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Entlarvung, Fettrüsten und Katzen in Ketten

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Jan Mohnhaupt: Tiere im Nationalsozialismus, Hanser Verlag 2020 € 22.-

Tiere leben mit Menschen. Manchen schenken wir unser Vertrauen. Sie verrichten Arbeit und sind Nahrungsquelle, Begleiter und treue Freunde. Tiere erobern unser Herz. Der Umgang mit einem Tier ist selbstverständlich und alltäglich. Wie sich die Nationalsozialisten gerade diesem Tier-Mensch Verhältnis angenommen und ihre Ideologie damit bis in den letzten Winkel aller Haushalte positioniert haben, belegt Jan Mohnhaupt kenntnisreich in diesem Sachbuch. Schon in seinem ersten Buch Der Zoo der Anderen. Als die Stasi ihr Herz für Brillenbären entdeckte und Helmut Schmidt mit mit Pandas nachrüstete trug Mohnhaupt zusammen, wie mit Berliner Zoos Politik gemacht wurde. In Tiere im Nationalsozialismus geht er einen Schritt weiter und nimmt sich Tieren und Menschen im privaten Lebensbereich an, und zeigt dabei auch die Synergien zwischen nationalsozialistischer Politik, ideologischer Wissenschaft und Erziehung auf.

Dienstag, 31. März 2020, 19:30 Uhr: Jan Mohnhaupt – Tiere im Nationalsozialismus

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Jan Mohnhaupt: Tiere im Nationalsozialismus, Hanser Verlag 2020 € 22.-

Der Umgang mit einem Tier ist selbstverständlich und alltäglich. Wie sich die Nationalsozialisten gerade diesem Tier-Mensch Verhältnis angenommen und ihre Ideologie damit bis in den letzten Winkel aller Haushalte positioniert haben, belegt Jan Mohnhaupt kenntnisreich in diesem Sachbuch. Schon in seinem ersten Buch Der Zoo der Anderen. Als die Stasi ihr Herz für Brillenbären entdeckte und Helmut Schmidt mit Pandas nachrüstete trug Mohnhaupt zusammen, wie mit Berliner Zoos Politik gemacht wurde. In Tiere im Nationalsozialismus geht er einen Schritt weiter und nimmt sich Tieren und Menschen im privaten Lebensbereich an, und zeigt dabei auch die Synergien zwischen nationalsozialistischer Politik, ideologischer Wissenschaft und Erziehung auf. Einer möglichen Verklärung von Tierliebhabern in der NS-Führung bietet Monhaupt keinen Raum. Immer wieder führt er ihren scheinbar tierschützenden Umgang in klarer Dramartugie zu den Verbrechen des NS-Regimes. Ein umfangreicher Anhang belegt die mehrjährige, gute Recherche und gibt die Möglichkeit tiefer einzutauchen, in ein spannendes Thema, das bisher wenig Beachtung fand. Ein rundum gelungenes und beeindruckendes Buch, in dem es Mohnhaupt gelingt, auf der Basis bekannter Fakten neue Sichtweisen zu eröffnen.

Der Zoo der Anderen

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Jan Mohnhaupt: Der Zoo der Anderen. Als die Stasi ihr Herz für Brillenbären entdeckte und Helmut Schmidt mit Pandas nachrüstete, Hanser Verlag 2017 € 20.-

Für Außenstehende konnte die tierische Lage im geteilten Berlin sprachlich leicht in Verwechslung geraten. Der Zoologische Garten lag im Westteil, der Tierpark im Ostteil der Stadt. Der Tiergarten war gar kein Zoo und lag wiederum im Westen. Nach dem Mauerbau war er unerreichbar für Ostberliner, auch wenn ein Bericht im "Neuen Deutschland" zum Besuch des neuen Tiergartens riet und dabei den Tierpark meinte. Trotz Teilung behielten die Berliner Gemeinsamkeiten. Sie liebten ihre Zoos. Sie vergötterten ihre Zootiere, wie es in keiner anderen Stadt der Fall war und sie verloren nie ihren Humor. Mehrfach im Jahr ging man, vorallem im Westteil der Stadt, in seinen Zoo, und sicher dachte man dabei nicht an die große Politik. Jan Monhaupt nimmt seine Leser nun kurzweilig, anekdotenreich und unumwunden mit, auf die politischen Spuren, die sich schon in der Lage der Zoos spiegeln. Der Zoologische Garten lag mitten in der neuen City-West. Dicht gedrängt stand hier Gehege an Gehege. Seine Besucher jagte der beengte Parcour von einer Attraktion zur nächsten. Manche Tiere hatten sogar die Bombennächte des Zweiten Weltkrieges in der Stadt erlebt und waren durch die Blockade gefüttert worden. Der Tierpark wurde erst 1958 gegründet und  fand sein Gelände in der großen Weitläufigkeit um das Schloss Ludwigsfelde. Sein Direktor folgte der Idee einen Naturpark erschaffen zu wollen. Hier fand man Ruhe und endlose Spaziergänge von Tier zu Tier. Lag der Ku-Damm, der Kurfürstendamm im Westen gleich um die Ecke, bot der Tierpark  mit seinen Huftiergehängen den Kuh-Damm Ost. Schöner als mit dieser Führung durch zwei Zoos auf den zwei Seiten einer Stadt, lässt sich ins Berlinerische vereint getrennte Mauerleben nicht einsteigen.