Articles tagged with: Terror

Drei Orte, drei Männerschicksale

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Eva Munz: Oder sind es Sterne, Kunstmann Verlag 2021 € 24,00

Drei Schauplätze, drei männliche Protagonisten. Es ist beeindruckend, wie die Autorin Eva Munz dem inneren Empfinden und den äußeren Lebensbereichen dieser drei nachgeht. Der Leser kann mit etwas wohltuender Distanz daraufschauen. Kabul, Paris, Los Angeles. Wir treffen auf drei ganz unterschiedliche Schicksale, die viel mit Identitätssuche und dem Verschmerzen zugefügter seelischer Verletzungen zu tun haben. Wir geraten in ein Ausbildungslager zum Schutz vor Terroranschlägen, in das Zeitgehschehen von 9/11, die Suche nach Bin Laden und die Strippenzeiher dahinter, als auch in das Penthouse eines wohlhabenden Exil-Afghanen in Paris. Das Lied "Survivor" erklingt an all diesen Orten - werden die drei ihre Sehnsucht nach Zugehörigkeit stillen und werden sie überleben?

Inseldrift

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Nick Drnaso: Sabrina, Blumenbar 2019 € 26.-

Calvin, Leutnant der Air Force, beherbergt seinen Schulkammeraden Teddy, dessen Freundin Sabrina seit Wochen vermisst wird. Drnasos Szenen kennzeichnen Sprachlosigkeit und stummen Schmerz, Hilfsbereitschaft in Hilflosigkeit. Illusionslos und unsentimental. Das Leben in gebrochener, matter Farbigkeit leerer Räume. Calvin ist Vater einer vierjährigen Tochter. Frau und Tochter haben ihn verlassenn. Noch hofft er, nach Ablauf der Vertragsfrist die Arbeitsstelle wechseln und wieder in die Nähe seiner Tochter ziehen zu können. Gleichförmig arbeitet er sich durch die Tage, nachts spielt er mit den Arbeitskollegen Egoshooter Spiele. Die gesichtslosen Welten gleiten ineinander. Der gewaltsame Tod Sabrinas kommt per Post als Video in die Redaktionen, lässt die böse Vorahnung real werden, und verbreitet sich als Livestreamact samt vieler Verschwörungstheorien unaufhaltsam im Netz. Calvins mechanische Hingabe zu Teddy, die ignorante Züge trägt, hilft ihm, Shitstorm und Morddrohungen stand zu halten. Teddy s Leere füllt ein zwielichtigem Radiosender, dessen Moderator den Untergang der Welt beschwört und sein Heil verkündet. Ist dies die schöne, neue Welt oder ihr gesellschaftlicher Zerfall, der Wirklichkeit entrückt? Drasno inszeniert Menschen in einer verstörenden Welt, lässt sie an der Oberfläche zu treiben, einem nicht fassbaren, passiven Strom ausgesetzt, auf sich selbst zurückgeworfen, umherwandlend in unterkühlter Starre. Kontaktarm und isoliert ertragen sie eine Welt voller Härte auf der verzweifelten Suche nach Leben, nach Menschlichkeit. Die kleinen Lichtblicke, die Suche Teddys nach der Hauskatze oder Calvins Wohnungsübergabe an einem Kollegen am Ende, seinen Abschied und Aufbruch in einen neuen Lebensabschnitt, wirken wie ganz großes Kino. Die herausragendste Graphic Novel des Jahres, die man gelesen haben muss. Sprachlose Bilder eines befremdlichen und nur allzurealen Miteinanders.

Vom Schmerz in der Welt

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Antonia Michaelis: Der Attentäter, Oetinger 2016 € 19,99

Drei Kinder werden in einem  Mietshaus im Prenzlauer Berg groß. Einer wird zum Attentäter werden. Wie kann das geschehen? Von der ersten Seite an erzählt Antonia Michaelis packend aus der Seele ihrer drei Protagonisten heraus. Unzertrennlich sind sie miteinander verstrickt. Die Faszination für Licht und Dunkel, Gut und Böse, als scheinbaren Pole, welche Alain und Cliff schon im Kindesalter mit ihren Charakteren besetzen, üben sie einen Sog der Anziehung zueinander aus. Sie beobachten und umtanzen sich, zeichnen sich die Welt und träumen voneinander, schweben und taumeln haltlos in ihr und fügen einander Gewalt zu, oder sich selbst, um den Schmerz der Welt zu fühlen. Die Gewalt ist von starker körperlicher Pränsenz. In der Mitte steht Margarete, frei nach Faust, ein Wesen mit Erdkontakt, bodenständig in der Gesellschaft verankert, unbeirrbar in ihrer steten Liebe zu beiden Jungs. Ein intensives Leseerlebnis, dass viele Fragen anstößt.