Articles tagged with: Hund

Hundeabenteuer am Ufer der Oder

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Martin Muser, Tine Schulz: Nuschki, Carlsen 2021€ 11,00

Bei einem Ausflug auf der Oder verschlägt es Nuschki, den dreibeinigen Hund, von der polnischen auf die deutsche Seite des Flussufers. Mit Hilfe des Polizeihundes Derrick und der Ratte Helga findet er wieder zurück in sein kleines Dorf Cedynia zu seinem kleinen Menschenherrchen. Antek. Antek ist sechs und begleitete zwei Freunde auf einer gefährlichen Floßtour. Sie sind zwei geliebete Randfiguren aus "Kannawoniwasein", Teil zwei, in dem Jola Finn in den Ferien zu sich nach Polen eingeladen hatte. In diesem Spinoff erzählt Muser von der abenteuerlichen Rückkehr des dreibeinigen Hundes, von Derrick, der sich auf der deutschen Seite der Oder gut auskennt und sehr hilfsbereit ist. Da kann man den Putzlappengeruch aus seinem Maul schon aushalten. Die pfiffige Helga rundet die kleine Tierkarawane ab, die Tine Schulz in Fotos der Oderregion gezeichnet hat. So ist Nuschki eine nette, leicht lesbare Hundegeschichte, die zu Herzen geht und mit Witz nicht spart, aber auch ein kleiner Reiseführer fürs Oderflussufer bei Hohenwutzen.

Teckel Tom und seine Menschen

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Bette Westera, Noelle Smit: Hallo Teckel Tom! Verlag Bohem 2020 € 15,00

Ein neues Zuhause

Als Teckel Tom von seinen Geschwistern getrennt wird, um bei Sofie und ihren Vätern Pablo und Paul  neues Zuhause zu finden, ist ihm gar nicht wohl. Der kleine aufmüpfige aber auch ängstliche Dackel vermisst den Geruch seiner Mutter. Er nicht anders als Tom gerufen werden, beißt ein wenig hier und dort um sich und weiß ansonsten selbst noch nicht genau, was er will. Sofie ist sehr froh einen Hund zu bekommen. Liebvoll lässt sie sich auf den kleinen Tom ein, sie erhorcht seinen Namen, so wie er den ihren. Als beide am Abend in ihren Betten liegen, scheint das der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zu werden. Bette Westera erzählt die Geschichte abwechselnd aus Sicht des kleinen Dackels und der Menschen. So umspielt sie die vorsichtige Annäherung zwischen beiden Seiten. Mal aufmüpfig (Tom), mal zärtlich (Sofie), mal beruhigt und glücklich (beide). Ein rundum schönes Bilderbuch für alle, die von einem Haustier träumen.

Bienen-Retter

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Stefanie Taschinksi: Bifi & Pops. Mission Bienenstich, Oetinger Verlag 2020 € 8,00

Bifi stammt vom Wolf ab und Pops vom Affen. Das ist die beste Kombination für eine dicke Freundschaft. Nach dem Hundefriseur fahren Bifi und Pops in Wald zu Pops Bienen. Bifis gute Nase rettet Pops Bienen von dem Wolf und dem Fuchs und am Ende sogar vor dem Nachbar. Obwohl Pops das ganz anders sieht. Er meint Bifi hätte den Nachbaren vor den Bienen gerettet.... Trotz der Drei-Wort-Sätze eines allerersten Erstlesebuches, den höchsten drei Sätzen auf einer Seite, ist richtig viel los und Bifi, gezeichnet von Susanne Göhlich, ist wirklich zum Verlieben. Bifi und Pops ist eine gelungen Serie zum Lesestart.

In die Pfoten gespuckt

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Rogé: Roger und die Pommesbude, Kunstanstifter 20220 € 22.-

Er hat den Körper eines Hotdogs, dynamisch im Wind flatternde Ohren, ein Stummelschwänzchen, viele Fragen und noch mehr kreative Ideen. Der Dackel Roger spuckt in die Pfoten und strahlt. Er hat den richtigen Riecher, Talent zum Werkeln und Kochen und schon steht sie da: Rogers Pommesbude. Der Ort, die Stadt, die ganze Welt wird er damit erobern. Hier könnte das Hundemärchen enden. Doch Roger, der Kartoffelkönig, begegnet einer Maiskolbenkönigin, verliebt sich und beide gemeinsam, werden wieder etwas Neues schaffen, erneut und anders ein neues Glück finden, denn Pommes sind nicht alles auf der Welt. Mit schwungvollem Strich hat Rogé und das Studio Wu aus Berlin hier einen neugierigen und tatkräftigen Hundecharakter voller Leichtigkeit und Witz kreiert. Einmal Pommes, bitte!

Auf den Hund gekommen

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Sigrid Nunez: Der Freund, Aufbau Verlag 2020 € 20,00

Der Roman ist an den verstorbenen Freund adressiert, so als ob er nur kurz verschwunden wäre. Die Ich-Erzählerin, die (wie die Autorin) in N.Y. Creative Writing lehrt, kann den überraschenden Selbstmord des älteren Freundes und Mentors zunächst nicht akzeptieren. Als seine letzte Ehefrau sie bittet sich um seinen Hund zu kümmern, willigt sie nach einigem Zögern ein und „Apollo“, eine in die Jahre gekommene riesige Dogge, zieht in ihr kleines Apartment ein. Entgegen jeglicher Vorsätze nimmt er sofort ihr Bett in Beschlag. Doch in ihrer Trauer nähern sich Hund und Frau langsam an, während die Ich-Erzählerin unprätentiös und zuweilen sehr witzig von ihrem Alltag erzählt. Immer wieder reflektiert sie über Themen wie Freundschaft, Treue, Tod und Trauer und greift dabei auf einen fulminanten Fundus literarischer Kenntnisse zurück. Sie zitiert u.a. Virginia Woolf, W.G. Sebald, Rilke, G. Simenon in ihren Überlegungen zur Funktion der Literatur und des Schreibens und verpasst gelegentlich dem Literaturbetrieb einen Seitenhieb. Aber auch die Beziehung von Hund und Mensch wird immer wieder erörtert. Sigrid Nunez hat in einer unvergleichlichen Mischung aus Roman, Tagebuch und Essay ein Buch über die Zeit nach dem Tod eines geliebten Menschen geschaffen. 2018 bekam sie dafür den National Book Award. Anne Brieger

Was sich unter der Oberfläche verbirgt

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2019, Kinderbuch

Anna Woltz: Für immer Alaska, Carlsen Tb 2020 € 6,99

1.  Ich heiße Parker. Ich heiße so, weil ich in einem Park geboren wurde.
2. Vor zwei Jahren haben wir die Asche meiner toten Oma im Phantasialand ausgestreut.
3. Und ich kann Jingle Bells bellen. Zitat: Woltz, Für immer Alaska
Nur zwei von diesen drei Fakten über Parker sind wahr, einer ist erfunden, und der letzte ist das nicht. Denn Parker hatte es geliebt, mit ihrem Hund Alaska zu „singen“, bevor sie Alaska weggeben musste. Parker vermisst Alaska ganz schrecklich, bis sie sie wiedertrifft, als Assistenzhund ihres Klassenkameraden Sven.

Leinenloses Leseabenteuer

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Lorenz Pauli, Kathrin Schärer: Ein Passwort für die Pippilothek, atlantis Verlag 2019 € 14,95

Seit der Fuchs lesen kann und die Bibliothek besucht, führt sein Weg am Hofhund vorbei, den er gern ärgert und jagd. So lockt er den Hund  in die Bibliothek. Doch als dieser gerade die Bücher entdeckt, wird er vom Bauer mit einer dicken Kette angeleint. Nun sitzt er mit einem Glasbrett in seiner Hütte und spielt Onlinespiele. Spielerisch entdecken Fuchs und Hund die Unterschiede zwischen digitalem Lesen und Hören und den Büchern, die einfach wunderbar riechen und dem Fuchs zurufen können: Schau mich an! Auch als Hut umschließen sie den Kopf einfach besser.  Eigene Geschichten schreiben und zeichnen sie lieber auf Papier. Wie schon im ersten Band, zelebrieren die Tiere die Bücher und das Lesen, werden schlau und schlauer, sodass sie bald den Trick herausbekommen, die Ketten zu lösen, um auch wieder "offline" gehen zu können.

Mops mit Superkräften

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Nicolas Gorny: Supermops und der dreiste Dackelraub, Südpol Verlag 2017 € 8,99

Helge hat Pech, das sagt wenigstens er, weil er das schrecklichste Haustier aller Zeiten hat, nämlich eine dicken, faulen Mops. Er ist genau das Gegenteil von den Tieren, die er eigentlich wollte: einem gefährlichen Krokodil oder einer Schlange. Das Leben von Mops besteht aus essen, schlafen, essen, schlafen, essen,.... doch eines Tages wird alles anders. Mops ist mal wieder auf Essenssuche und hat das große Glück, neben dem Kühlschrank ein Würstchen zu finden. Er verschlingt es und plötzlich verwandelt er sich in eine Supermops. Helge ist ganz aus dem Häuschen. Jetzt hat er ein Haustier nach seinem Wunsch. Doch lange kann er sich nicht freuen, denn die schöne Dackeldame Paula wird entführt. Supermops und der dreiste Dackelraub ist super erzählt und witzig illustriert für jünger leser.  Viel Spaß und Spannung garantiert.
Seitdem ich das Buch gelese habe, wünsche ich mir insgeheim auch, dass mein Mops ein Supermops wird.

Fantasie kennt keine Grenzen

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Anushka Ravishankar, Susanne Straßer: Ausreden, Ausreden, Peter Hammer Verlag 2019 € 16,-

Zwischen Kindern und Erwachsenen können in der Betrachtung eines Sachverhaltes Welten liegen. Auch diesem Buch kann man sich von verschiedenen Seiten nähern. Die einen verfolgen Tims Bemühen, die anderen fiebern mit seiner Fantasie.  Beim Start in die Woche nimmt Tim sich vor hilfsbereit, nützlich, brav und vernünftig allen erwachsenen Erwartungen zu entsprechen. Doch jeden Tag gerät ihm die anstehende Aufgabe irgendwie zu verrücktem Blödsinn und absurdem Quatsch.

Mobbinggeschichte mit Rettungsanker

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Frida Nilsson: Ich und Jagger gegen den Rest der Welt, Gerstenberg Verlag 2018 € 14,95

Als Jagger auf Bengt trifft, hatten die Kinder des Hofes ihn in den Müllraum zu den Containern gesperrt. Jagger, ein selbstbewusster Penner-Hund, war auf der Suche nach etwas Fressbarem gewesen und die beiden verband sofort ein Thema: die Gemeinheiten der Mitmenschen, die sie trafen. Im Gegensatz zu Bengt hatte Jagger seine Lösung für das Problem gefunden. Er handelte und schlug zurück.  "Das klang mächtig und schrecklich und gut zugleich." Die Allianz von Bengt mit Jagger befeuert die alltägliche Mobbinggeschichte in der Bengt steckt und für die Nilsson feinfühlige Szenen und Bilder findet. Wohl dosiert inszeniert sie Aktionismus, Gleichgültigkeit und Verlogenheit mit kindlich fantasischem Rettungsanker. Ein grandios gelungenes Buch mit viel Raum für Gespräche zu einem Thema, das auch uns täglich umgibt.

Abschied nehmen

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Saskia Hula, Eva Muszynski: Bikos letzter Tag, Klett-Kinderbuch 2017 € 14.-

Lange war Biko für alle da. Er ist der Familienhund. Er passt auf alle auf. Doch nun ist er alt und müde. Ein gutmütiger Kerl. Mit Falten und Runzeln, hängenden Ohren und Lefzen und trockener Nase. Zeit Abschied zu nehmen. Dem Hund fällt das leicht. Ein wenig sehnt er sich nach dem Ende. Er fühlt sich geborgen. Vater, Mutter und die beiden Kinder sind da. Selbst die eigenwillige Katze. Die Menschen sind traurig. Das ist normal. Man sieht und fühlt es in den Bildern, in Haltung und Ausdruck der Figuren. Ihre lichten Farbtöne aus  zartem Gelb, Ocker und hellem Grün sprechen aber auch vom Leben, das weitergehen wird. Die Worte erzählen sachlich. In ihnen schwingt auch das Glück. Das Buch lässt viel Raum und Zeit, bereitet den Abschied vor, den Wechsel, die Veränderung, der uns den Schmerz bereitet. Ein gelungenes, sanftes und stilles Buch, in dem der Tod wichtig, traurig und schön zugleich sein darf.

 

Mit Fantasie gegen Einsamkeit

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2016, Bilderbuch

Edward van de Vendel, Der Hund, den Nino nicht hatte, Bohem Verlag 2015 € 14,95

Mit großen, unglaublichen Bildern und wenigen präzisen Sätzen, wird die Geschichte von Nino erzählt. Nino ist einsam, denn sein Vater ist weit weg. "Der Hund den Nino nicht hatte" ist sein imaginärer treuer Freund. Er spielt mit Nino und tröstet ihn, wenn er weinen muss. Die Geschichte zeigt, wie Nino es schafft,  mit seiner Vorstellungskraft seiner Einsamkeit entgegen zu wirken. Während der Text Fantasie und Realität klar auseinander hält, vereinen sich diese im Bild zu einem beeindruckenden Werk für das kindliche und Erwachsene Auge. Emotional, ein wenig düster und traurig, aber auch fantasievoll und glücklich, bleibt dieses einzigartige Bilderbuch lange in Erinnerung.