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Eine Straße erzählt Geschichte

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Paolo Rumiz: Via Appia, Folio Verlag 2019 €25,00

Dieses Buch würde ich jedem Italienfan in die Hand geben, jedem, der gern unterwegs ist, und ebenfalls jedem, der neugierig ist und das Abenteuer sucht. Paolo Rumiz macht sich 2015 mit einem kleinen Team zu Fuß auf den Weg, um die  Via Appia zu erwandern. Kein leichtes Unterfangen, denn die schnurgerade ca. 540km lange Römerstraße muss anhand von GPS Daten regelrecht aufgespürt werden. Die Via ist eine In Vergessenheit geratene  Straße, angefüllt mit einer langen Geschichte. Mittels historischer Hintergründe, Erinnerungen von "Anwohnern" der Via und neuer Geschichten, die sich erst im Laufen auftun, wird der Leser an die Hand genommen, und ist quasi live dabei, wenn es jeden Tag aufs Neue heißt: Weiter geht's. Einblicke, Überblicke, neue Blickwinkel, damit überrascht das Buch. Die persönlich gehaltene Reportage macht Lust, selbst durch Italien zu streifen und auf Entdeckungstour zu gehen.  Ein wahrer Lesegenuss und jede Menge Information über Italien, der Geschichte des Landes und den Menschen seiner Regionen.

Eine Liebeserklärung an das Gehen

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Christian Sauer: Draußen gehen, Verlag Hermann Schmidt 2019 €29,80

Ein Buch vom Gehen, Halten und Weitergehen. Vom Rasten, Ruhen und sich Verirren. Oder aber vom Umkehren und Heimkehren. Gehen hat viele Seiten. Gehen bringt dem Menschen die Natur näher. Gehen war früher anders als heute. Christian Sauers Buch ist eine Liebeserklärung an das Gehen und zugleich ein Plädoyer. Wer nach draußen geht, egal, ob 15 Minuten um den Block oder ein paar Stunden im Grünen, bekommt den Kopf frei und tritt in Resonanz mit der Natur. Ein simples Rezept mit großer Wirkung für den Geist, besonders in der heutigen schnelllebigen Zeit,  die Viele am Computer sitzend verbringen. Der Leser wird auf mehrfache Weise durch das Buch geführt: Da finden sich einprägsame Zitate, die eine Seite zieren, ruhige abstrakte Landschaftsillustrationen, persönliche Erlebnisse des Autors mit dem Gehen, und dazu - wie ein roter Faden - die Sache selbst. Gehen in all seinen  Formen, mit all seinen Höhen und Tiefen, Gehen in der Ebene oder auf dem Grat.  Das Buch, das aktuell mit dem Preis der Stiftung Buchkunst zu einem der 25 Schönsten Deutschen Bücher 2020 ausgezeichnet wurde, rückt den inspirierenden Zauber des Gehens in den Fokus und kann nicht anders, als den Leser nach draußen zu locken.

Am Rande des Abgrunds

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Raynor Winn, Der Salzpfad, DuMont Verlag 2019 €14,99

Wenn man alles, auf das die eigene Existenz aufgebaut worden ist, nach über 20 Jahren verliert, dann kann man schon zu einer Kurzschlusshandlung hingerissen werden. Oder wer geht bitte mit 50 Jahren mit dem Rucksack los, um für ein Jahr auf dem South West Coast Path zu laufen? Die Autorin erzählt ihre eigene Geschichte. Die ihrer Ehe, dem Leben auf einer walisischen Farm, und dem Verlust, der sie und ihren Mann dazu gebracht hat, loszulassen und sich auf ein aufregendes Abenteuer einzulassen. Emotional, informativ, bisweilen in einem zynischen Ton über all die Widrigkeiten, die sich dem Ehepaar in den Weg stellen, ist der Leser Tag für Tag mit unterwegs. Er schmeck die salzige Luft, riecht den Wald, hört die Seevögel und begrüßt jeden Morgen den neuen Tag.