Articles tagged with: Emigration

Vom Glück des Bewahrens

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Thomas Harding, Britta Teckentrup: Sommerhaus am See, Jacoby & Stuart 2020 € 15,00

Auf dem Cover wetteifert das schlichte Holzhaus in seiner Schönheit mit der frühsommerlichen Farbenpracht der Natur. Die mosaikverspielte Tür- und Fensterfront strahlt in der Sonne. Seine Terrasse öffnet sich einladend zum Wasser. Hier, im Grünen, möchte man wohnen. Doch die Bewohner des Hauses, eine Familie mit vier Kindern, hetzen schattengleich, gebeugt und bepackt durch das hohe Gras aus dem Bild. Die Geschichte dieses Hauses beruht auf wahren Begebenheiten.

Ein literarisches Fest

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Alain Claude Sulzer, Postskriptum, Galiani Verlag 2015, € 17,99

Sulzer erzählt in Momentaufnahmen, in perfekt arrangierten Zeitsprüngen und mit literarischer Raffinesse. Die Geburt des Künstler beginnt, als er den Tod seines Bruders zum Grauen der Mutter auf dem Wohnzimmerteppich nachspielt. Der sensible Junge wird später als Filmschauspieler den Erlkönig auf Vinyl einsprechen. Wir begegnen ihm in der mondänen Welt der Kurhotels des Engadins und in der Einsamkeit seines New Yorker Exils. Der damals unbekannte Visconti läd ihn noch einmal ein, in Rom die Rolle seines Lebens zu spielen. Bei der Premiere wird er gewahr, dass seine Szene am Ende komplett herausgeschnitten wurde. Zu jeder Szene und jeder Figur dieses Buches findet Sulzer sein schwingende Gegenstück. Ein literarisches Fest. 

Russlanddeutsch

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis Jugendbuch 2009

Arlina Bronsky, Scherbenpark, Kiepenheuer & Witsch Tb € 9,99

Manchmal denke ich, ich bin die Einzige in unserem Viertel, die noch vernünftige Träume hat. Ich habe zwei, und für keinen brauche ich mich zu schämen. Ich will Vadim töten. Und ich will ein Buch über meine Mutter schreiben.“ [Zitat aus: Scherbenpark, Bronsky, Alina]

Mit diesen Worten beginnt die 17-jährige Sacha, ihre Geschichte zu erzählen. In ihrer Kindheit aus Russland nach Deutschland emigriert, lebt sie hier zusammen mit ihren zwei kleinen Geschwistern und ihrer Großtante im Solitär, einem heruntergekommenen, hauptsächlich von Russlanddeutschen besiedelten Viertel. Wo ihre Mutter ist, wird schon auf den ersten paar Seiten erläutert. Ermordet, vom eigenen Ehemann, Saschas Stiefvater Vadim. Sacha schwebt seit dem in vielfältigen Tötungsfantasien von Vadim. Die Geschichte von Sacha, die sich in der von Deutschen geprägten Schule, aber auch im hoffnungslosen, dreckigen Solitär behaupten und gleichzeitig mit den Folgen des Todes ihrer Mutter fertig werden muss, wird im Laufe der Handlung noch um eine weitere Facette erweitert: Der deutlich ältere Zeitungsredakteur Volker und dessen Sohn Felix, zu denen beiden sich Sacha sehr angezogen fühlt, was auf beide Personen ebenfalls zutrifft. Ganz schön viele Handlungsstränge...