Articles tagged with: Meer

Das Meer macht alles neu, schmeckt aber wild und abscheulich

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Will Gmehling, Isabel Pin: Bahnhof am Ozean, Tulipan Verlag 2021 € 15,00

Lakonisch erzählt Gmehling von der Katze, die beschließt eine Reise zu machen. Ein wenig Reiseproviant, über die Kreuzung zum Bahnhof und mit dem Zug ans Meer. Dabei gerät sie in einen Schulausflug und lernt Ei kennen. Einen Jungen, den die Klasse nicht leiden kann, weil er nach Kuhstall stinkt. Die Katze ist eine stille Gefährtin. Manchmal jedoch, faucht sie oder schnurrt wie sieben Tiger. Auf dem Holzsteg am Strand erzählt Ei ihr von sich, während sie gemeinsam in die Brandung blicken, einem ausgefransten Farbenspiel in sandgoldgelb und grünblau. Hier wird Ei  Selbstbewusstsein tanken. Gmehling, der in seinen Kinderbüchern die Schönheit von Umgebung punktgenau einzufangen versteht, konzentriert sich in seinem Bilderbuchtext auf das innere Gespräch und überlässt Isabel Pin den äußeren Raum. In ihren Aquarellzeichnungen ist das Wasser allgegenwärtig. Es lässt Farben unscharf fließen wie es auch Gefühle zu tun pflegen. Es bilden sich geheimnisvolle Flächen und magische Flecken, in denen auch das Glutrot zur Sprache kommt. Überall spiegelt sich, ganz ohne Worte das Leben. Das Spannungsfeld dieses Bilderbuches ist die zarte Umsetzung einer rauhen Geschichte, die in den Worten aufblitzt. Das Quäntchen Lebensphilosophie liefert der einäugige Hinkekater, zu dem die Katze am Ende ihrer Reise wieder zurückkehrt. "Das Meer macht alles neu. Es tut immer, was getan werden muss."  Damit ist Gmehling, ohne dass er ein Wort darüber verliert, in diesem Bilderbuch auch eine Liebeserklärung an das Meer gelungen, einen Ort, der auf seine unscheinbare Art und Weise und auf leisen Sohlen den Menschen ändern kann.

Englisch oder auch Deutsch lernen

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Jim Field: Mister Oscar macht Ferien, Verlag Penguin Junior 2021 € 15,00

Oscar ist ein Bassett Hund in Schlips und Kragen. Zusammen mit seinem Goldfisch Chips, der in seinem Goldfischglas ein Buch nach dem anderen liest, geht Oskar auf Reisen zu Bergen, Seen und ans Meer. Die Aufgabe dieses Bilderbuches ist es, viele Dinge zu zeigen, die man in Worten deutsch und englisch benennen kann. Ein paar Grußfloskeln sind auch dabei. Morgens und abends, in Sonne und Schnee, überall trifft Oscar Freunde und erlebt viel. Er lernt, wie man ein Zelt (tent) aufbaut und saltoniert elegant mit dem Fahrrad (bike) über eine Sprungschanze (ski jump). Die Settings wirken wie ein Homage an Richard Scarry, der seine mehrsprachige Bilderbuchkarriere in den 70er Jahren begann und seine vermenschlichten Tiere weniger zufällig platzierte als Field. Field, der sich mit "Der Löwe in dir" einen Namen gemacht hat, liebt es schlicht und plakativ. Als Wimmelbuch zum ersten gemeinsamen Lernen von englischen und deutschen Worten, mag Oscar ein Anfang sein. So könnte man dieses Bilderbuch auch im Kindergarten gut zum Deutsch lernen nutzen.

Ein Jahr Pause

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Nora Hoch: Das Salzwasserjahr, dtv 2020 13,95€

Ein Austauschjahr in Australien. Für ein Jahr weg von der Familie, weg von dem normalen Leben, weg von den Problemen. Ein Jahr Pause. Das ist Janniks Plan als er ans andere Ende der Welt reist. Irgendwie scheint das auch zu funktionieren. Jannik genießt das Meer, das er schon immer gemocht hat und triff auf eine geheimnisvolles Mädchen, die das Wasser genauso liebt wie er. Doch gleichzeitig scheint seine Gastfamilie tief gehende Probleme zu haben und sein Gastbruder ignoriert ihn fast vollständig.

Mehr Mitgefühl

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alan Gratz: Vor uns das Meer, Hanser Verlag 2020 € 17.-

1939: Josef ist in Deutschland in eine jüdische Familie hinein geboren, die versucht, nach Kuba zu emmigrieren. Die kubanische Regierung lässt die Menschen nicht an Land. Nach langer Irrfahrt landet das Schiff wieder in Europa. Nur seine kleine Schwester Ruth wird überleben. Ihr werden wir später noch einmal wieder begegnen. 1994: Isabel lebt auf Kuba und flüchtet mit ihrer Familie in einem selbstgebastelten Boot, das der Fahrt kaum standhält, vor dem Castro Regime nach Florida. Ihre Mutter, hochschwanger, wird am Strand ihren Bruder zur Welt bringen. Er hat es als erster geschafft ein Amerikaner zu sein. Der Familie wird die Einbürgerung in die USA gelingen. 2005: Mamouds Haus in Aleppo wird von einer Bombe getroffen. Die Familie versucht ihr Leben zu retten. Sie begibt sich auf die Flucht mit ungewissem Ziel. Vielleicht können Sie es nach Deutschland schaffen? Alan Gratz zeigt: egal woher und wohin oder zu welcher Zeit, die Umstände, Verluste und Hoffnungen Geflüchteter bleiben immer die Gleichen. Seine Heimat verlässt man nur in äußerster Not. Auf der Flucht verliert man alles. Auch geliebte Menschen. Ruth wird Mamoud in Deutschland empfangen und ihm bei seinem Neuanfang helfen. Sie hat die Flucht selbst erlebt. Alan Gratz möchte mit seinem Buch die Leser ergreifen und begreiflich machen. In cineastischer Dramatik schneidet er die drei Schicksale, welche mit historischer Vorlage  romanhaft erzählt werden, gegeneinander. Alan Gratz trägt das Mitgefühl in die Herzen seiner Leser.

Großes Glück im Kleinen

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Michelle Cuevas, Erin E. Stead: Der Flaschenpostfinder, Fischer-Sauerländer 2018 € 16.-

Grünschimmernd liegt das Meer in der Senke. Unzählige Stufen winden sich vom Haus des Flaschenpostfinders zu ihm hinab. Die Blätter eines Baumes spielen mit den Wölkchen. Eine Kuh grast friedlich im Vordergrund. In der Ferne sieht man den Leuchtturm. Alles steht übersichtlich an seinem Platz, wenn der Flaschenpostfinder sich zur Arbeit begibt. Konzentriert geht er von seinem Boot aus auf Flaschenpostfang, um sie dann weiter zu Fuß ihren Empfängern zu überbringen. Eine Arbeit, die anderen Freude und Glück ins Haus bringt, denn diese aus der Ferne kommenden Briefe sind Schätze, die das Selbst stärken und von Freunden erzählen. So ernsthaft der Flaschenpostfinder seine Aufgabe erfüllt, ein eigener Name und Freunde sind ihm fremd. Doch als ihm ein äußerst merkwürdiger, unadressierter Brief ins Netz geht, der ihn ratlos und rastlos von Haus zu Haus laufen lässt, nimmt Unerwartetes seinen Lauf. In zarter, stiller Melancholie entwickeln sich Bilder und Text zu etwas Großem im Kleinen. Einfach und spontan, wie ein Wellenschlag, entsteht das Miteinander der Menschen.  Zwischen Tang und Seesternen, Sand und Sonnenschirmen steigt am Ende eine Party und die Menschen halten inne, feiern den Tag und sich selbst. Ruhe, Freude und Glück zieht ein und reicht von den Herzen bis zum Horizont.

Am Familientisch

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Donatella Di Pietrantonio, Arminuta, Kunstmann, € 20,00

Die Romane von Donatella Di Pietrantonio: direkt, mit großer Ehrlichkeit und Offenheit die jeweilige Lebenssituation beleuchtend, mich als Leserin berührend. So ging es mir auch bei ihrem neuen Roman "Arminuta". Die Geschichte eines Mädchens, das plötzlich erfährt dass das Ehepaar, bei dem es als Einzelkind in der Stadt am Meer im Wohlstand aufwuchs, nicht seine leiblichen Eltern sind. Von einem Tag auf den anderen findet es sich ohne weitere Erklärung in einer Familie mit fünf Kindern in engen, ärmlichen, dörflichen Verhältnissen auf dem Land. Ratlosigkeit und Wut durchfluten es immer wieder aber es lernt auch die vorbehaltlose Rückendeckung einer pfiffigen jüngeren Schwester kennen und entdeckt erstaunt kleine Zeichen der Zuwendung an ungeahnter Stelle. Nach "Meine Mutter ist ein Fluss" und "Bella mia" hat die Autorin wieder eine Geschichte erzählt, die ich nicht missen möchte!

Ans Meer !

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Ans Meer!

René Freund: Ans Meer, Deuticke Verlag 2018 € 16,00

Anton ist ein gutmütiger, ein wenig schüchterner, bäriger Busfahrer, der jeden Tag die Schulkinder kutschiert. Und dann ist da noch Clara, die Mutter einer Schülerin, die er seit Jahren zur Therapie mitnimmt im Kampf gegen Krebs. Clara wünscht sich nichts sehnlicher, als noch einmal an den Ort ihrer Kindheit zu kommen . eine kleine Bucht nahe Duino in Italien. Das ist nicht gleich um die Ecke, auch, wenn man in Österreich lebt. Clara bittet Anton an einem ganz normalen Morgen, sie dorthin zu bringen - mit dem Schulbus. Dass Anton dies tut, hat auch mit Doris zu tun - seiner Nachbarin, der er sich sehr nahe fühlt, die aber wohl doch noch Abstand braucht. Mit von der Partie sind einige Schüler, zwei zunächst unerkannte blinde Passagiere und dann gäbe es da noch zwei Hippies, die den Weg dieser kleinen Truppe kreuzen. René Freund ist ein Garant für gute Unterhaltung mit Niveau!

Krimi? Roman?

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Tanguy Viel: Selbstjustiz, Wagenbach Verlag, € 20,00

"Selbstjustiz" ist eindeutig ein Roman, ein Roman mit Mord: Dass Martial Kermeur einen Mann vom Boot ins Meer gestossen hat und weggefahren ist, weiß der Leser schon auf Seite 2. Dass dieser ertrank, erklärt sich von selbst. Nun sitzt Kermeur dem Richter gegenüber, einem guten Zuhörer. Was geschah, wie kam es zu der Tat? Kermeur kann erzählen, Tanguy Viel kann erzählen. Der Leser profitiert davon: eine gute Sprache, interessante Beschreibungen und Vergleiche. Und ein beglückendes Ende!

Auf der Suche nach Rohstoffen

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Katja Brandis, Hans-Peter Ziemeck: Ruf der Tiefe, Beltz TB € 9,95

Hawaii, 2018: Junge Flüssigkeitstaucher suchen auf dem Meeresboden nach benötigten Mineralien.Jeder von ihnen hat einen Meeresbewohner als Teammitglied und zur Hilfe im Wasser, mit dem er oder sie sich auch verständigen kann. Leon ist 16, einer der besten seiner Art und sein Partner ist eine Krake namens Lucy. Als er während eines Tauchgangs auf einmal keine Luft mehr bekommt und beinahe stirbt, will er diesen sogenannten "Todeszonen" auf den Grund gehen, stößt jedoch auf großen Wiederstand und gerät dabei in große Schwierigkeiten. Das Buch ist sehr gut geschrieben und auch ein "Erklärungsteil" hinten im Buch, wo einzelne Begriffe erklärt werden, fehlt nicht. Freddy, 17 Jahre

Erbitterter Kampf um Müll

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Katja Brandis: Floaters, Beltz TB 2016 € 8,95

In Floaters wird die spannende Geschichte des Jungen  Arifs und die des Mädchens Malika erzählt. Der Müllstrudel im Pazifik ist so groß wie Mitteleuropa und der Milliardär Benjamin Lesser möchte die Meere säubern und das Plastik recyclen . Arif ist ein armer Indonese und fischt den Müll, um an ein bisschen Geld kommen und um seine Familie zu ernähren. Doch dann passiert etwas Unglaubliches...Ich fand das Buch sehr spannend und gut geschrieben. Und sehr gut fand ich auch dass das Thema (welches sehr aktuell ist ) nicht zu kurz gekommen ist.