Articles tagged with: Krankenhaus

Mut, Neugier und Menschenkenntnis

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Ulf Stark: Die Ausreißer, mit Illustrationen von Kitty Crowter, Verlag Urachhaus 2020 € 16,00

Wenn Enkelkinder sich ihrer Großeltern annehmen, passiert oft Unerwartetes, denn für kreative Kinderköpfe ist das Unmögliche ebensowenig problematisch wie für sture Großvaterköpfe. So planen Enkel und Großvater vom Krankenhaus einen Ausflug zum alten Wohnhaus des Großvaters, dass in den Schären auf einer Insel liegt. Natürlich gibt es da viel zu bedenken und einiges zu flunkern. Die halsbrecherische Reise gelingt tadellos. Umso erstauter ist das von Herzen ehrliche Schluss. Ein beeindruckende Geschichte, gewürzt mit Mut, Neugier und Menschenkenntnis.

“ Ich liebe Bücher die hoffnungsvoll sind“. Interview mit Anna Woltz

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Mit Anna Woltz trafen wir uns auf der Frankfurter Buchmesse am Stand des Carlsen Verlages. Nach den Standardfragen entfachte ein großes Thema unser Gespräch, welches auch Thema ihrer Bücher ist: Wie erleben Kinder die Trennung ihrer Eltern?

Bücherfresser: Was ist ihr Lieblingscharakter aus dem Buch Gips? Anna Woltz: Die Hauptfigur Fitz.
Bf: Wie sind sie auf diese Geschichte gekommen? AW: Meine Schwester ist Ärztin. Sie hat mir immer viele Geschichten übers Krankenhaus erzählt. Ich fand das dann so spannend, dass ich über das Thema ein Buch schreiben wollte.

Verlaufen

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Peter Schössow: Wo ist Oma? Zu Besuch im Krankenhaus, Hanser Verlag 2016 € 17.-

Unzählige Türenfluchten, lange, grünliche Gänge und viele Stockwerke hat so ein Krankenhaus. Henry weiß nicht, was er sich da gerade vorgenommen hat, als er sich entschließt, auf eigene Faust seine Oma zu suchen. Er ist klein und kann noch nicht lesen. Doch das kleine i kennt er schon. Es steht für Information. Da fragt er gleich. Leider kann ihm die Frau an dem Schalter nicht weiterhelfen. Sie weiß noch nicht einmal, dass der Name von Henrys Aupair Mädchen Gülsa "Fröhliche Rose" bedeutet. Gülsa telefoniert. Und das kann dauern. Also stapft Henry los und entdeckt hinter den Türen Ärzte, Babys, Kinder und Alte, Kranke und Besucher oder auch mal gar keinen. Henry sperrt Augen und Ohren auf und hört jedem genau zu. Peter Schössow erzählt von Menschen und Räumen. Henry begegnet über 80 Personen, doch das Buch ist kein Wimmelbuch. Ruhig und unergründlich entfaltet sich die Szenerie vor dem Auge des Betrachters. Alles wirft seine Schatten: das Laub auf Henrys Rücken, die nächste Häuserreihe auf die Glasfront des Krankenhauses, die Rahmen der sonnendurchflutetden Fenster an die Türen gegenüber. Bis es zu regnen beginnt. So ein Krankenhaus schluckt die Zeit. Auch im Keller, zwischen den Heizungrohren, herrscht noch Betrieb. Da steht der Hausmeister auf seinem roten Roller. "Junge, dich suchen sie schon überall." Was ein Glück, denn jedes große Krankhaus hat auch einen Wachdienst, der helfen kann, wenn man sich verlaufen hat.

Mehr Gips, bitte!

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017, Kinderbuch

Anna Woltz: Gips oder wie ich an einem einzigen Tag die Welt reparierte, Carlsen Verlag 2016 € 10,99

In dem mitfühlenden Teeniebuch geht es um Fitz, die eigentlich Felicia hieß, sich aber per e-mail umgetauft hat. Ihre Eltern verkünden bei einem Gespräch, dass sie erst mal getrennt leben möchten. Seitdem hat Fitz eine kleine Wunde im Herz. Als ihr Vater und ihre kleine Schwester Bente einen Fahrradunfall haben und Bente statt zehn nur noch neun Fingerkuppen hat, müssen sie ins Krankenhaus. Da entzündet sich auch die Wunde von Fitz im Herz ein bisschen mehr. Doch als dann ihre Mutter wegen der Pässe auch noch ins Krankenhaus kommt, denkt sich Fitz, dass es eigentlich keine schlechte Idee wäre, die beiden zusammen für sechs Wochen einzugipsen. Der Aufenthalt im Krankenhaus dauert lange, deswegen macht sich Fitz auf den Weg, das Krankenhaus zu erkunden.