Articles tagged with: Neapel

Klavierlehrer in mafiösem Milieu

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Roberto Andò: Ciros Versteck, Folio Verlagsgesellschaft 2021, € 22,00

Gänzlich unvorhersehbar ändert sich das Leben des Klavierlehrers und Einzelgängers Gabriele Santoro in Neapel, als ein zehnjähriger Junge unbemerkt durch die offenstehende Wohnungstür zu ihm in die Wohnung schlüpft. Die verängstigten Augen des Jungen veranlassen Santoro ihn ohne weitere Erklärungen bei sich Unterschlupf zu gewähren. Wie sehr er sich damit selbst in Gefahr bringt, ahnt er nicht. Als es ihm bewusst wird und das Haus unter Beobachtung der Mafia steht erstaunt es ihn selbst, dass sich statt Panik eine unerklärliche Ruhe in ihm ausbreitet. Die Camorra hat ihn im Auge, doch die in Santoro erwachenden väterlichen Gefühle zu dem Jungen Ciro bestärken ihn in seinem riskanten Handeln. Besonders ist an diesem Roman, dass er eine gewisse Ruhe ausstrahlt, die genährt wird durch die Gedanken des Maestros, die sich im Reich der Musik und Poesie bewegen. Nichtsdestotrotz geht es um mafiöse Strukturen, Mord und Lebensgefahr. Mit Santoro und Ciro prallen zwei grundverschiedene Lebenswege aufeinander, die doch Gemeinsamkeit finden.

Ein guter Ort?

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Valeria Parrella: Versprechen kann ich nichts, Hanser Verlag 2021, € 19,00

Kann ein Jugendgefängnis ein guter Ort sein? In Nisida oberhalb von Neapel scheint das so zu sein. Wir erleben ihn durch die Augen der 50jährigen Mathematiklehrerin, die tagtäglich dorthin fährt, um zu unterrichten. Sie beobachtet genau an diesem besonderen Ort und lässt uns auch an ihren sinnsuchenden Gedankengängen teilhaben, die ihr Leben außerhalb der Gefängnisschranken betreffen. Die 16jährige Gefangene Almarina wächst der alleinlebenden Lehrerin ans Herz und es stellt sich die Frage, ob es ein Füreinanderdasein geben könnte. Um es mit Valeria Parrellas Worten auszudrücken: "Eine Ahnung von Hoffnung liegt in der Luft."

Mord mit Blick auf den Golf von Neapel

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Luca Ventura: Mitten im August, Diogenes Verlag 2020 €16,00

Ein atmosphärisch gelungener erster Capri-Krimi eines Autors, der unter Pseudonym schreibt und die Insel bestens kennt. Kommissar Enrico Rizzi ist der Sohn eines Obstgartenbesitzers, bescheiden in seinem Auftreten, aber gewissenhaft in seiner Arbeit und laut dem Inspectore aus Neapel zu Größerem berufen. Die Leiche eines Sohnes aus reichem Hause und das gleichzeitige Verschwinden dessen Freundin lässt den Agente darum auch nicht eher ruhen, bis er die Zusammenhänge aufgedeckt und den Mörder gefasst hat. Rizzis neue Kollegin aus Norditalien, Antonia Cirilli, hat für mich an der Seite des Agente eher blass gewirk, was sich allerdings in den folgenden Bänden sicher noch ändern kann. Wer Lust auf eine neue Krimiserie mit viel großartigem Regionalkolorit hat, der ist auf der Insel Capri bestens aufgehoben.