Articles tagged with: Nachkriegszeit

Auf steinigen Wegen

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Frank Goldammer, Roter Rabe, dtv TB €15,90

Dresden 1951. Mit jedem Buch über den Oberkommissar Max Heller wächst einem der eigensinnige - man kann auch sagen - bisweilen sture Ermittler, ans Herz. Zugleich bekommen auch die anderen Figuren, die der Autor immer wieder auf eine bescheidene Weise in Szene setzt, mehr und mehr Kontur. Muss sich dieses Mal Hellers Kollege Oldenbusch um das Verhör sorgen, das ihn seine in den Westen abegetzte Verlobte eingebrockt hat, so kämpft Heller mit dem Misstrauen auf den Unterkommissar Salbach, der so hoch motiviert erscheint, über dessen Absichten er sich seit Oldenbuschs Andeutungen nicht mehr im Klaren ist.

Lebensrettendes und lebenszerstörendes Schmuggeln

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Mechtild Borrmann: Grenzgänger, Droemer Knaur 2018 € 20,00

Kaum hat der Leser die Zusammenhänge von Henriette Schönings Kindheit und Jugend in der 50er Jahren und der 1970 erhobenen Anklage wegen doppelten Mordes verstanden, lässt ihn der Fall nicht mehr los. Die Nachkriegszeit in dem kleinen Ort in der Eifel bringt Henriette große Verluste und viel Verantwortung. Ihrem lebensvertrauendem und tatkräftigen Charakter ist es zu verdanken, dass sie und ihre drei Geschwister gut über die Runden kommen. Bis zu dem Moment, als ihre jüngere Schwester stirbt und ihr Vater folgenschwere Entscheidungen trifft, die das Leben der verbleibenden Geschwister zur Hölle werden lassen. Der Roman enthüllt erschütternde Verhältnisse in einem Kinderheim, beschreibt den Missbrauch von Autoritäten, die unverantwortliche Verbreitung von Verdächtigungen und die faszinierende Entwicklung zweier gerichtlicher Prozesse. Ein sehr gelungengenes romanhaftes Zeitzeugnis!

 

Stille Helden

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Erich Hackl: Am Seil, Diogenes Verlag 2018 € 20,00

Zum Glück gab es sie doch auch, die stillen Helden zur Zeit der nationalsozialistischen Vorherrschaft. Einer von ihnen war Reinhold Duschka. der die freigeistige Jüdin Regina Steinig und ihre Tochter Lucia vier Jahre lang in  seiner Werkstatt in Wien versteckte. Er war ein Mensch der Taten, nicht der Worte und so erfuhr auch in der Nachkriegszeit kaum jemand von seiner Loyalität. Nun ist es an der Zeit, die Geschichte zu erzählen! Der Literat Erich Hackl nimmt sich mit Empathie ihrer an uns lässt auch Lucia zu Wort kommen.

Emotional und gut recherchiert

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Claire Winter: Die geliehene Schuld, Diana Verlag € 22,00

Dieser Roman lässt die Zeit nach dem 2.Weltkrieg in Deutschland nacherleben: Die kaputten Städte, der Verlust geliebter Menschen, die Sehnsucht nach einem Leben in Frieden. Vier junge Menschen werden sich in ihrem Wunsch, Wahrheiten über fatale Taten herauszufinden, in Lebensgefahr begeben. Denn Fragen nach Schuld und Vertuschung sind unerwünscht. Im Gegenteil: in der neuen Bundesrepublik werden zentrale Posten von ehemaligen Nationalsozialisten besetzt. Der Roman liest sich leicht und spannend, ist emotional packend und gut recherchiert.