Articles tagged with: Emigration

Eigenwillige Persönlichkeiten

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Iris Wolff: Unschärfe der Welt, Klett-Cotta Verlag 2020 € 20,00

Ein außergewöhnlicher Roman! Iris Wolff hat eine sehr schön beschreibende Sprache, es entstehen vor dem inneren Auge zarte Bilder und besondere Farben. Dabei ist das Erzählen nie ausufernd, oft sind die Sätze ganz kurz. In sieben Kapiteln erfahren wir viel über vier Generationen einer Familie aus dem Banat. Es sind durchaus eigenwillige Persönlichkeiten, die besondere Wege gehen. Manche Verknüpfungen werden dem Leser erst nach und nach bewusst und so wird er im Verlauf des Buches immer mehr in die Geschichte hieingezogen. Die Familie ist ein zentrales Thema, die Beziehungen der einzelnen miteinander. Freundschaften zwischen Jungen und Älteren, Liebe, und Verlust in unterschiedlichen Zusammenhängen. Das Leben im sozialistischen System Rumäniens, Geheimdienst, Flucht, Emigration. Vielsprachigkeit und Sprachlosigkeit. Es gibt viele Gedanken und Beobachtungen in diesem Buch, die zum eigenen Sinnieren anregen. Als ich auf der letzten Seite war, hätte ich am liebsten gleich noch einmal auf der ersten Seite begonnen, um das Buch mit dem Wissen um den Inhalt nochmals auf mich wirken zu lassen. Friederike Wagner

Vom Glück des Bewahrens

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Thomas Harding, Britta Teckentrup: Sommerhaus am See, Jacoby & Stuart 2020 € 15,00

Auf dem Cover wetteifert das schlichte Holzhaus in seiner Schönheit mit der frühsommerlichen Farbenpracht der Natur. Die mosaikverspielte Tür- und Fensterfront strahlt in der Sonne. Seine Terrasse öffnet sich einladend zum Wasser. Hier, im Grünen, möchte man wohnen. Doch die Bewohner des Hauses, eine Familie mit vier Kindern, hetzen schattengleich, gebeugt und bepackt durch das hohe Gras aus dem Bild. Die Geschichte dieses Hauses beruht auf wahren Begebenheiten.

Ein literarisches Fest

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Alain Claude Sulzer, Postskriptum, Galiani Verlag 2015, € 17,99

Sulzer erzählt in Momentaufnahmen, in perfekt arrangierten Zeitsprüngen und mit literarischer Raffinesse. Die Geburt des Künstler beginnt, als er den Tod seines Bruders zum Grauen der Mutter auf dem Wohnzimmerteppich nachspielt. Der sensible Junge wird später als Filmschauspieler den Erlkönig auf Vinyl einsprechen. Wir begegnen ihm in der mondänen Welt der Kurhotels des Engadins und in der Einsamkeit seines New Yorker Exils. Der damals unbekannte Visconti läd ihn noch einmal ein, in Rom die Rolle seines Lebens zu spielen. Bei der Premiere wird er gewahr, dass seine Szene am Ende komplett herausgeschnitten wurde. Zu jeder Szene und jeder Figur dieses Buches findet Sulzer sein schwingende Gegenstück. Ein literarisches Fest. 

Russlanddeutsch

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis Jugendbuch 2009

Arlina Bronsky, Scherbenpark, Kiepenheuer & Witsch Tb € 9,99

Manchmal denke ich, ich bin die Einzige in unserem Viertel, die noch vernünftige Träume hat. Ich habe zwei, und für keinen brauche ich mich zu schämen. Ich will Vadim töten. Und ich will ein Buch über meine Mutter schreiben.“ [Zitat aus: Scherbenpark, Bronsky, Alina]

Mit diesen Worten beginnt die 17-jährige Sacha, ihre Geschichte zu erzählen. In ihrer Kindheit aus Russland nach Deutschland emigriert, lebt sie hier zusammen mit ihren zwei kleinen Geschwistern und ihrer Großtante im Solitär, einem heruntergekommenen, hauptsächlich von Russlanddeutschen besiedelten Viertel. Wo ihre Mutter ist, wird schon auf den ersten paar Seiten erläutert. Ermordet, vom eigenen Ehemann, Saschas Stiefvater Vadim. Sacha schwebt seit dem in vielfältigen Tötungsfantasien von Vadim. Die Geschichte von Sacha, die sich in der von Deutschen geprägten Schule, aber auch im hoffnungslosen, dreckigen Solitär behaupten und gleichzeitig mit den Folgen des Todes ihrer Mutter fertig werden muss, wird im Laufe der Handlung noch um eine weitere Facette erweitert: Der deutlich ältere Zeitungsredakteur Volker und dessen Sohn Felix, zu denen beiden sich Sacha sehr angezogen fühlt, was auf beide Personen ebenfalls zutrifft. Ganz schön viele Handlungsstränge...