Articles tagged with: Serienmörder

München 1948 – düster, spannend, kriminell

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Martin Calsow: Kill Katzelmacher, Grafit Verlag 2020 €13,00

München 1948, das bedeutet eine Stadt in Trümmern unter amerikanischer Besatzungsmacht, ehemalige Wehrmachtssoldaten bei der Polizei, Armut, der berüchtigte Schwarzmarkt in Bogenhausen, unterdrückte Wut und Misstrauen, aber auch offener Hass. Der jüdische US-Offizier Marcus Feinstein legt seinen Hass gegenüber den Deutschen mitunter offen zur Schau. Ausgerechnet er wird Chef der Münchner Polizei. Was ihn am allermeisten widerstrebt, ist Kollege Steinmüller, einer dieser ehemaligen Wehrmachtssoldaten, mit dem er auf Geheiß seines Vorgesetzten zusammenarbeiten muss. Feinstein muss sich in seine Rolle fügen, möchte gute Arbeit leisten, er diskutiert und streitet viel mit dem nicht weniger engagierten Kollegen Steinmüller. Ein Ermittlerteam, das erst noch zu einem werden muss.  Calsow schafft es, genau wie in seinen Regionalkrimis eine authentische Stimmung zu erzeugen, die Spannung wächst nach und nach, und die Straßen Münchens, der Tegernsee und die Gegend um Kreuth bieten einen großartigen Schauplatz für diesen schwierigen Fall in einer schwierigen Zeit. Historische Spannung vom Feinsten.

Perfides Spiel um Wissen und Ahnungslosigkeit

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Joanna Schaffhausen: Wie viele wilst du töten, dtv TB 2020 €10,95

Worin liegt die Faszination im Genre Thriller, über die überlebenden Entführungsopfer von Psychopathen zu lesen? Möglicherweise daran, dass der Leser von den seelisch erlittenen Qualen aus erster Hand erfährt. Oder an der der Zerbrechlchkeit dieser Figuren. Denn der Leser spürt, wie die Einnerungen unter der Haut brodeln und jederzeit auszubrechen drohen. So bei Ellie, alias Abby: Mit vierzehn Jahren von einem Serienmörder entführt und dank der Hartnäckigkeit eines FBI-Agenten als Einzige gerettet worden. Zehn Jahre später arbeitet Ellie als Polizistin, weit entfernt von dem Ort des Grauens. Doch gleich mehrere Fälle von Verschwundenen in dem kleinen Ort innerhalb von drei Jahren lassen Ellie keine Ruhe. Sie ist die Einzige, die an einen Zusammenhang mit ihrer eigenen Geschichte sieht, denn niemand in dem Ort kennt ihre Vergangenheit. Dem Leser werden im Laufe der Geschichte leise Bedenken eingeflüstert, ob sich Ellie diesen Zusammenhang - wie alle glauben - nur einbildet. Darum kann er sich nie sicher sein, auf welcher Seite er sich schlagen soll. Bis etwas geschieht, mit dem niemand rechnet ... Ein Thriller, der sich förmlich in den Kopf des Lesers frisst!

Ein Kommissar vom alten Schlag

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Alex Lepic, Lacroix und die Toten vom Pont Neuf, Kampa Verlag 2019 €16,90

Den Pariser Commissaire Lacroix hat der Leser bereits auf den ersten Seiten vor Augen: gemütlich, Pfeife rauchend, dem Essen und einem guten Schluck Wein nicht abgeneigt. Während ihn und sein Team ein nächtlicher Mord an einem Clochard ins Spiel bringt, lernt man Paris und das Viertel, in dem sich Lacroix vornehmlich zuhause fühlt, kennen. Lacroix Blick auf die Stadt und die Menschen ist stets ein wohlwollender, wenn nicht sogar bewundernder. Es schmckt ihm anfangs nicht, dass er es plötzlich miteinem Serienmörder zu tun hat, doch dann sind genau seine Logik und Kombinationsgabe gefragt. Am Ende kommt alles anders als selbst der Leser vermutet. Ein Pariskrimi, der sehr offensichtlich an die Zeit von Simenons Kommissar Maigret erinern darf.