Articles tagged with: Lesen

Leinenloses Leseabenteuer

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Lorenz Pauli, Kathrin Schärer: Ein Passwort für die Pippilothek, atlantis Verlag 2019 € 14,95

Seit der Fuchs lesen kann und die Bibliothek besucht, führt sein Weg am Hofhund vorbei, den er gern ärgert und jagd. So lockt er den Hund  in die Bibliothek. Doch als dieser gerade die Bücher entdeckt, wird er vom Bauer mit einer dicken Kette angeleint. Nun sitzt er mit einem Glasbrett in seiner Hütte und spielt Onlinespiele. Spielerisch entdecken Fuchs und Hund die Unterschiede zwischen digitalem Lesen und Hören und den Büchern, die einfach wunderbar riechen und dem Fuchs zurufen können: Schau mich an! Auch als Hut umschließen sie den Kopf einfach besser.  Eigene Geschichten schreiben und zeichnen sie lieber auf Papier. Wie schon im ersten Band, zelebrieren die Tiere die Bücher und das Lesen, werden schlau und schlauer, sodass sie bald den Trick herausbekommen, die Ketten zu lösen, um auch wieder "offline" gehen zu können.

Im Marschland

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Delia Owens: Der Gesang der Flusskrebse, Verlag hanserblau € 22,00

Kya wird das Mädchen genannt, das fast ganz auf sich gestellt in dem Marschland North Carolinas aufwächst. Sie ist zunächst noch ein Kind, das sich selbst beibringen muss, Mahlzeiten zu bereiten, das sich in der Natur mehr zuhause fühlt als in der Hütte, die mal eine große Familie beherbergte. Sie wird einige wenige Menschen finden, die ihr zugewandt sind während sie den Bewohnern des nahegelegenen Küstenstädtchens fremd und sogar gefährlich erscheint. Als junges Mädchen wird sie die Nähe eines jungen Mannes lieben lernen, doch auch hier lauert die Gefahr des Verlustes. DIe Schilderung ihres Lebens und ihrer Entwicklung ist verknüpft mit literarisch beglückenden Naturbeobachtungen von Flora und Fauna. Zunehmend an Spannung gewinnend zieht ein Todesfall mit Mordverdacht den Leser in Bann. Ein besonders geglücktes Debüt, das in all seinen Facetten absolut überzeugt und begeistert!

„Wir müssen Kindern erlauben, sich ihre eigene Meinung zu bilden.“

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Alan Gratz: Amy und die geheime Bibliothek, Hanser 2019 € 15.-

Als Amy ihr Lieblingsbuch in der Schulbibliothek ausleihnen möchte, ist es nicht zu finden. Nein, kein Kind hat es ausgeborgt, der Schulauschuss hat verfügt, dass dieses Buch, welches Amy schon hundert Mal gelesen hat, ihr Herzensbuch, für Kinder ungeeignet sei, pädagoisch nicht erbaulich, ja schädlich gar. Amys erster Plan ist es, ermutigt von der Bibliothekarin, vor dem Ausschuss vorzusprechen. Aber Amy ist ein schüchternes Mädchen. Im entscheidenen Moment traut sie sich nicht. Als Amys Vater ihr das Buch kauft beginnt sie mit diesem und anderen, ebenso verbannten Büchern, eine geheime Bibliothek in ihrem Schließfach zu eröffnen. Zu ersten Mal findet Amy Mitstreiter, schafft Allianzen, handelt und kämpft eine wichtige Sache: Die Meinungsfreiheit. Immer wieder staunt man über ihre Gewitzheit, ja Klugheit und wird sich vor allen Dingen bewusst: Die kindliche Freiheit, sich aussuchen zu dürfen, was man lesen möchte, gute und schlechte Bücher, kluge und witzige, welche, die mal Lachen mal Weinen machen, ist wichtig und Charakter bildend. In der Wahl der Lektüre haben höchstens die eigenen Eltern ein Vetorecht. "Wir müssen Kindern erlauben, sich ihre eigene Meinung zu bilden, auch wenn uns das mitunter Angst macht.", lässt Allan Gratz die weise Bibliothekarin Opal Jones in seinem Buch sagen. Er schreibt aus eigener Erfahrung und mit vielen ganz konkreten Beispielen alter und neuer Bücher. Eine Geschichte, die von Klein wie Groß unbedingt gelesen werden sollte. Eine Geschichte, die Mut macht und ihre Leser, neugierig geworden, zum Lesen vieler weiter, lesenswerter Bücher animiert.

Erstes Lesen kopfüber

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Daniel Fehr, Maurizio A.C. Quarello: Wie man ein Buch liest, Jacoby & Stuart 2018 € 14.-

Kann man ein Buch richtig lesen? Oder falsch? Kinder lesen Bilder-Bücher gerne unabhängig vom Text und schwerelos kopfüber. Was aber für eine Verwirrung bei den Figuren und Dingen entsteht, wenn sie der Schwerkraft folgen würden, erzählt diese turbulente Geschichte. Die abrupte Öffnung hat Hänsel und Gretel aus dem Baum geschleudert. Nun hängen sie am Gartenzaun und turnen zum Strommasten, derweil der Leser, vermutlich, der Anweisung folgend das Buch dreht. Ein Knochen fällt Hänsel dabei aus der Hand. Erneut landen sie im Baum, auf den es nun Töpfe und Pfannen regnet. Während Hänsel und Gretel sich durch die Seiten hangeln, gesellen sich mehr und mehr bekannte Figuren hinzu: Ein Kaiser reitet nackt durchs Bild, Käpt'n Ahab versucht seinen Wal zu fangen derweil es auf der gegenüberliegenden Seite Meerwasser regnet. Nochmal gedreht und nochmal. Die Figuren geraten in einen wilden Strudel bis endlich jemand das Oben und Unten, das Links und Rechts des Buches festlegt. Welch ein Glück. Jetzt passt alles. Natürlich wissen wir schon von Anbeginn, wie man ein Buch liest, aber Hand aufs Herz: So normal ist das doch wirklich langweilig! Dies ist ein Bilderbuch zum Spaß haben, das sich mit seinen klaren Großbuchstaben auch wunderbar zum ersten Lesen eignet.

Wie Lemminge lesen lernen

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Ame Dyckman, Zachariah Ohora: Lest das Buch, Lemminge!

Gemütlich geht es auf dem Walfangschiff zu. Seine Besatzung liest. Foxy studiert ein Buch über Lemminge, Käpt'n Bär seine Zeitung. Während drei Lemminge wie aufgeregte Hüpfebälle auf der Reling herumturnen, zitiert Foxy das Neuste aus seinem Buch. Lemminge springen nicht über Klippen, steht dort. Kaum fällt das Wort "springen" hüpfen die Drei über die Reling in die Tiefe. Nach einer ersten Rettungsaktion versucht Foxy Abhilfe zu schaffen. Die Lemminge müssen das Buch lesen. Das allerdings, ist leichter gesagt als getan und es wird noch viele Sprünge von der Reling geben, die herzhaft lachen lassen, bevor die Lemminge wirklich lesen lernen und damit natürlich auf neue Ideen kommen. Mit seinen flächigen, schwarz dominierten, sparsamen Illustration, in denen die Lemmlinge in Sprechblasen ihre Aktionen kommentieren, spielt das  etwas anderes Buch für die Schultüte mit Comicelementen und lässt die Kinder mit schwungvollem Spaß schon ihre ersten Worte lesen.