Articles tagged with: Nigeria

Zwei ungleiche Schwestern

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Oyinkan Braithwaite:  Meine Schweter, die Serienmörderin, Blumenbar Verlag. 2020 €20,00

„Korede, ich habe ihn umgebracht“. Ich hatte gehofft, diese Worte nie wieder zu hören.  Dies ist nicht der erste Mann, den die bildhübsche Ayoola getötet hat, und ihre Schwester Korede hilft ihr auch dieses Mal wieder, alle Spuren zu verwischen. Sie ist es, die versucht einen normalen (Familien-) Alltag zu leben und weitere Taten zu verhindern, insbesondere als Ayoola sich für Tade, ihren Schwarm zu interessieren beginnt. Kurz und mit einigem Witz und Tempo wird die Geschichte der zwei ungleichen Schwestern im nigerianischen Lagos erzählt, wo Korruption und Seximus zur Tagesordnung gehören. Der Newcomerin O. Braitwaithe ist eine perfekte Melange aus Familiengeschichte, Satire und Krimi gelungen mit ungewöhnlichen Wendungen, die neugierig machen auf mehr.  Anne Brieger

Sympatisch exzentrisch

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Sarah Ladipo Manyika: Wie ein Maultier, das der Sonne Eis bringt, Hanser Berlin, € 17,00

Morayo da Silva ist in Nigeria geboren, hat als Diplomatengattin geglänzt und sich nach der Trennung als Englischprofessorin begeistert und behauptet. Nun ist sie auf den ersten Blick nicht mehr jung, auf den zweiten Blick ist sie neugierig, kontaktfreudig, wagemutig, lebenshungrig und bunt. Das schmale Buch macht einfach Spaß, es unterhält mit Ungewöhnlichem und der Leser, egal welchen Alters, folgt dieser schillernden Dame auch dann gerne, wenn sie mit der Realität des Älterwerdens konfrontiert wird.

Deutsch mit afrikanischen Wurzeln

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Ijoma Mangold: Das deutsche Krokodil, Rowohlt Tb € 12,00

Identitätssuche

Das erste Buch des Literaturkritikers Ijoma Mangold ist nicht nur eine Autobiografie, sondern gleichzeitig ein interessantes Gesellschaftsportrait des Deutschlands der 70er - 90er Jahre. Ijoma Mangold, Sohn einer schlesischen Mutter und eines nigerianischen Vaters, der kurz nach der Geburt des Sohnes nach Afrika zurückging und den Mangold erst mit 22 Jahren kennenlernen sollte, wuchs in einer geschützten Welt in Heidelberg auf. "Der Junge", wie Ijoma Mangold von sich selbst in der Kindheit erzählt, hat einige Besonderheiten in sein Leben zu integrieren: Die Abwesenheit des Vaters, eine unkonventionelle Mutter und eine andere Hautfarbe. Ihn beseelt die Sehnsucht nach Assimilation, die ihm so gut gelingt, dass er erst in seiner Jugend, nach dem Abitur, eine ganz neue Seite seiner Identität entdeckt: Bei Aufenthalten in den USA und bei seinem ersten Kontakt mit der afrikanischen Familie seines Vaters. Der Leser kann sich über durchaus komische Aspekte erzählter Anekdoten amüsieren, hat aber nie das Gefühl, ein Voyeur zu sein und fühlt sich angeregt, an eigene Erlebnisse zu denken als auch über die Entwicklung des Kindes zum Erwachsenen im Allgemeinen zu reflektieren. Möge "Das deutsche Krokodil" nicht der einzige Roman von Ijoma Mangold bleiben!