Articles tagged with: Sprache

Inselhopping

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Kai Kupferschmidt, Blau - Wie die Schönheit in die Welt kommt, Hoffmann und Campe Vlg. 2019 €26,00

Der Leser wird in diesem Buch, das allein schon in Haptik und Aufmachung ansprechend ist, an die Hand genommen und dazu verführt, von einem Thema zum nächsten zu srpingen. Sich zu vergnügen mit der Geschichte des blauen Steins aus geologischer Sicht, in der Chemie und Biologie, bis hin zur Optik . Und immer wieder geht es um die eine Frage: Was fasziniert die Menschen seit jeher daran? Schon die Pharaonen waren der Farbe verfallen, Künstler suchen nach dem perfekten Blau und Franz Marc hat die Farbe dazu veranlasst, seine 'Blauen Pferde' zu malen. Blaues Licht ist nicht blau ... gehen Sie mit auf eine Entdeckungsreise in diesem wissenschaftlich unterhaltsamern und persönlich anregenden Buch über eine Farbe, die sogar töten kann.

Lange Sommertage

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Barbara Schwarcz: Sommerverschwendung, Picus Verlag 2019 € 22,00

Ein Mädchen hat mit sieben Jahren seine ersten Sommerferien. Die Geschwister sind wesentlich älter und haben ihre eigenen Pläne, die Nachbarskinder verreist und es passiert äußerlich wenig. Aber sie macht sich viele Gedanken über die Wörter und Sprachen, sie beobachtet und wartet sehnsüchtig auf den Tag, an dem auch ihre Familie in den Urlaub fahren wird: nach Ungarn zur Familie des Vaters. Das Buch spürt feinfühlig dem Sommer und dem Warten nach, dem Jüngstesein und der Gedankenwelt einer aufgeweckten Erstklässlerin.

Im Marschland

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Delia Owens: Der Gesang der Flusskrebse, Verlag hanserblau € 22,00

Kya wird das Mädchen genannt, das fast ganz auf sich gestellt in dem Marschland North Carolinas aufwächst. Sie ist zunächst noch ein Kind, das sich selbst beibringen muss, Mahlzeiten zu bereiten, das sich in der Natur mehr zuhause fühlt als in der Hütte, die mal eine große Familie beherbergte. Sie wird einige wenige Menschen finden, die ihr zugewandt sind während sie den Bewohnern des nahegelegenen Küstenstädtchens fremd und sogar gefährlich erscheint. Als junges Mädchen wird sie die Nähe eines jungen Mannes lieben lernen, doch auch hier lauert die Gefahr des Verlustes. DIe Schilderung ihres Lebens und ihrer Entwicklung ist verknüpft mit literarisch beglückenden Naturbeobachtungen von Flora und Fauna. Zunehmend an Spannung gewinnend zieht ein Todesfall mit Mordverdacht den Leser in Bann. Ein besonders geglücktes Debüt, das in all seinen Facetten absolut überzeugt und begeistert!

Gespür für Sprache und Musik

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Katharina Mevissen: Ich kann dich hören, Wagenbach 2019 € 19.-

Osman studiert Cello in Deutschland, wo er auch aufwuchs. Er lebt in einer WG, er hat einen türkischen Musikervater und eine deutsche Mutter, die die Familie in Osmans früher Kindheit verließ. Die Schwester des Vaters zog ihn und den Bruder groß. Osman mag Luise und er hört Kassettenaufnahmen,  die nicht für ihn bestimmt sind. Das Hören in vielen Nuancen und auch das Nicht-hören-Können spielen eine große Rolle in diesem Debüt von Katharina Mevissen, die eine sehr sensible Sprache findet für innere Ungereimtheiten und äußere Überraschungen.

In der Zelle des Schweigens

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Christina Dalcher: Vox, Fischer Verlag 2018 € 20,00

Eine verstörende Geschichte, eine aufrüttelnde Geschichte, eine, die man erst verdauen muss. Der Autorin gelingt es,  Leser und  Leserinnen ein Szenario vor Augen zu führen, das im Grunde undenkbar ist: Amerika ist abgeschottet vom Rest der Welt, die Frauen ihrer Rechte entmachtet, sie dürfen nicht mehr arbeiten, sollen sich nur noch um die Familie kümmern, und vor allem - mehr als 100 Worte am Tag sind nicht erlaubt. Die Strafe in Form von Stromschlägen ist Abschreckung genug, dass sich jedes kleine Mädchen, jede Frau daran hält. Die Gehirnwäsche funktioniert so perfekt, dass  der älteste Sohn der Hauptfigur  Giianna ssogar eine Freundin verrät, zu den "Unreinen", zu einer Gesetzesbrecherin zu gehören. Dr. Gianna McClellan tut indes alles,  um ihre Kinder zu schützen und nimmt darum auch das überraschende Angebot der Regierung an, ihre Forschungsarbeit wieder aufzunehmen. Was sie nicht weiß, dass dies Machthaber ganz andere Pläne mit dem von ihr entwickelten Serum für Schlaganfallpatienten haben. Die Menschen könnten auf einen Schlag und weltweit ihren selbstverständlichen Umgang mit der Sprache verlieren... Am Ende ist man über die Idee des Buches einfach nur sprachlos!

 

Der Stoff aus dem die Träume sind

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Oliver Jeffers, Sam Winston: Wo die Geschichten wohnen, Mixtvision 2017 € 14,90

Bücher sind das wichtigste Spielzeug auf der Welt. Geschichten sind der Stoff aus dem unsere Träume sind. Aus Büchern bauen wir unser Wissen über weit Entfernes und lange Vergangenes oder noch nicht Existentes zusammenbauen. Zwischen dem ersten und dem achten Lebensjahr lernen Kinder 10-15 neue Wörter am Tag. Der Alltagswortschatz ist da schnell aufgebraucht. Bücher beflügeln Sprache und Fantasie, holen die Welt ins Kinderzimmer und tragen uns mit ihr hinaus. Jeffers lässt sein Entdeckungsreisenden auf Wogen von Worten und Sätzen treiben. Halsbrecherisch,mutig, neugierig. In dieser Welt ist jeder Willkommen. Ein Buch für Kinder und Erwachsene.

So bunt ist die Welt – vergiss das nie!

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Cornelia Funke: Fabers Schatz, Aladin Verlag 2016 €12,95

"So bunt ist die Welt! Vergiss das nie!", sagte Fabers Opa früher, wenn er gemeinsam mit Faber die Menschen am Hafen beobachtete. Er war mal Seemann. Nun zieht er nach Amerika und hinterlässt Faber einen alten Teppich mit seltsamer Schrift. Wer kann denn das lesen? Opa behauptet, der Teppich könne fliegen. Aber daran glaubt keiner. Auch Faber nicht, bis das kleine Mädchen mit mit den fremden Worten sich auf seinen Teppich setzt. Eine fast märchenhafte Bilderbuch-Geschichte der berühmten Kinderbuchautorin, die mit wenigen Worten für Verständigung und das Gemeinsame unter Kindern wirbt, wenn man nur neugierig und offen genug für die Welt ist.

Fesselnd und poetisch

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Fesselnd und poetisch

Michael Köhlmeier: Das Mädchen mit dem Fingerhut, Hanser Verlag 2016 €18,90

Yiza, ein kleines Mädchen, ist allein in einem fremden Land mit ihr fremder Sprache. Es gibt Menschen, die ihr helfen, auch die Polizei hilft ihr und bringt sie in ein Heim. Dort trifft sie auf zwei Jungen, Schamhan und Arian, die sie auf ihre Flucht mitnehmen. Sie sorgen für das Mädchen und sich selbst, so gut es geht: im Freien lebend, in Hütten Schutz suchend, Nahrung und Decken stehlend. Von der Fürsorge der Kinder untereinander, ihrem Überlebensinstinkt, ihrer Lebenslage, die alles andere als kindlich ist, schreibt Michael Köhlmeier gleichzeitig so fesselnd und poetisch, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

 

Affenbruder

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Kenneth Oppel, Affenbruder, Beltz & Gelberg 2015 € 17,95

Das Buch zeigt, dass Schimpansen den Menschen sehr ähnlich sind, man sie aber nicht zu Menschen machen kann. Es geht um eine Familie, die ein Schimpansenbaby aufnimmt, um ihm die Gebärdensprachen beizubringen. Im Rahmen dieses wissenschaftlichen Projektes helfen der Familie Studenten. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Ben erzählt. Er ist der Sohn von Dr. Richard Tomlin und Susan Tomlin. Seine Eltern sind Wissenschaftler. Am Anfang findet Ben es doof, dass seine Familie das Affenbaby Zen aufgenommen hat, weil sie dafür umziehen mussten. Ben lernt den Nachbarsjungen Tim kennen und möchte mit ihm auf die staatliche Schule gehen. Doch sein Vater überredet Ben auf eine Privatschule zu gehen, auf der auch die Kinder von Richards Chef Godwin sind. Ben und seine Mutter mögen Zan gerne, derweil das Affenbaby für den Vater immer nur ein wissenschaftliches Projekt bleibt. Zan wird älter, größer, stärker und immer agressiver und der Vater entscheidet, dass Zan weg muss. Der Affe wird zu Jack Helson gegeben, der auf seine Farm andere Schimpansen hält. Helson will Zan gegen Geld an eine biomedizinische Stiftung verkaufen, die Tierversuche macht. Ben versucht Zan mit Hilfe von seiner Mutter, Tim und dem Studenten Peter zu befreien. Das Buch zeigt auch, dass Tiere oft als Versuchskanninchen gebraucht werden, obwohl man das eigentlich nicht machen sollte. Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Elli, 11 Jahre

Wohliger Sprachteppich Heimat

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Irena Kobald, Freya Blackwood, Zuhause kann überall sein, Knesebeck Verlag 2015 € 12,95

Sprache ist mehr als nur ein Werkzeug der Verständigung. Sprache bildet einen wohligen Teppich, in den man sich einkuscheln kann und sich zuhause fühlt. Dieses Bilderbuch bietet einen Anlass für Fragen und Gespräche zum Umgang mit Flüchtlingen oder Fremden und ihren und unseren Gefühlen. Das Fremdsein wird mit zarter, aber auch eindringlicher Empfindsamkeit thematisiert. Es motiviert zum Helfen und zeigt, dass Kinder mit Neuem erstaunlich selbstverständlich umgehen können.

 

Sprachjonglage

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Jaromir Konecny, Herz Slam, Ravensburger 2015, € 12,99

Die beiden Gymnasiastinnen Lea und Sophie haben die Teilnahme an einer Poetry-Slam Woche gewonnen. Doch als sie erfahren wer sonst noch alles mitmacht sind sie schockiert. Hauptschüler! Durch ihre vielen Vorurteile ist Ärger vorprogrammiert. Doch sie erkennen, dass in so manchen Proleten und Machos ein wahrer Poet steckt. Kein Wunder das die Herzen aus dem Takt geraten. Das Buch ist sehr gut geschrieben und macht richtig viel Spaß zu lesen, auch weil es viele Gedichte und andere wunderschöne literarische Texte enthält. Die ganzen Vorurteile herrschen im Moment wirklich und das Buch zeigt, dass diese ganzen Vorurteile überhaupt nicht stimmen. Anna, 13 Jahre

Bild: Jaromir Konecny beim Poetry Slam im Buchpalast, Bookuck 2015

 

Sprachspielspaß

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Pamela Butchart, Niemals wilde Katzen kitzeln, Reprodukt 2015 € 16,00

Zippeln und zappeln, trippeln und trappeln, kribbeln und krabbeln. Line kann nicht still sitzen und sitzt auf ihren Ohren derweil der kleine Zuhörer vom Sprachspielspaß die Ohren spitzt. Im Zoo belästigt sie Bären und streichelt Schlangen und macht auch vor dem Tiger nicht halt. Wieso man niemals wilde Katzen kitzeln sollte erzählt das Bilderbuch in süffisantem Dominoeffekt, sodass selbst Line am Ende zur Einsicht kommt und alles endet gut, wäre da nicht die Idee mal einen Polarbären zu piksen….
 

Einwortsatz

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Stephanie Blake: Pipikack, Moritz Verlag € 12,95

Pipikack trötet der kleine Hase durch seine Zahnlücke. Seine Wangen sind gerötet vor Stolz und Selbstbewusstsein. Das momentane Lieblingswort beschert ihm souverän Aufmerksamkeit und findet in jeder Situation Anwendung. Die knallig expressiven Bilder flankieren die verbale Lautstärke und absolute Präsenz ungebremst. Die kleinen Leser haben sichtlich ihren Spaß. „Hilfe!“, rufen die Erziehungsberechtigten. Dieses Buch setzt unseren Kindern ja ein Floh ins Ohr! Weit gefehlt. Denn wer außer „Pipikack“ dem Wolf nichts zu entgegnen hat, wird diskussionslos aufgefuttert. Dummerweise färbt die Mahlzeit ab, der Wolf wird krank und kennt nur eine Antwort: „Pipikack“. Der rettende Hasenarzt birgt mutig seinen kleinen Pipikack, welcher plötzlich ausgefeilt zu argumentieren weiß, dass er doch Simon hieße. Ab sofort ist das nervtötende Pipikack abgestellt. Aber morgen ist ein neuer Tag und der Wortschatz wird zu recht Schatz genannt, nicht wahr? Kinder entdecken schnell, dass Wörter nicht nur Inhalte transportieren können, sondern beim Gegenüber auch wunderbare Reaktionen erzeugen. Einmal entdeckt, gilt es dies in einer Endlosschleife vorübergehend auszuprobieren. Und Eltern sind unermüdlich im Bessern, also großartige Mitspieler. Simons Eltern bleiben beneidenswert gelassen. Das Buch inszeniert den Bewegungsradius dieses „Einwort-Wortschatzes“ ebenso wie das Spiel des Vaters, der auf der Seite seines Sohnes mitzuspielen wagt. Er erntet Simons geballte Entrüstung. Die Intentionen der Handelnden bleiben für den Leser unausgesprochen aber nicht unbemerkt. Wer anderen beim Spielen zuschaut und sei es nur im Bilderbuch, erfährt nicht nur vom „Was“, sondern hauptsächlich vom „Warum“. Diese Erkenntnis ist hier witzig und heilsam zugleich, denn eins ist gewiss: Wenn man weiß warum, funktioniert das Spiel nicht mehr. Es macht den feinen Wörtern den garaus. Schade eigentlich.

Buchstabenquatsch

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Tom Schamp, Das tollste ABC der Welt, Hanser Verlag € 14,90

Blanke Nonsensschöpfungen und sinnbefremdende Wort-Bildzusammenstellungen sind gut gemachte „ABC Bücher“ nur auf den ersten, unbedarften Blick. Dieses hier ist ein opulentes Spiel mit Lebenswelt und Fantasie, wie mit Klang und Rhythmik von Worten und dem Reiz des Ungewohnten. Machen wir es uns also verständlich und fragen mal nach. Leichte Übung, wenn man Kind ist und gerade beginnt die Welt auf Herz und Nieren zu prüfen.

"Wie und warum will Walter Wapitihirsch bloß nach Wallonien?" Zitat: Schamp, ABC

Kein Problem, wer nicht gleich weiß, wo Wallonien liegt. Westlich, weist der Wegweiser links. Und ein Wapitihirsch? - hat ein Geweih so mächtig wie die Krone eines Baumes, voller Blüten und Blätter, Vögel und ... Drachen. Nur einen kleinen Drachen, natürlich! Er hat aber auch, hier nicht im Bild, ein weißes Hinterteil, denn das bezeichnet das Wort Wapiti. Es stammt von den Indianern. Der Wapitihirsch ist in Amerika zu Hause, also müsste er gen Osten reisen, wenn er nach Wallonien wöllte, oder nicht? Vielleicht nimmt er aber den weiteren Weg, weil es im Schlafwagen, welcher ganz sicher im Bauch des Schiffes den Ozean quert, so gemütlich ist. Dort hat er sich wohl mit dem Yurumi verquatscht und merkt gar nicht, wie beim Betrachten der Welt die Zeit vergeht.... Was ein Yurumi ist, fragt ihr? Ein Ypsilon Wort natürlich..... oder mehr? Mal flächig, mal tüfftelig kleinteilig werden aus Schnallen, Schlangen, Schnecken oder ganz einfach aus Hi! und Hum! Hurra. Hallo? Es könnte auch Hello heißen, denn ein wenig Englisch steckt immer dazwischen. Und überhaupt hatte Harry Rowohlt wohl seinen Spaß, denn die vielen kleine witzigen Benennungen - ein verliebter Apfel ohne m, wo steckt der bloss? und die Workaholics Anonymous? - fehlen im französischen Original ebenso wie das wundersame Yurumi. Und Wallonien? Liegt in Belgien, gar nicht weit. In unserer Fantasie waren wir längst schon da.