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Wie die Fantasie im Spiel mit Geschichten groß und stark macht

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Lissa Evans: Fitz Fups muss weg, Mixtvision 2019 € 15,00

Das Buch, welches Phine ihrer vierjährigen Schwester Minnie zum hundersten Mal vorlesen soll, handelt von bunten Farbtonnen, Wimblis genannt, die glücklich im noch bunteren Wimbli-Land leben, wo alle in furchtbaren Reimen sprechen. Nachdem ein Verkehrsunfall  Minnie ins Krankenhaus gebracht hat, gerät Phine ausgerechnet mit ihrem verhätschelten Cousin Graham in dieses unsägliche Buch. Die klassische Schnittstelle ist schlicht wie schön angelegt und mittels Spielzeughandy werden die Welten in Kontakt bleiben.  Phine muss  die Wimblis und das Land von der Tyrannei des Fitz Fups, einem von Minnies Kuscheltieren befreien und das gelingt nur, wenn alle zusammen helfen und Mut beweisen. Während sich das bunte Land durch Fitz Fups mehr und mehr entfärbt, weisen die Reime den Weg zum Ziel, denn das Abenteuer scheint auch ein Spiel zu sein. Dieses wunderbar verrückte, witzige, gut konstruierte, sprachspielerische und zu Herzen gehende Abenteuer hat alles, was eine gute Geschichte braucht und zeigt ganz nebenbei, wie Kinder mit Fantasie groß und stark werden können.  Viel Spaß zum Vor- und Selberlesen.

Eine starke Frau, eine starke Stimme, ein engagiertes Leben

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Kate Evans: Rosa. Grahic Novel über Rosa Luxemburg, Dietz Verlag 2018 € 20.-

Gelungen erzählt diese graphic novel von der Geburtsstunde sozialistischen Denkens und Strebens im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert und erzählt von Menschen, die den gesellschaftlichen Um- und Aufbruch dieser Zeit gestalteten:  Clara Zetkin, Karl Kautksy, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Eine körperlich kleine Frau, die sich kurzerhand und fest entschlossen die Weltbühne neben den Männern eroberte, mit Doktortitel, sprachversiert, kampfbereit und trotz körperlicher Beeinträchtigung und zahlreicher Gefängnisaufenthalte von sonnigem, das Leben genießenden Gemüt war. Mit vielen Originalzitaten und -textpassagen taucht der Leser in die Gedankenwelt Rosa Luxemburgs ein. Die Umsetzung dieser mitunter trockenen ökonomischen Schriften in Bildgeschichten lässt staunen. Auch wird dem Leser bewusst, wie genau Luxemburg mit ihren Zukunftsvisionen den Zustand unserer heutigen Welt trifft. Ein sorgfältiger Anhang führt zu Luxemburgs Schriften, denen die Textpassagen in dieser graphic novel entnommen wurden und zu weiteren Buchempfehlungen. Ein schöner Einstieg, der Lust auf mehr macht.

Göttlich selbstverliebt

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Maz Evans: Die Götter sind los, Chicken House 2017 € 14,99

Als Virgo aus dem Sternbild Jungfrau ihre Fahrt auf die Erde mit einer Bruchlandung in den Kuhstall beendet, lernt sie Elliot kennen, der ihre Erzählungen von Elysium, vom Zodiak Rat der Sternbilder, vom Gefangenen 42, für den das Fläschchen Ambrosia bestimmt ist, weder seltsam noch verwunderlich findet. Und ausgerechnet unter den Steinen von Stonehenge finden sie diesen Gefangenen und befreien ihn. Versehentlich und unbedacht. Leider handelt es sich um Thanatos, den Todesdämon und mit seiner Befreiung sind Menschen und Götter in Gefahr. Elliot, der nichts davon weiß, dass nur er die Welt retten kann, lässt sich nur auf das Abenteuer ein, da er hofft Geld zu erlangen, um die Schulden der Farm zu begleichen. Natürlich geht nichts ohne die Hilfe der Götter. Dieses witzige Roadmovie, welches mit einer Flussfahrt auf dem Styx beginnt, inszeniert mit britischem  Humor die Selbstverliebtheit der Götter, Dämonen und Sternbilder mit vielen Accessoires, Gewohnheiten und Parallelitäten zur heutigen Zeit. So ist Hermes ein Freund des Café Latte und kann keinen Ort ohne ein schnelles Selfie verlassen, die praktische Götterapp zeigt ihm sofort, wo jeder sich aufhält. Am Ende kann Eliots Farm mit Hilfe aller nur knapp gerettet werden. Fortsetzung folgt.