Articles tagged with: Dorf

Benedict Mirow – Auf magischer Fährte

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Benedict Mirow: Die Chroniken von Mistle End 01. Der Greif erwacht, Thienemann Verlag 2020 € 16,00

Als Cedrik mit seinem Vater an seinem neuen Wohnort Mistle End ankommt,  lässt ihn ein seltsames und aufregendes Gefühl nicht mehr los. Alles normal? Oder nicht? Die Kinder hier, tragen das schwere Gepäck voller Bücher ins Haus, als wäre es nichts und gleich in der ersten Nacht erscheint ihm  ein Greif, der ihm die einfache Frage stellt: Warum bin ich hier? Cederik wäre der letzte, der diese Frage beantworten könnte, doch der Greif stellt ihm ein Ultimatum. Vielleicht aber, hat er alles auch nur geträumt. Mirow entfesselt die magische Welt behutsam, zielgerichtet und in schöner, schlanker Sprache. Sein Plot fesselt vom ersten Augenblick. Der Greif erwachst ist ein überzeugender Start in eine neue Fantasyserie voll Zauberei und Magie, die Lese- und Vorlesegenuß verspricht. Katrin Rüger

Ungewöhnliches beim Familientreffen

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Vincent Almendros: Ins Schwarze, Wagenbach Verlag 2019, € 16,00

Laurent kommt anlässlich der Hochzeit seiner Cousine nach vielen Jahren in seinen kleinen Heimatort zurück. Er hatte offensichtlich keine leichte Kindheit und Jugend, es gab komplizierte Familienverhältnisse. Das erklärt allerdings noch nicht, warum er nun mit Claire, einer guten Freundin aus Wohngemeinschaftszeiten, anreist und nicht mit seiner Freundin Constance, mit der er ein Kind erwartet. Und warum nennt er Claire Constance, wenn seine Familie dabei ist? Ein dicht verwobener Roman, der den Leser nicht loslässt.

Das Harmonium auf dem Dachboden

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Francesco Vidotto: Der Klang eines geanzen Lebens, Lübbe Verlag 2018 € 16,00

Das einfache, arme, dörfliche Leben vor, während und nach dem 2. Weltkrieg in den Dolomiten; kindliche Freundschaft, die zu Liebe wrid; Verlust geliebter Menschen; Musik, die von den Bergen und den Sternen erzählt; tragische Unfälle und das Leben danach, lang erprobte und unerwartete Freundschaft; Füreinanderdasein. Ein schönes, kraftvolles, trauriges, berührendes Buch!

Am Familientisch

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Donatella Di Pietrantonio, Arminuta, Kunstmann, € 20,00

Die Romane von Donatella Di Pietrantonio: direkt, mit großer Ehrlichkeit und Offenheit die jeweilige Lebenssituation beleuchtend, mich als Leserin berührend. So ging es mir auch bei ihrem neuen Roman "Arminuta". Die Geschichte eines Mädchens, das plötzlich erfährt dass das Ehepaar, bei dem es als Einzelkind in der Stadt am Meer im Wohlstand aufwuchs, nicht seine leiblichen Eltern sind. Von einem Tag auf den anderen findet es sich ohne weitere Erklärung in einer Familie mit fünf Kindern in engen, ärmlichen, dörflichen Verhältnissen auf dem Land. Ratlosigkeit und Wut durchfluten es immer wieder aber es lernt auch die vorbehaltlose Rückendeckung einer pfiffigen jüngeren Schwester kennen und entdeckt erstaunt kleine Zeichen der Zuwendung an ungeahnter Stelle. Nach "Meine Mutter ist ein Fluss" und "Bella mia" hat die Autorin wieder eine Geschichte erzählt, die ich nicht missen möchte!

Ein Dorf im Apennin

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Maria Rosaria Valentini: Magnifica, Dumont Verlag € 22,00

Das Leben in einem kleinen abgelegenen Ort im Apennin - es sind zunächst die Jahre nach dem 2. Weltkrieg, der Roman erzählt über vier Generationen. Die landwirtschaftlichen und kirchlichen Regeln bestimmen die Tage der ganz einfachen und doch so unterschiedlichen Menschen mit ihren Hoffnungen und Enttäuschungen, ihren Ängsten und deren Bewältigung, den sich entfremdenden Beziehungen und den wachsenden Freundschaften. Zentrale Figur ist Ada Maria, die ihre Mutter früh verliert, ihren Bruder großzieht und sich als junge Frau Schritt für Schritt dem deutschen ehemaligen Soldaten Benedikt nähert, der seit Endes des Krieges in einer Berghöhle lebt. Was es mit dem Namen Magnifica auf sich hat, welche Höhen und Tiefen Ada Maria und die Menschen um sie herum erleben, wird in diesem Roman überzeugend und einfühlsam erzählt.

 

Krimi? Roman?

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Tanguy Viel: Selbstjustiz, Wagenbach Verlag, € 20,00

"Selbstjustiz" ist eindeutig ein Roman, ein Roman mit Mord: Dass Martial Kermeur einen Mann vom Boot ins Meer gestossen hat und weggefahren ist, weiß der Leser schon auf Seite 2. Dass dieser ertrank, erklärt sich von selbst. Nun sitzt Kermeur dem Richter gegenüber, einem guten Zuhörer. Was geschah, wie kam es zu der Tat? Kermeur kann erzählen, Tanguy Viel kann erzählen. Der Leser profitiert davon: eine gute Sprache, interessante Beschreibungen und Vergleiche. Und ein beglückendes Ende!

Wohltuende Literatur

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J.L. Carr: Ein Monat auf dem Land, DuMont Verlag 2016 € 18,00

 

So wie der "Monat auf dem Land" in Nordengland dem jungen Erzähler wohltut, tut es das Buch dem Leser, der Leserin. In schöner und ganz natürlicher Sprache erzählt der Restaurator von seinem Auftrag, ein übertünchtes Fresko in einer Dorfkirche freizulegen. Es ist das Jahr 1920, der erste Weltkrieg hat Spuren in den Menschen hinterlassen, das ländliche, sommerliche Leben wirkt heilsam. Gesicht für Gesicht, Figur nach Figur befreit der Restaurator ein Meisterwerk des jüngsten Gerichts, erzählt von den besonderen Farben, dem Ausdruck der Figuren und seiner Faszination. Er schließt Bekanntschaften und Freundschaften in dem kleinen Ort und eine zarte heimliche Liebe wärmt ihn. Der Roman war 1980 für den Booker Preis nominiert und wurde nun endlich ins Deutsche übersetzt.