie Oskar trifft. Er macht, dass es ihr schönster Sommer wird. Beide fahren nach Italien und erleben viel, so viel, dass es am Ende ein bisschen einfacher ist, zu gehen. Das besondere für mich an dem Buch war, dass man sich wie ein stiller Zuschauer fühlt, der mit auf die Reise genommen wird. Am Ende fühlt man sich traurig und leer.  Was den Schmerz lindert ist, dass Tessa einen verdammt schönen letzten Sommer hatte. Auch wenn sie tot ist, irgendwo da oben wird sie an den Sommer mit Oskar denken. Im Herzen von ihm wird sie weiterleben.
Das Buch kann ich allen empfehlen, die eine Liebesgeschichte ohne Happy End suchen. So wie es halt auch manchmal im echten Leben ist.

Verschlossene Welten

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Katya Balen: Mein Bruder und ich und das ganze Universum, Carlsen Verlag 2019 € 13,00

Die Geschichte beginnt mit einem Ereignis, dem Kinder mit freudiger Erwartung entgegen sehen. Frank und sein kleiner Bruder Max bekommen neue Schuhe zum Schulanfang. Doch bei Max führt alles Ungewohnte und Neue zu irrsinnigen Wutausbrüchen, bei denen er sich selbst verletzt. Frank nennt das die Kernschmelze. Seine Familie und er versuchen das Schmelzen von Max zu verhindern, den Sechsjährigen vor sich selbst zu schützen, ihn auf Neues behutsam vorzubereiten oder die Dinge beim Alten zu belassen wo es geht. Mit Max redet man in Zeichensprache, oder mit Bildern, und Worten, die er oft nicht an sich heranlässt, denn die Welt von Max ist eine ferne, verschlossene Welt.

Rückblick und Entscheidung

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Jostein Gaarder: Genau richtig. Die kurze Geschichte einer langen Nacht, Hanser Verlag 2019 € 16,00

Albert hat das Glück, auf fast 40, weitgehend harmonische Ehejahre zurückzublicken. Er denkt gerne an seinen Sohn mit Frau und Enkelin, die ihm sehr verbunden sind. Und dann gibt es auch einen geradezu magischen Ort: eine kleine Hütte an einem Waldsee, die für die ganze Familie ein Ruhepol ist und Ausgangspunkt für Gedankenspiele und Erspüren der Natur. Hier befindet sich Albert, zum 1.Mal allein, mit einer verstörenden, erschütternden Nachricht, der er sich stellt. Er leidet an einer Krankheit, die ihn in zunehmende Abhängigkeiten bringen wird bis zum absehbaren Lebensende. Das schmale Buch von Jostein Gaarder sind Alberts niedergeschriebenen Gadanken über sein Leben, die Frage nach dem Leben überhaupt auf dieser unserer Welt und der nach dem Lebensende. Berührend, begeisternd, erschütternd - dieses Buch ist eine intensive Begegnung und Bereicherung!

Die unsichtbaren Beine der Liebe

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Linde Hagerup: Ein Bruder zu viel, Gerstenberg Verlag 2019 € 14,95

Die Welt der 9-jährigen Sara könnte schöner nicht sein, bis eine Freundin ihrer Mutter plötzlich stirbt. Alleinerziehend hinterlässt sie einen 5-jährigen Sohn. Saras Eltern beschießen, ihn in die Familie aufzunehmen. Sara konnte dem quengelingen Steinar nie etwas abgewinnen. Nun besetzt er ihr halbes Zimmer. Die Mutter. Den Vater. Von Trauer umfangen, bekommt er immer alles. Steiner lebt in einem Schonraum und in Sara nagt ein kleines, wütendes Tier. Da alle Aufmerksamkeit auf Steinar liegt verschwindet Sara mehr und mehr, bis sie auf eine Idee kommt: Sara wird zu Alfred, einem großen Bruder für Steinar, der nett zu ihm sein kann und der vieles schafft, das Sara nicht gelingen will. Doch das Doppelleben birgt andere Schwierigkeiten. Schlicht, klar und für Kinder zum Greifen nah und bildlich erzählt liegt unter dieser Geschichte große psychologische Brisanz. Alle Figuren müssen sich mit starken Gefühlen arrangieren und ihre Handlungen werden in emotionalen Notsituationen mit zweierlei Maß gemessen. Es geht nicht immer gerecht zu. Saras Flucht in eine andere Person macht sie handlungfähig, ist aber auch kein Dauerzustand. Wie wird sie den Weg wieder zu sich selbst zurück finden? Der packende Kinderroman ist eine Geschichte der kleinen Schritte, kurzen Sätze, wechselnden (Jahres)Zeiten. Dem Vergehen von Zeit überhaupt. Der Veränderung. Dem Wachsen. Und vor allem der Liebe, und einer bewundernswerten Vater-Tochter Beziehung. "Die Liebe sind ein paar Beine, die du nicht sehen kannst. Diese Beine können viel weiter laufen als deine normalen Beine. Diese Beine nämlich tragen dich durch das Leben", sagt Saras Papa in der Overtüre zu ihr. Diese vier ungewöhnlichen Beine, die sichtbaren wie unsichtbaren lassen Sara zunächst straucheln und stolpern. Sara nimmt uns mit in ihre Geschichte, die man am Ende, die Beine sehend, ins Herz schließt und keinesfalls missen möchte.

Wenn sich plötzlich alles ändert

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Stephanie Höfler: Der große schwarze Vogel, Beltz & Gelberg 2018 € 13,95

Ben ist erst 14 als seine Mutter an plötzlichem Herzstillstand verstirbt. Seine Mutter, die eine so lebendige und lebensfrohe Frau gewesen war, welche es liebte lauten Jazz mitzugrölen, durch den Wald zu spazieren und Bäume zu umarmen.Ihr Tod lässt die Familie auseinanderfallen: Bens Vater verkriecht sich in der Wohnung und wird zu einer leblosen Hülle, gefangen in Trauer und Verzweiflung, der sechsjährige Karl reißt immer wieder von Zuhause aus und Ben selbst findet keinen Weg seine Trauer zu spüren, geschweige denn heraus zu lassen. Während das Leben weiter geht, schwankt er zwischen Erinnerungen und Akzeptanz und lernt dabei die wunderschöne Lina kennen, welche auch einige traurige Erfahrungen mit dem Tod gemacht hat.

Abschied nehmen

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Saskia Hula, Eva Muszynski: Bikos letzter Tag, Klett-Kinderbuch 2017 € 14.-

Lange war Biko für alle da. Er ist der Familienhund. Er passt auf alle auf. Doch nun ist er alt und müde. Ein gutmütiger Kerl. Mit Falten und Runzeln, hängenden Ohren und Lefzen und trockener Nase. Zeit Abschied zu nehmen. Dem Hund fällt das leicht. Ein wenig sehnt er sich nach dem Ende. Er fühlt sich geborgen. Vater, Mutter und die beiden Kinder sind da. Selbst die eigenwillige Katze. Die Menschen sind traurig. Das ist normal. Man sieht und fühlt es in den Bildern, in Haltung und Ausdruck der Figuren. Ihre lichten Farbtöne aus  zartem Gelb, Ocker und hellem Grün sprechen aber auch vom Leben, das weitergehen wird. Die Worte erzählen sachlich. In ihnen schwingt auch das Glück. Das Buch lässt viel Raum und Zeit, bereitet den Abschied vor, den Wechsel, die Veränderung, der uns den Schmerz bereitet. Ein gelungenes, sanftes und stilles Buch, in dem der Tod wichtig, traurig und schön zugleich sein darf.

 

Sliced Okapi, von skurriler Eleganz

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Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann, DuMont Buchverlag, € 20,00

Ein kleiner Kosmos

Von ganz normalen Menschen in einem kleinen Ort mit ihren ganz speziellen EIgenschaften wird in diesem Roman ungewöhnlich und anrührend erzählt. Ein 10jähriges Mädchen, das zur Mittdreißigerin heranwächst, ist die Erzählerin. Sie steht ihrer Großmutter Selma ganz besonders nah, diese ist die heimliche Hauptfigur. Sie ist auch diejenige, die immer mal von einem Okapi träumt, und dann stirbt jemand im Ort - so war es bisher immer. Wird es auch dieses Mal so sein? Und wie ist das mit der "heimlichen Liebe", die offensichtlich ist, aber doch nie ausgesprochen wird. Und wie mit der Liebe, die einem in Form eines Menschen plötzlich gegenübersteht, die das Leben auf den Kopf stellt - will man dieses andere, veränderte Leben? Mariana Leky findet eine ganz eigene, ein wenig versponnene, bezaubernde und auch witzige Sprache für diese Menschen, die so sein dürfen, wie sie sind, für diesen kleinen Kosmos, in den der Leser eintaucht, in dem er mitfühlt, mitbangt und sich mitfreut.

Ruhig und kraftvoll

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Colm Toibin: Nora Webster, Hanser 2016, € 26,00

Nach dem viel zu frühen Tod ihres Mannes muss Nora sich neu finden. Sie lebt in einer irischen Kleinstadt in den 60er Jahren, jeder kennt jeden und es gibt Regeln über Regeln, wie "man" sich zu verhalten habe. Nora ist eine unauffällige Rebellin und wird sich Stück für Stück aus der inneren und äußeren Enge befreien.Colm Toibin beschreibt ruhig und glaubwürdig Noras Leben, mit ihren zwei Söhnen zuhause, zwei fast erwachsenen Töchtern, der neu aufgenommenen Arbeit, den vielen Gedanken und Fragen, die sie umtreiben. Die Musik wird ihr helfen, eine eigene Welt zu entdecken, die sie den Alltag selbstbewusster und freier erleben lässt. Ein schön zu lesender Roman über eine Frau, die gleich meine Sympathie hatte und mir ans Herz gewachsen ist.
 

Interview mit zwei Wienerinnen, die sich zusammen Anna Pfeffer nennen

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Hinter dem Pseudonym Anna Pfeffer stehen zwei interessierte Frauen, die schon als Jugendliche befreundet waren. In dem Interview mit ihnen erfahren wir zum Beispiel, weshalb sie Anna Pfeffer gewählt haben. In ihrem Buch „Für dich soll’s tausend Tode regnen“ haben die beiden sich ausführlich mit dem Tod auseinandergesetzt: Emy gibt jeder nervigen Person in Gedanken eine Todesart, wobei sie den allernervigsten Jungen kennenlernt.

Lyrik bis ans Lebensende

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"Wenn du niemals sterben könntest, würdest du dann glücklich sein?"

In schwungvoller, grafischer Eleganz inszeniert der Rieder Verlag auf dem Cover nichts als den Titel des Buches: "Überall & Nirgends". Das Inhaltsverzeichnis verlangt vom Betrachter, in einer ersten Drehung des Buches, gleich den etwas anderen Blick auf das, was wir so gern verdrängen. Die Präsenz des Todes. Was wäre ein Leben ohne den Tod? Langweilig. Na also. Der Tod gehört dazu. Jeder kennt ihn. Irgendwann, irgendwo stirbt immer ein Lebewesen. Der Tod macht traurig, aber auch neugierig. Mal begreift man ihn besser mit Albernheit und mal trägt er die Erinnerung. Durch ihn können sich neue Möglichkeiten eröffnen. Trägt Omas Mantel noch ihren Fingerabdruck? So mancher trägt sein Erbe im Gesicht. Die Worte von Bette Westera verhandeln das Sterben, erzählen von Begräbnisritualen, lassen Raum für Trauer sowie Erinnerung. Lasst uns darüber reden, wie wir auch über das Leben sprechen. Der Tod ist ganz normal. "Doodgewoon", das Wort des Originaltitels bezeichnet im Niederländischen auch das Stinknormale. Und danach? Ist noch lange nicht Schluss. Es gibt den Glauben nach dem Tod, das Jenseits, und wohl auch ein Davorseits? Trägt der Tod eigentlich einen Namen? Gevatter Hein, der Weidenmann? Nur kurz möchte das vorwitzige Kind einmal auf seinem Schoß Probesitzen. Ist das verwunderlich? Bette Westera und Sylvia Weve arbeiten nicht zum ersten Mal zusammen. Die Form für dieses Projekt haben sie gemeinsam entwickelt. Bette Westera inszeniert den Tod lyrisch verlockend von all seinen ungeahnten Seiten. Sylvia Weves´ Illustrationen spielen mit Seiten und Halbseiten. So kann sie jedes Bild zweimal benutzen, ihnen ein zweites Gesicht geben, einen anderen Ton, eine gegensätzliche Stimmung. Die Bilder und Gedichte, dazu ein gut erklärender Anhang, laden zum Experimentieren, Erzählen und Nachspüren ein. Das Buch verwebt Leben und Tod, wie es das verschlungene "&" auf dem Cover prophezeit. Der Tod wird hier zu einem kunstvollen Fest. Es lässt ihn mit Genuss greifen und begreifen.

Heldenhaft

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017, Sparte Kinderbuch

Hakon Overas, Super Bruno, dtv Tb 2017 € 7,95

"Geht es dir gut?", fragen Bruno Eltern immer wieder. Die Familie ist umgezogen und gerade ist Großvater gestorben. "Mir geht´s prima", antwortet Bruno. Doch die älteren Jungs im Dorf haben seine Bretterhütte zerstört und ärgern Bruno, der vorsichtig neue Bekanntschaften zu schließen versucht, auf Schritt und Tritt. Ein zartes, melancholisches, anrührendes kleines Büchlein voll großer Gefühle, indem Bruno sich zu helfen und als "Super-Bruno" zu wehren weiß. Durch Großvaters Hilfe aus der Ferne lernt der schüchterne Junge sich auch ohne Superheldentum zu behaupten. Die Illsutrationen mit ihrem feinen Strich und ihrer punktuellen Farbgebung runden das Leseerlebnis ab.

Auf der Zugspitze

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis Jugendbuch 2015

Christoph Wortberg, Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß, Beltz & Gelberg Tb 2016 € 7,95

Das Buch packt einen emotional und ist sowohl traurig als auch mutmachend. Es setzt sich mit den Themen Tod und Verlust auseinander, Dinge mit denen jeder Mensch einmal klar kommen muss. Bewegend und poetisch geschrieben mit realistischen Charakteren.

Davor, danach, währenddessen

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Gideon Samson, doppeltot, Gerstenberg 2015 € 14,95

Rifka und Düveke sind zwei einwandfreie zwölfjährige Mädchen die in einem niederländischen Dorf zu Grundschule gehen. Rifka ist der King des Pausenhofs, wie sie selbst sagt, und kommandiert alle herum. Für sie sind die anderen Schüler nur das Volk, bestehend aus Dummtussis und Lödeldödel. Und wenn Rifka das denkt, muss es ja stimmen, meint Düüv. Sie ist Rifkas beste Freundin, ein Privileg das nur sie besitzt. Rifka steckt voller Ideen und findet alle möglichen Sachen zum Lachen, auch die Beerdigung eines Mitschülers. Zum Lachen. Das Ereignis bringt sie auf eine ganz neue Idee: Sie will zu ihrer eigenen Beerdigung. Mit einer vorgetäuschten Entführung und einem Versteck im Wald steht der Plan. Düüv macht natürlich mit, wie immer – genau wie Rifka es will. Brav befolgt sie die Anweisungen ihrer besten “Freundin” immer weiter. Doch sie hat Angst und irgendwann macht sie einen Fehler – ein Fehler der Rifkas Plan zerstört. Einen Fehler für den Rifka sie töten würde…
Das Buch ist in drei Teile mit unterschiedlichen Perspektiven unterteilt: Davor, Danach und Währenddessen

Flügel! Von den Ohren bis zur Ferse.

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Zoran Drvenkar: Der letzte Engel, cbj € 8,99

„Wer einen Engel sucht und nur auf die Flügel schaut, könnte eine Gans mit nach Hause bringen“ sagte schon Georg Christoph Lichtenberg  und man möchte meinen, er hätte geahnt, dass 15 Jahre nach seinem Tod ein Eisblock  St. Petersburg erreichen wird.  Darin eingeschlossen zwei tiefgekühlte Skelette und zwei Flügelpaare. Für die Gräfinnen Pia und Natascha ist klar, dass es sich hier nur um zwei Exemplare der Spezis Engel handeln kann.  Die Damen werden einen Stab von Wissenschaftler engagieren und versuchen, in Reihen fehlschlagender menschlicher Experimente Engel zu erschaffen.  Diese Experimente führen zum qualvollen Leiden junger Menschen und bald gründet sich eine Bruderschaft, welche alle und jeden radikal auszulöschen versucht, der an dieser Sache beteiligt ist. Zeitsprung. Motte, dem eine email den nahenden Tod ankündigt, weiß nichts von diesen 200 Jahre andauernden Kämpfen.  Er kämpft mit sich selbst. Mit albernen Boxershorts bekleidet steht er da, mager und kein Haar auf der Brust. Und nun hat er auch noch diese Flügel von den Ohren bis zu den Fersen an der Backe. Wunderbar lakonisch kommentiert er das Geschehen, welches ihn in pubertärer Manier weder schreckt, noch dass er ihm Herr werden könnte. Mit märchenerzählerischem Talent verstrickt Drvenkar den Leser in seinen komplexen Plot, spielt gekonnt lässig mit zeitlichen Erzählebenen und Blickwinkel und jongliert mit großer Besetzung. „Vergangenheit ist ein Gewebe der Zeit, das sich aus Erinnerungen zusammensetzt“, sagt Mona, ein zehnjähriges Mädchen, welches den Anschlag der Bruderschaft überlebt hat. In allem Tohuwabohu ist sie traumwandlerisch mit einem Engel aus ferner Zeit unterwegs.  „Ein Engel wird von geborgter Zeit leben.“ Mona ist das Bindeglied zwischen den Zeiten bis die Vergangenheit in der Gegenwart ankommt. Reizvoll, da ungewöhnlich nüchtern und glaubensfern, ist Drvenkars Umgang mit dem im romantischen Sektor verbrauchten Thema „Engel“. Sie sind weder Licht noch Botschafter. Hier braucht der Engel den Begleiter. Vermutlich sind sie nicht einmal unsterblich. Einzig ihre Flügel scheinen Zeit strecken zu können und stellen somit ein begehrenswertes, rabiat zu erwerbendes Lebenselixier dar. Einen stimmigen Unterton bildet die grundsolide Erkenntnis, dass die Toten die Lebenden bedingen und die Erinnerung eine unantastbare Brücke bildet, sodass Ende und Anfang ein  unendliches, geschlossenes Band zu bilden scheinen. Fast verliert der Leser am Ende durch den Sog historischer Zusammenhänge die gelungenste Stimme und mit ihr Mottes Desater aus den Augen. Aber nur fast, denn schlussendlich muss der frischgebackene Engel  Federn lassen und genau hier folgt der klassische Verweis auf einen zweiten Teil. „Mist auch“ würde Motte da wohl sagen.

Wiederbelebung

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Chen Jianghong, Der kleine Fischer Tong, Moritz Verlag 2015 € 18.-

Chen Jianghong ist ein Wanderer zwischen europäischer und asiatischer Tradition. Seine Geschichte wurde von einer chinesischen Illustration aus dem 7. Jahrhundert inspiriert und die Bilder sind wie immer bei Chen Jianghong mit Tusche auf Seide oder Reispapier in schnellem, selbstbewussten Strich gezeichnet. Ihre intensive Stimmung entwickelt beim Betrachten ein kunstvolles Eigenleben und lässt das Wesen in allen Dingen erspüren. Dies ist ein Buch zum Schauen und Staunen. Es vermag Groß und Klein besonders zu fesseln.

Einfach ein Roman

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Deutscher Jugendliteraturpreis Jugendjury 2014

John Green, Das Schicksal ist ein mieser Verräter, dtv Tb € 9,95

Sarkastische Ehrlichkeit und verspielte Leichtigkeit, berührend und atemraubend fesselnd. Diese Buch kann man bis zur letzten Zeile nicht mehr aus der Hand legen.

Mir wurde das Buch in die Hand gedrückt mit den Worten

"Lies! Das Buch ist end gut."

Ich dachte mir: Okay, schon wieder ein Krebs-Buch. Wieder ein krebskrankes Kind, das vor seinem Tod nochmal sein Leben verändert oder so. Aber schon auf der ersten Seite merkt man, dass Hazel mit dem Krebs irgendwie anders umgeht, als das "Durchschnitts-Krebskind".

Zarte Trauerbewältigung

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis Bilderbuch 2011

Stein Erik Lunde, Papas Arme sind ein Boot, Gerstenberg Verlag € 12,95

Papa hört kein Radio. Er sitzt im Wohnzimmer. Es ist ganz still, nur das Feuer im Kamin knistert und knackt.“ Zitat: Linde, Papas Arme sind ein Boot
Worte eines kleinen Jungen fließen nach dem Tod seiner Mutter auf schwarzen Grund. Daneben ein schlichtes Haus in weißer Papierlandschaft. Eine Birke, ein Stein, ein Stück Brot und eine rote Schaukel. Verwaist hängt sie am Baum und lässt mit ihrem Rot den Blick des Betrachters nicht gehen, welcher bald in Gedanken, den Jungen auf der Schaukel sitzen sieht. Sein Vater steht wohl dahinter und gibt ihm Schwung. Ihr imaginäres Lachen erfüllt das Rund. „Das ist jetzt schon eine Weile her“ sagt der Text und führt den Leser zurück in die beseelte Traurigkeit des Buches. Natürlich kann man da nicht schlafen. Der Junge nicht, welcher von der äußersten Ecke seines Gitterbettes zu uns aufblickt, und der Vater, in sich versunken vor dem Kamin, auch nicht. Der Raum und die Gefühle scheinen unermesslich groß und weit. Da flüchtet sich der Junge in die Arme seines Vaters, als kleines Knäuel hält Papa ihn fest und schreitet mit ihm Wange an Wange durch ihre „verrutschte Welt“. Der windschiefe Spültisch mit seinen aufgeklappten Laden in Seitenansicht, der Esstisch daneben in Draufsicht, die Zungen des Feuers hinter dem Pfosten verwirbelt zum Segel.