Articles tagged with: New York

Ziegen bringen Glück

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Anne Fleming: Ziegen bringen Glück, Carlsen 2019 € 10,99

Die zart erzählte, ein wenig melancholische Geschichte gewinnt rasant an Fahrt, als sich Will und Kid daran machen, dem Gerücht einer Bergziege auf dem Hochhausdach nachzugehen. Kid ist mit ihren Eltern für ein paar Wochen zu Besuch in New York. Sie haben sich in der Wohnung eines Cousins des Vaters einquartiert. Derweil die Mutter die Proben zu einem ihrer Theaterstücke mitgestaltet, stromern Kid und ihr Vater samt Hund durch die Museen der Stadt.

Auf den Fluren der Welt

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Lisa Halliday: Asymmetrie, Hanser Verlag 2018 € 23.-

Ob eine Liebe mit 50 Jahren Altersunterschied gelingen kann, oder man wurzellos im amerikanischen Luftraum in einer irakischen Passagiermaschine sein Leben beginnt, Lisa Halliday beleucht die Unwucht dieser Welt, in der alles auseinander strebt und doch miteinander Verbindung sucht. Die beiden Geschichten in diesem Roman verbindet auf den ersten Blick nichts. Doch halt: Ihre Protagonisten, eine nach Leben suchende Lektorin und ein frisch promovierter Wirtschaftsökonom sind beide junge amerikanische Staatsbürger, die selbstsicher am Rande einer von der Gesellschaft als "normal" denfinierten Lebensweise wandeln und sich die Freiheit nehmen, die ihr Land verspricht. Die literarische Konstruktion überzeugt und öffnet unzählige Gedankenspiele, die Halliday durch ihre Erzählweise und Sprache weiter befördert, in der sie gern das Unterste zuoberst kehrt.

Abtauchen!

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Jennifer Egan: Manhattan Beach, Fischer Verlag 2018 € 22,00

"Manhattan Beach" erzählt eine Geschichte, die den Leser im wahrsten Sinnes des Wortes in das New York der 1930/40er Jahre abtauchen lässt. Die zentrale Figur Anna wird, allen Widerständen zum Trotz, zur Taucherin in der Marinewerft ausgebildet und wird dort arbeiten. Es fehlt aber auch nicht an faszinierenden männlichen Protagonisten, die den Leser in die Unterwelt der Nachtclubs und des organisierten Verbrechens mitnehmen. Ein sehr gut recherchierter und emotional fesselnder Roman mit eigenwilligen und raffinierten Akteuren, die man nicht so schnell vergisst!

Geistreich filetierter Bildungsauflauf

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Klaus Cäsar Zehrer: Das Genie, Diogenes Verlag € 25,00

Glückliches Genie - geht das?

Klaus Cäsar Zehrer hat eine fesselnde Romanbiografie über zwei außerordentliche Persönlichkeiten geschrieben: Boris Sidis, der 1886 völlig mittellos von Osteuropa nach New York kommt und seinen Sohn William James Sidis, 1898 in den USA geboren. Für Boris ist Bildung als Erkenntnisgewinn das höchste Gut und so verwundert es nicht, dass er an seinem Sohn von Geburt an seine psychologischen Methoden zur Bildungsvermittlung anwendet. Boris ist überzeugt, dass jeder Mensch viel mehr wissen kann, als allgemein üblich. Das Experiment an William trägt Früchte: er schreibt mit 18 Monaten, spricht mit 6 Jahren 10 Sprachen und referiert mit 10 Jahren in Harvard über die vierte Dimension. Das dabei die Sozialisierung zu kurz kommt, dass William keine Gleichgesinnten findet und vereinsamt erstaunt nicht. Der Roman lässt den Leser nicht los und fordert auf zum Nachdenken. Bezüge zur aktuellen Bildungsdebatte liegen nah und sind sehr spannend.

 

Brisantes Thema im Roman

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Imbolo Mbue: Das geträumte Land, Kiepenheuer&Witsch 2017 € 22.-

Der Roman von Imbolo Mbue ist sehr aktuell, behandelt er doch die Einwanderungspolitik in den USA. Die Autorin urteilt nicht, aber sie erlaubt eine fantastische Auseinandersetzung mit dem Thema. Der Roman erzählt von einer kleinen Familie aus Kamerun, deren großer Traum sich erfüllt hat: sie leben in New York. Er, Jende Jonga, hat eine Arbeitserlaubnis, siene Frau Neni bereitet sich auf das langersehnte Pharmaziestudium vor. EIne dauerhafte Aufenthaltserlaubnis haben sie noch nicht. Als Jende den Job als Chauffeur eines Bankers von Lehman Brothers bekommt und Neni einige Monate später in dessen Familie das Hausmädchen vertritt, verzahnen sich die Schicksale der beiden Familien mehr, als man sich vorstellen konnte. Ich fand es spannend zu merken, dass manche Hoffnungen und Probleme beider Familien sehr ähnlich sind, den gesellschaftlichen Unterschieden zum Trotz. Imbolo Mbue erzählt leicht und lebendig mit präzisen Beobachtungen und viel Empathie, gleich auf der ersten Seite ist der Leser den Protagonisten sehr nah. Und gerade die letzten Worte des Romans haben mich sehr berührt - von der ersten bis zur letzten Seite ein intensives Leseerlebnis!

Im Auge des Tornados

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Anna Woltz: Hundert Stunden Nacht, Carlsen Verlag 2017 € 15,99

Emilia hat Holland – New York gebucht, eine Flucht vor Ängsten und Zwängen, weit weg vom Fehltritt ihres Vaters und den alles vernichtenden sensationsgeilen Social Media Posts, die darauf folgten. Statt in einem Appartement landet sie in der Wohnung von Seth und Abby und lernt Jim kennen, während sich das Unwetter über New York zum Orkan auswächst, rücken die vier zusammen. Ihr Orkanasyl dauert fünf Tage. Anna Woltz erzählt, wie aus dem Auge des Tornados, beeindruckend still. Eindringlich transportiert sie dabei Verletzungen und Familienverständnis, erzählt von Träumen und Hoffnungen der Jugendlichen, deren Unabhängigkeit, ja Freiheit, sich erst im Schutz der Dunkelheit und ohne Netz, im körpernahen Miteinander und mit geschärftem Blick auf das Wesentliche, entfalten kann.

Liebe mit Verfallsdatum

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Dorit Rabinyan: Wir sehen uns am Meer, Kiepenheuer & Witsch 2016 € 19,99

New York, Winter 2003: Während auf den Straßen der Schneesturm tobt, glühen die Herzen von Liat und Chilmi. Die in Tel Aviv geborene Liat studiert Übersetzung, Chilmi aus Ramallah hält seine Welt in Zeichnungen fest und arbeitet in der Kunstszene von New York gerade an seinen Durchbruch. Beide leben fern ihrer Heimat und doch in ihren Welten, Familien und Freundeskreisen. Sie verlieben sich ineinander und versuchen, nicht mutig aber doch bestimmt ihrem Herzen folgend, wider alle Regeln, ihre Beziehung auf- und auszubauen. Eine sinnliche Romeo und Julia Geschichte von politischer Aktualität, die in Israel einen Skandal hervorrief.

Lebendig und vielschichtig

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Lebendig und vielschichtig

Catalin Dorian Florescu: Der Mann, der das Glück bringt, Beck Verlag 2016 € 19,95

In dem Roman von Catalin Dorian Florescu tauchen vergangene Welten auf: das New York des frühen 20.Jahrhunderts und die Lebenswelt des Donaudeltas in Rumänien. Hier lebten die Großeltern von Ray und Elena, die sich in der Nacht des 9.11. in New York begegnen und sich erzählend vom Grauen des gerade Erlebten in frühere Zeiten hineindenken. Während Ray kaum aufhören kann, über das Leben seines Großvaters zu erzählen, bleibt seine eigene Geschichte lange verborgen. Elena widerum fällt es schwer, von ihrer Mutter zu sprechen und sie hält lange sich am Alltäglichen ihres Lebens fest. Ich fand es faszinierend, mit den Menschen aus ganz einfachen Verhältnissen die damalige Welt lesend zu erleben. Die harte Realität und der Traum lagen oft sehr nah beieinander und die in meinem Kopf entstandenen Bilder waren sehr lebendig und vielschichtig.

Coole Nummer

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Jason Reynolds, Coole Nummer, dtv 2015 € 14,95

Als ich den Klappentext gelesen habe, dachte ich mir, um ehrlich zu sein, „Hä? Welcher verrückte Autor nennt seine Protagonisten denn bitte Noodles und Needles???“. Die Antwort lautet: Jason Reynolds. Er lebt in Brooklyn, New York und weiß genau, wovon er schreibt. Dadurch wird sein Debüt authentisch und überzeugend. Der 15-Jährige Ali ist am Anfang der Geschichte als Charakter unfertig und hat eine sehr kindliche Wahrnehmung. Er nimmt die Kriminalität innerhalb der Wohnblöcke Brooklyns und Konflikte zwischen seinen beiden Freunden als gegeben hin. Durch seine Augen begegnet man der Geschichte unvoreingenommen. Alis kleine Schwester hat seinen besten Freunden Spitznamen verpasst, Noodles, der immer genau dann rüberkommt, wenn das Essen fertig ist und Needles, der Tourette-Syndrom hat und deswegen zur Beruhigung strickt. Die drei haben plötzlich die Gelegenheit zu einer von Momos Partys zu gehen, bei denen normalerweise – drogen- und frauenbedingt - nur Erwachsene eingeladen sind. Noodles kommt nicht damit klar, dass sein Bruder „ein Syndrom“ hat und auf Momos Party eskaliert die Situation. Ali sieht sich mit organisierter Gewalt, Verfolgung und einer Freundschaftskrise konfrontiert. Er wird jenseits von Highschool-Hackordnungen und dem typischen Amerika anderer Jugendbücher groß, was eine spannende Abwechslung darstellt. Jason Reynolds beweist literarisches Können, indem er eine ungewöhnliche Geschichte erzählt, die dem Leser total natürlich vorkommt und in der er sich sofort zu Hause fühlt. Dabei spielt er auch mit Vorurteilen und schafft Überraschungsmomente, die einen sowohl nachdenklich stimmen als auch zum Lachen bringen können. Ein Buch und ein Autor, die beide viel Potenzial haben: ich will eine Fortsetzung!

Mondrian in New York

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Truus Matti: Apfelsinen für Mr Orange, Oetinger Tb 2015 € 7,99

Das Buch Apfelsinen für Mister Orange handelt von Linus, dem zweitältesten Bruder einer großen Familie mit 6 Kindern, die in New York wohnen. Da sein großer Bruder Apke (sein eigentlicher Name ist Albert) in den Krieg gegen die Nazis nach Europa geht, übernimmt Linus teilweise die Arbeit von Apke sowie die Stiefel des älteren Bruders. Linus wird deshalb zum Obstlieferanten  und er trägt die Früchte von dem Lebensmittelladen seiner Eltern aus. Alle zwei Wochen trägt er eine Kiste Apfelsinen zu Mister Orange (Mister Orange ist ein berühmter Künstler aus Europa, der nur die Farben rot, gelb und blau für seine Werke verwendet, ich verrate aber nicht, wer es ist) , der sehr freundlich zu Linus ist und seine Fragen immer ganz ernst nimmt. Einmal fragt Linus zum Beispeil, wieso Gerüche keine Namen haben, Farben aber schon und Mister Orange gibt sich alle Mühe, diese Frage zu beantworten. Der Maler schenkt Linus auch immer eine Orange und verarztet ihn auch, als er sich einmal das Knie aufgeschlagen hat.