Articles tagged with: Heimat

Der erlesene Star, well-done mit Wohlfühlaroma

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Jürgen-Thomas Ernst: Schweben, Braumüller Verlag 2017 € 20,00

Leben - Schweben

Dieses Buch hat mich tief berührt: es erzählt von Josefs Leben, in dem ihn Rosa ein gutes Stück begleitet. Sie sind ganz einfache Menschen, die ohne Aufhebens ihr Leben in die Hand nehmen. Sie haben wenig und brauchen nicht viel, sie nehmen Glücksmomente wahr und machen sie sich selbst und einander bewusst. Sie finden und verlieren einander und der Leser begleitet sie bei verschiedenen Episoden zwischen Kindheit und Alter. Es steckt viel Lebensweisheit in diesem schmalen Buch in Gedanken und Sätzen, die den Leser auch nach der Lektüre begleiten werden. Wer das Buch "Ein ganzes Leben" von Robert Seethaler und "Ein Leben mehr" von Joyceline Saucier gerne gelesen hat, wird auch dieses Buch lieben!

 

In der Fremde

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Theodora Bauer: Chikago, Picus Verlag, € 22,00

Es ist Anfang der 20er Jahre, als sie auswandern: Feri und Katica, ein junges Paar und Katicas Schwester Ana. Mit großen Hoffnungen auf ein glücklicheres, freieres, reicheres Leben ziehen sie aus dem östereichisch/ungarischen Grenzgebiet nach Chikago. Doch einfach ist es nicht in der Fremde, die nur der stillen Ana und ihrem Neffen Josip vorübergehend Heimat werden wird. In all ihrer Schlichthiet ist Ana ist die zentrale Figur, sie ist groß im Erspüren und Beobachten und zögert nicht, zu Handeln. Der Roman zieht den Leser immer mehr in den Bann, lässt Spannung wachsen und vermittelt eindrücklich ein Stück Gesellschafts- und Zeitgeschichte.

Entwurzelung & Neuanfang

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Marco Balzano: Das Leben wartet nicht, Diogenes Verlag 2017 € 22,00

Ninetto war nur 9 Jahre alt, als er mit einem flüchtig Bekannten sein sizilianisches Dorf verließ, um in Mailand Arbeit zu finden. Inzwischen ist er Ende fünfzig und erinnert sich an diese Zeit: die Arbeit, die er fand, die Bekanntschaften, die er machte, seine frühe Ehe, die Geburt der Tochter und wie er zu einer Gefängnisstrafe kam. Er vergleicht das Damals mit dem Heute, beobachtet die neuen Arbeitssuchenden aus Nordafrika und China. Ein einfühlsamer Roman zum Thema Entwurzelung und Neuanfang mit all dem, was dieses, egal zu welcher Zeit und an welchem Ort, bedeutet, ein Roman, der den Leser hinter die Kulissen schauen und einen besonderen Blick auf Italien werfen lässt.

Sammlerin von Augenblicken

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In Anne Krügers Debüt „Die Allee der Kosmonauten“ geht es um die junge Frau Mathilda, die in der DDR groß wurde und nach dem Fall der Mauer nicht mehr weiß, wo genau im Leben sie eigentlich steht und was sie von sich, ihren Mitmenschen und der Zukunft erwartet.

Anne Krüger hat selbst einmal in der Allee der Kosmonauten gewohnt, allerdings ist der Roman nicht autobiographisch erzählt, sondern reine Fiktion. Im Gegensatz zur ihrer Protagonistin wollte sie auch nie Kosmonautin werden, wie viele Kinder und Jugendliche, die im Ostblock groß wurden. Die Kosmonauten wurden damals als Idole verehrt, ihr Beruf war der Traum vieler Heranwachsender. Anne Krüger wollte als kleines Mädchen lieber Osterhase werden. Es stellte sich dann doch heraus, dass ein Germanistik-Studium etwas näher an der Realität liegt und da Schreiben ihr schon immer ein Bedürfnis war, verfasste sie bald Theaterstücke und Hörspiele.