Articles tagged with: Reisen

Ein Frau am Dirigentenpult– Never!

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Maria Peters: Die Dirigentin, Atlantik Verlag 2020 €22,00

Ein Roman für alle, die Interesse an starken Frauenpersönlichkeiten haben - und ein Herz für die Musik. Antonia Brico war die erste Dirigentin, die ein Orchester in den USA dirigieren durfte. Ihr Weg dorthin war steinig, was sie nicht gehindert hat, ihr Ziel - als Dirigentin zu wirken - zu verfolgen. Sie gründet das erste Frauenorchester der USA und tourt als Dirigentin auch durch Europa – dirigiert u.A. als erste Frau die Berliner Philharmoniker. Ihre Lebensgeschichte wird von Maria Peters, der Filmregisseurin des gleichnamigen Films, in Romanform erzählt. Ich habe mit Willy (so der Name, den sie zuerst von ihren Adoptiveltern erhält), mitgefühlt und –gelitten, ihr die Daumen gedrückt und oft die sehr männlich geprägte Welt dieser Zeit verwünscht. Bereits als junge Frau im New York der 1930er Jahre geht sie unbeirrt ihren Weg, eckt an, muss sich alleine mit sehr wenig Geld durchschlagen. Sie wird wichtige Menschen mit ihrem unbedingten Willen beeindrucken und tatsächlich die Sensation schaffen – am Dirigentenpult eines Orchesters zu stehen. Wichtige Freundschaften und die (fiktive) Liebe finden auch ihren Platz in diesem Roman, fast mehr begeistert hat mich aber ihre berufliche Lebensgeschichte. Eine lebendige Biographie, kurzweilig erzählt, für alle, die Musik lieben!  Annette Goossens

Starke moderne Frau

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Franziska zu Reventlow: Die Kehrseite des deutschen Wunders, Volk Verlag 2020 € 16,00

1897 gebar Franziska zu Reventlow in München einen Sohn, den sie sehr modern, eigentlich antiautoritär und alleine aufzog. Bald lebten die beiden auf Mallorca, bald in Locarno im Tessin. 1914 kamen sie zurück nach München. Hier beginnt der außergewöhnliche Text von Reventlow, in dem sie ihre Eindrücke von dem nun  preußisch millitarisch geprägten Leben und Denken in der Stadt festhält. Die unpolitische Bohèmien treiben Patriotismus und Kriegsbegeisterung auf die Seite der Pazifisten. 1916 folgt ihr Sohn, jetzt 17-jährig, der Einberufung in den Krieg. Auf seinem ersten Heimaturlaub kennt die mutige und unkonventionelle Frau und Mutter nur ein Ziel: Sie will ihrem Sohn bei seiner Desertation helfen. Einer Desertation von der Junge bis zu seiner Ankunft in Konstanz freilich noch gar nichts weiß. Reventlows Text, ein Zufallsfund, beeindruckt von der ersten Zeile an. Modern und unabhängig im Denken, unkonventionell, wagemutig und immer ganz auf sich selbst focussiert gibt er doch ein lebendiges Bild vom Leben in München und darüber hinaus, in Zeiten des ersten Weltkrieges. Er macht die Beschränktheit des Reisens bewusst, wie die Bestechlichkeit von Menschen, die umso größer zu werden scheint, je restriktiver ein System ist. Eine Fotobildstrecke und ein Kommentar der Herausgeber runden Reventlows Text ab, der hier jedem zur Entedeckung ans Herz gelegt sei.

In der Welt zuhause

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Marianne Jungmaier: Sommernomaden, Kremayr & Scheriau 2016 € 19,90

Marianne Jungmaier hat einen ganz eigenen Ton gefunden, den sie ihrer Ich-Erzählerin als Handwerkszeug gibt. "Ich" ist auf der Suche: nach sich selbst, nach Menschen, die sie berühren in vielerlei Sinn, nach Vertrautem und Neuem, nach Liebe und Unabhängigkeit. Sie reist durch die Welt mit offenen Sinnen, sich selbst und andere beobachtend. Ein inspirierendes Buch über und für Menschen, die gerne unterwegs sind, die die Freiheit lieben und ihre Gefühle leben.