Articles tagged with: Jahrhundertwende

Eintauchen in das England nach der Jahrhundertwende

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Jane Gardam: Robinsons Tochter, Hanser Berlin Verlag 2020 €24,00

Im besten englisch-traditionellen Stil begleiten wir die sechsjährige Polly durch ihr Leben. Liebe, Enttäuschung, Freundschaft und Einsamkeit – die Bücher der Hausbibliothek, allen voran „Robinson Crusoe“ werden Pollys Rettungsanker im großen gelben Haus, bei ihren zwei alten Tanten und den wenigen Hausangestellten. Charles Dickens, die Bronté-Schwestern – in diese Stimmung hat es mich schon nach den ersten Seiten versetzt. Ein Buch für gemütliche Stunden. Annette Goossens

Schmuggel

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Matteo Righetto: Die Seele des Monte Pavione, Blessing, € 20,00

Der Roman lässt uns intensiv nachempfinden, wie die Menschen Ende des 19. Jahrhunderts in der Bergwelt der Dolomiten lebten. Er erzählt anschaulich von einer Familie mit drei Kindern, die vom Tabakanbau lebt - mehr schlecht als recht - und so wagt der Vater jedes Jahr aufs Neue den Schmuggel über die österreichische Grenze. Als er sie für alt genug hält, nimmt er seine älteste Tochter Jole mit auf den gefährlichen Weg. Diese wird einige Jahre später alleine losziehen müssen, denn der Vater kam von seinem Schmuggelabenteuer nicht zurück. Sie wird mehrmals in Lebensgefahr schweben und ein guter Ausgang ihrer Unternehmung ist ungewiss. In schöner ruhiger Sprache lässt dieser doch spannende Roman vergangene Zeit erfühlen.

Liebe und Klavier

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William Boyd: Blinde Liebe, Heyne TB 2020 € 10,99

Mit Brodie Moncur reisen die Leser quer durch Europa: von Edinburgh über Paris nach St. Petersburg, nach Biarritz, Nizza, Genf, Wien, Graz, Triest - und dann sogar nach Indien. Es ist die Zeit um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert. Brodie Mancur ist ein sehr versierter Klavierstimmer und seine Begabung öffnet ihm viele Türen. Dass er sich mit Mitte zwanzig in eine bereits liierte Frau verliebt, für die er alles zu tun bereit ist, führt zu einem zusehends an Spannung aufnehmenden Aspekt einer ohnehin fesselnden Geschichte. Ein Roman zum Eintauchen mit interessanten, gut gezeichneten Figuren und faszinierenden Schauplätzen!

Lesevergnügen

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Petra Hartlieb: Wenn es Frühling wird in Wien, DuMont Verlag € 18,00

Das Titelbild macht schon gute Laune und führt in die Zeit dieses charmanten Romans: "Wenn es Frühling wird in Wien" ist allerbeste, leichte, reizende Unterhaltung, die in das Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts führt. Marie, ein Mädchen vom Land, ist das liebevolle und geliebte Kindermädchen im Hause Arthur Schnitzlers. Durch den Dichter und den jungen Buchhändler Oskar entdeckt Marie Theater und Literatur. Durch Oskar erfährt sie auch, wie es ist, jemanden sehr gern zu haben. Kleinere und große Dramen im nahen Umfeld und der fernen Welt erschüttern nicht nur Marie. Hier ist wieder einmal ein Buch, das viel zu schnell ausgelesen ist und Sehnsucht nach einer Sommergeschichte weckt!

Münchner Bohème und Baltikum um 1900

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Klaus Modick: Keyserlings Geheimnis, Kiwi 2019 € 10,00

Es ist die Zeit von 1875 in den Beginn des 20.Jahrhunderts. Eduard von Keyserling, Sohn aus baltischem Gutsadel, studiert in Dorpat Jurisprudenz, um dann in Wien zu entdecken, dass er sich im Literaturbetrieb heimisch fühlt. Nach einigen Jahren auf dem elterlichen Gut schließt er sich den Schwabinger Künstlerkreisen an. Es wird philosophiert, geraucht, getrunken und geliebt und jeder gerät mal mehr oder weniger in die Bredouille. Für die Sommerfrische haben die Künstler den Starnberger See entdeckt und so residieren dort Max Halbe, Lovis Corinth, Frank Wedekind und Eduard von Keyserling. Der Leser taucht ein in diese Idylle zwischen See, Schreibtisch, Staffelei und Kartenspiel. Klaus Modick ist es wieder einmal aufs Beste gelungen, sich in die Stimmung und Sprache einzufühlen, in der seine Protagonisten sich bewegen.