Articles tagged with: Naturverbunden

Lesend durch Europa laufen

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Philipp Fuge: Der Weg ist mein Zuhause, Knesebeck Verlag 2021 €18,00

Philipp Fuge ist zu Fuß unterwegs. Jedoch nicht auf irgendeinem Pilgerweg, nein,  er wird einmal quer durch Europa gehen, sprich von Gibraltar ans Nordkap. Damit wollte der Autor nicht nur eine Auszeit nehmen, sondern ein Zeichen für den Klimawandel setzen und für jeden erlaufenen Kilometer 1 € Spende sammeln. Über 65000 km durch 7 Länder, rund 70000 neu gepflanzte Bäume im Senegal, denn jeder Euro bedeutet 1 Baum. So die Quintessenz des Buches. Doch es steckt natürlich noch viel mehr dahinter, denn der Leser wird quasi auf jeden einzelnen Kilometer mitgenommen, durch andalusische Hitze, über Bergmassive, durch sattes Grün, oder auch mal entlang von Autobahnen, bis hoch hinauf in kalte Einöde zum Nordkap. Wer sich auf dieses Abenteuer einlässt, darf keine literarischen Ergüsse erwarten, sondern Nachdenkliches über uns Menschen, einen ehrlichen Reisebericht, eine permanente Auseinandersetzung mit sich selbst, mit den Gegebenheiten des Weges und mit der Intensität der Natur in all seinen Formen. Der Autor selbst sagt von sich, dass die 6 575 Kilometer lange Strecke wohl nur zu schaffen waren mit einer "Kombination aus ein bisschen tapfer und ein bisschen bekloppt" zu schaffen.  Ich bin den Weg lesend sehr gern mit ihm gegangen.

Das pure Leben

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Callan Wink: Big Sky Country, Suhrkamp Verlag 2021 €23,00

Wer gerne Romane liest, die in der Weite der USA spielen, der darf mit "Big Sky Country" von Callan Wink in die Weiten Montanas abtauchen. August wächst auf der Farm seiner Eltern auf und muss nach deren Trennung als Jugendlicher  mit der Mutter nach Montana ziehen, wo diese sich ein neues Leben aufbauen möchte. August versucht, sich von den Erwartungen der Eltern an seine Berufswahl oder was es im Leben zu erreichen gilt, zu lösen. Die Natur und Freiheit, die er findet, erfüllen und formen ihn. Ob bei der Arbeit auf dem Feld oder auf einer Farm, auf der er mithilft - die Zufriedenheit, die diese Tätigkeit bei ihm auslöst, wird beeindruckend beschrieben. Mit klarer Sprache lässt uns der Autor am stillen Glück seiner Hauptfigur teilhaben. Die ursprüngliche Sprachlosigkeit zwischen Vater und Sohn weicht langsam einem gegenseitigen Verständnis. Seine Versuche, neue Freundschaften zu schließen und erste Erfahrungen mit der Liebe zu erleben, verfolgt man mit Spannung. Wie es gelingen kann, den eigenen Weg zu finden und dabei seine Wurzeln zu behalten, liest sich fesselnd. Ein ruhiger Roman, dem man anmerkt, dass der Autor selbst ein naturverbundener Einzelgänger ist. Dennoch packend bis zur letzten Seite. Annette Goossens

Wenn die Natur lockt

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Raynor Winn: Wilde Stille, DuMont Verlag 2021 €16,95

Das neue Buch der Nature-Writing Autorin Rynor Winn konnte mich auf seine ganz eigene Weise wieder begeistern. Erneut schenkt uns die Autorin einen sehr persönlichen Einblick in ihr Leben und knüpft dabei unmittelbar an das erste Buch  "Der Salzpfad" an, da die Leser unter anderem erfahren, wie dieses Buch geschrieben wurde. Sprich die Leser sind hautnah am Befüllen der Seiten dabei. An den Beweggründen der Autorin, die inzwischen mt ihrem Mann Moth das Leben einer Sesshaften in einem kleinen Dorf lebt, das Buch zu beginnen. Am intensiven Verabschieden ihrer Mutter. An ihren Ängsten um die sichtbaren Folgen der Krankheit bei ihrem Mann. Und letztlich auch an der Sehnsucht nach dem South West Coast Path, dem Einssein mit der Natur, dem Laufen, dem Unterwegs sein. All das zusammen genommen bringt Rynor und Moth dazu, wieder ein neues Wagnis einzugehen. Mit der Pacht einer Farm. Und mit einem neuen Trail, dem Laugavegur Trail in Island. Endlich, im letzten Drittel des Buches, sind die Leser wieder unterwegs, ihre Herzen klopfen, die Augen sehen und die Lippen schmecken ... ein Buch, das sich am Schönsten im Freien liest.

Stille Gedanken um den eigenen Lebensentwurf

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Moritz Heger: Aus der Mitte des Sees, Diogenes Verlag 2021 €22,00

"Aus der Mitte des Sees" entspringen Gedanken, Lebensentwürfe, das ganze Sein. Der Autor lässt einen jungen Mönch Bahn um Bahn in dem See nahe der Benediktinerabtei durch das Wasser ziehen und Antworten auf drängende Fragen suchen. Warum ist sein Mitbruder gegangen, um eine Familie zu gründen? Wer wird die Leitung der Abtei nach dem Ableben von Pater Alban übernehmen? Bin ich auf dem richtigen Weg? Bruder Lukas geht in ein fiktives Gespräch mit seinem Exmitbruder Andreas, mit dem ihn eine enge Freundschaft verbindet. Und der Steg am See. Der jetzt leer ist, bis zu dem Tag, an dem Sarah dort aus dem Wasser auftaucht und fragt "Störe ich?" Schritt für Schritt geht Lukas zurück in die Zeit vor seinem Eintritt ins Kloster, in die Zeit mit Andreas, in die Zeit, als Juliane auftauchte und Andreas mit sich nahm. Und jetzt Sarah, mit ihrer ganz eigenen Geschichte von Verlust und Schmerz. Diese Begegnung scheint wie ein Prüfung zu sein, das Ende für den Leser umso überraschender. Ein ruhiges Buch, das den Blick über den kleinen Natursee schweifen lässt, die Gedanken dahingleiten lässt wie ein Schwimmer, der seine Bahnen zieht, und auf stille Weise die großen Lebensfragen aufwirft beziehungsweise beantwortet.

Bäume – Die letzten ihrer Art

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Michael Christie: Das Flüstern der Bäume, Penguin Verlag 2020 €22,00

Der Titel des kanadischen Autors Micheal Christie, der anlässlich des Schwerpunktthemas Kanada auf der Buchmesse sicher einen großen Auftritt bekommen hätte, nimmt den Leser tief in die Wälder Kanadas mit. Das Buch, das den Jahresringen eines Baumstammes  folgt, mit den Zeiten spielt und der Geschichte einer  der Natur verbundenen Familie über vier Generationen nachspürt, bringt Bäume zum Rauschen, lässt sie zur Weiterverarbeitung umstürzen, und im großen Format sterben.. Eine groß angelegte Familiensaga, die bis ins Jahr 2038 reicht, und unter anderem so gewichtige Themen wie das Baumsterben und den Klimawandel thematisiert.