Articles tagged with: Gender

Wider den Geschlechterklischees

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Scott Stuart: Mein Schatten ist pink, Coppenrath Verlag 2021 €15,00

Warum sollten Jungs nicht pink mögen und Mädchen vielleicht blau? Als Lieblingsoutfit für den ersten Schultag wählt der Junge in dieser Geschichte das gelbe Kleid in dem er im kurzem Röckchen mit seinem rosa Schatten durchs Haus tanzt. Damit ist er ein wenig anders als sein verwunderter Papa, der ihn aber mit Zuversicht anschaut, denn vieles ist ja nur ein Phase. Das Wohlfühlgefühl des kleinen Jungen verfliegt, als wird er von seinen Klassenkameraden angestarrt und ausgelacht wird.

Kleine Heldin ganz groß

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Sebastian Meschenmoser: Chick, Thienemann Verlag 2021 € 16,00€

Das wunderbare Spiel um die Geschlechter beginnt Meschenmoser, indem ein Mann, als die Mutter der kleinen Hühnerküken, das Futter verabreicht. Chick ist, so wie alle anderen, alles andere als schick oder hübsch. Oft ist er der Letzte, so träumt er davon, Bosshahn zu werden. Ein anderes Küken, Henriette, begleitet ihn stumm bei seinen Eskapaden. Darüber vergehen die Tage und die Küken wachsen. Chicks Hahnenschrei bleibt mehr Gepiepse und Henriette öffnet zum ersten Mal den Schnabel und kräht. Kann das möglich sein? Er eine Henne und sie der Hahn? "Keine Abenteuer, keine Heldentaten?", fragt sich Chick. Plötzlich überstürzen sich die Ereignisse und was Chick spielerisch so oft geübt hat, kann sie nun einsetzen. Eine richtige kleine Heldin, eben doch. Meschenmoser zeigt erneut, wie gut er Tiere mit seinem Bleistiftstrich aufs Papier zu bannen versteht. Mutig und einfach rundum großartig.

Mädchen am Ball

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Martina Wildner: Der Himmel über dem Platz, Beltz & Gelberg 2021 € 13,95

Jolanda (Jo) hat einen großen Traum. Sie möchte eine supergute Fussballerin werden. Dafür wechselt sie in eine Jungenmannschaft. Doch das Training fällt ihr schwerer als sie dachte. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, da es einfach wunderbar geschrieben ist. So gut, dass ich in die Welt und die Gefühle von Jo eintauchen konnte. Beatrice, 10 Jahre

Die unsichtbaren Beine der Liebe

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Linde Hagerup: Ein Bruder zu viel, Gerstenberg Verlag 2019 € 14,95

Die Welt der 9-jährigen Sara könnte schöner nicht sein, bis eine Freundin ihrer Mutter plötzlich stirbt. Alleinerziehend hinterlässt sie einen 5-jährigen Sohn. Saras Eltern beschießen, ihn in die Familie aufzunehmen. Sara konnte dem quengelingen Steinar nie etwas abgewinnen. Nun besetzt er ihr halbes Zimmer. Die Mutter. Den Vater. Von Trauer umfangen, bekommt er immer alles. Steiner lebt in einem Schonraum und in Sara nagt ein kleines, wütendes Tier. Da alle Aufmerksamkeit auf Steinar liegt verschwindet Sara mehr und mehr, bis sie auf eine Idee kommt: Sara wird zu Alfred, einem großen Bruder für Steinar, der nett zu ihm sein kann und der vieles schafft, das Sara nicht gelingen will. Doch das Doppelleben birgt andere Schwierigkeiten. Schlicht, klar und für Kinder zum Greifen nah und bildlich erzählt liegt unter dieser Geschichte große psychologische Brisanz. Alle Figuren müssen sich mit starken Gefühlen arrangieren und ihre Handlungen werden in emotionalen Notsituationen mit zweierlei Maß gemessen. Es geht nicht immer gerecht zu. Saras Flucht in eine andere Person macht sie handlungfähig, ist aber auch kein Dauerzustand. Wie wird sie den Weg wieder zu sich selbst zurück finden? Der packende Kinderroman ist eine Geschichte der kleinen Schritte, kurzen Sätze, wechselnden (Jahres)Zeiten. Dem Vergehen von Zeit überhaupt. Der Veränderung. Dem Wachsen. Und vor allem der Liebe, und einer bewundernswerten Vater-Tochter Beziehung. "Die Liebe sind ein paar Beine, die du nicht sehen kannst. Diese Beine können viel weiter laufen als deine normalen Beine. Diese Beine nämlich tragen dich durch das Leben", sagt Saras Papa in der Overtüre zu ihr. Diese vier ungewöhnlichen Beine, die sichtbaren wie unsichtbaren lassen Sara zunächst straucheln und stolpern. Sara nimmt uns mit in ihre Geschichte, die man am Ende, die Beine sehend, ins Herz schließt und keinesfalls missen möchte.

Fussball verbindet

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Jaromir Konecny: Ein Bolzplatz für alle, Ravensburger 2019 € 7,99

Nein, das ist nicht einfach nur eine typisch nette Kindergeschichte über Fußball. Im Klassenzimmer herrscht ein rauher Ton. Felix, ein Junge mit langen Haaren, wird als Mädchen gehänselt, der übergewichtige Balu als "Lappen" oder "Fettmops" tituliert. Wenn sich die Klasse auf dem Bolzplatz hinter der Schule trifft, gibt es Streit darum, ob nur Jungs oder auch Mädchen hier Fussball spielen dürfen. Die Väter am Spielfeldrand sind keine Hilfe. Im Gegenteil. Sie versuchen, die Mädchen zu verdrängen, wollen ihre Jungs im Angriff positionieren, mischen sich in die Angelegenheiten des Trainers ein und übernehmen am Ende das Training ganz.

Genderspiel

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Gernot Gricksch: Nicht drücken, Oetinger Tb € 6,99

Was wäre, wenn alle Mädchen Fussball lieben und Jungs nur noch zum Klamotten shoppen zu gebrauchen wären? Ein Knopfdruck und schon ist es versehentlich passiert: die Welt von Siri, Ole und Ivana steht auf dem Kopf  und ist nicht mehr wie vorher. Gernot Gricksch vertauscht die Vorlieben der Geschlechter ebenso wie die von Hund und Katze, am Anfang ganz lustig, doch bald muss jedem Leser auffallen, dass diese andere Welt nichts anderes ist, als das Gleiche in grün. Sehr einfallsreich scheint das nicht, ein wenig lehrreich schon eher. Alle, die im Laufe der Geschichte über ihren eigenen Schatten springen, verwandeln sich wieder zurück und Entspannung breitet sich aus. Der Mensch ist doch ein Gewohnheitstier. Als am Ende die Kinder vor der Wahl stehen, durch erneutes Drücken des Buttons ein Leben in Ungewissheit und Abenteuer zu wählen, dem gegenüber die glückliche und gewöhnliche Alltäglichkeit steht, würde das  Abenteuer erst beginnen. Diese Lektüre bietet viele Anlässe über Klischees und gesellschaftliches Rollenverhalten zu diskutieren.