Articles tagged with: Lehrerin

Ein guter Ort?

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Valeria Parrella: Versprechen kann ich nichts, Hanser Verlag 2021, € 19,00

Kann ein Jugendgefängnis ein guter Ort sein? In Nisida oberhalb von Neapel scheint das so zu sein. Wir erleben ihn durch die Augen der 50jährigen Mathematiklehrerin, die tagtäglich dorthin fährt, um zu unterrichten. Sie beobachtet genau an diesem besonderen Ort und lässt uns auch an ihren sinnsuchenden Gedankengängen teilhaben, die ihr Leben außerhalb der Gefängnisschranken betreffen. Die 16jährige Gefangene Almarina wächst der alleinlebenden Lehrerin ans Herz und es stellt sich die Frage, ob es ein Füreinanderdasein geben könnte. Um es mit Valeria Parrellas Worten auszudrücken: "Eine Ahnung von Hoffnung liegt in der Luft."

Monster im Klassenzimmer

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albertine sylvie Neeman: Sie kommen! Aladin Verlag 2020  € 15,00

Monster haben etwas magisches. Sie sind abstoßend und anziehend zugleich. Vorallem aber bevölkern sie die eigene Fantasie und sind ein wunderbares Spiel. Selbst wenn man erwachsen wird, vergisst man sie nicht. Die Frau steht lässig und einladend auf der Seite. Sie kann die Monster schon hören und malt sich ihr Befinden aus. Haben sie gut geschlafen? Und kräftig gefrühstückt? "Manchmal strahlen ihre Augen wie Sterne und sie schenken dir großzügig ihr Lächeln..." Nein, diese Monster sind sicher nicht gruselig. Sie machen neugierig. Am Ende weitet sich der Blick. Die Frau steht in einem Klassenzimmer und hält ein Buch in der Hand. Sie ist eine Lehrerin. Schon viele Monstergeschichten hat sie vorgelesen. Die Monster in ihrer Fantasie sind ihre SchülerInnen. Ein liebevolles und aufregendes Buch zum ganz normalen Schulalltag, denn wer weiß das nicht: Kinder lieben Monster. Erwachsene auch.

Woher – wohin?

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Peggy Mädler: Wohin wir gehen, Galiani Berlin 2019 € 20,00

Episodenhaft erzählt Peggy Mädler in ihrem Roman über drei Generationen, mit besonderem Blick auf die Frauen. Aus der ehemals Tschechoslowakischen Republik nach dem 2. Weltkrieg in den kleinen Ort Kirchmöser im russisch besetzten Deutschland umgesiedelt, engagiert sich die schon vorher kommunistisch gesinnte Ida beim Aufbau der entstehenden Deutschen Demokratischen Republik. Ihre Tochter Rosa und auch Almut tun es ihr nach. Diese beiden verbindet eine tiefe Freundschaft, die ihnen in Zeiten von Verlust und Neuanfang Halt gibt. Auch, als Rosa sich 1960, inzwischen in Ostberlin lebend,  in den Westen absetzt verrät Almut diese Freunschaft nicht und trägt die Konsequenzen. Schön ist es für sie, Jahre später zu erleben, wie auch ihre Tochter im bereits vereinten Berlin eine nahe Mädchen- und dann Frauenfreundschaft trägt. Mit gutem Gespür für alle Generationen, ihre inneren Sehnsüchte, Gedanken, Freuden und Nöte lässt Peggy Mädler deutsch-deutsche Zeitgeschichte wachwerden.

Lieblingsbuch der unabhängigen Buchhandlungen

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Francesca Melandri: Alle, außer mir, Wagenbach Verlag 2018 € 26,00

In diesem beeindruckenden Roman verknüpft Francesca Melandri gekonnt die individuelle Geschichte einer römischen Großfamilie mit historischen Ereignissen der italienischen Vergangenheit. Verdrängt und Vergessen wurden von der Nachkriegszeit bis heute die Gräueltaten der Faschisten in  Äthiopien 1935 und in der Erinnerung gab es unter Mussolini nur Opfer und Partisanen. Dass sich bei einem jungen Flüchtling aus Äthiopien eine Verbindung zu der römischen Familie vermuten lässt, führt zu Verunsicherung und Hinterfragen. Spannend und gut recherchiert spürt Francesca Melandri der Vergangenheit nach und gibt einen Blick hinter die Kulissen der aktuellen Stimmung in Italien. So ist es nicht verwunderlich, dass dieser gut und genau beobachtende Roman von den unabhängigen Buchhändlern zum Lieblingsbuch des Jahres gewählt wurde!