Articles tagged with: Digitalisierung

Unser Leben ein Spiel?

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Alessandro Baricco: The Game. eine Reise durch die digitale Welt, Midas Verlag 2020 € 18,00

Spielerisch führt Baricco vom ersten Computer in die heutige "Ultra Welt". Er inszeniertdie bisherige Geschichte unserer Digitalisierung als Reise in drei Etappen, die von einer Erfindungsinsel zur nächsten führt. Als "Reiseleiter" leitet und lenkt er, setzt Gegebenes ins Bild ohne Reisezeit für Fragen zu verschwenden. Wir streifen Hardware und Software, Videospiele, das World Wide Web, das Suchen und Finden, Kaufen und Verkaufen. In der zweiten Etappe geht es über das Smartphone und das Einbringen der eigenen Identität zu Apps und Messangerdiensten.  Ein Klick und everything goes. Konsum  und Kommunitkaton total.

Illusionsmalerei: Kreative Informatik

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Jaron Lanier: Anbruch einer neuen Zeit. Wie Virtual Reality unser Leben und unsere Gesellschaft verändert, Hoffmann und Campe 2018 € 25.-

Sachbuch oder Biografie? Der leidenschaftliche Informatiker, Künstler und Musiker Jaron Lanier verschränkt Episoden seiner facettenreichen Lebensgeschichte mit den faszinierenden Gedankengebäuden virtueller Welten. In den 70er Jahren war er einer der ersten Gestalter virtueller Realitäten und gab diesen heute von uns genutzten Welten ihre Struktur. Ein Land der psychedelischen Träume und unbegrenzten Möglichkeiten ist die Virtuel Reality nie gewesen. Als Kind von Holocautüberlebenden an der Grenze zu Mexiko aufgewachsen, führt sein Leben, das tragische Grenzerfahrungen nicht entbehrt, über die Hippie Ära Kaliforniens ins Silicon Valley. Dort bringen seine Programmiercodes Musik, Medizin, Philosophie und Gesellschaftkritik zum Klingen. Auf seiner spannenden Reise in die Vergangenheit macht Lanier die Technik hinter den Computern anschaulich und bringt neugierige Leser dazu, ihrem Smartphone mit einem kreativ kritischen Augenaufschlag zu begegnen.

Durchs Tor ins Darknet

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Christian Linker: Scriptkid. Erpresst im Darknet, dtv 2018 € 6,95

Short & easy. Zille ist über den Torbrowser ins Darknet gerutscht und entdeckt den Marktplatz scheinbar unbegrenzter Möglichkeiten. Vielleicht wollte sie es Leo zeigen, dessen Machosprüche sie nerven, vielleicht war sie einfach neugierig. Nun steckt sie mitten drin. Die Coderätsel der Hacker fordern sie heraus, die Gedanken über Schein und Sein dieser virtuellen Welt streifen sie nur am Rande. Auch an den Konflikt mit dem Gesetz, welches sie als Newcommer Hackerin  herausfordert, verschwendet sie vorerst keine Gedanken. Linker erzählt schnell mit nötigem Detailwissen, welches ebenso spannend ist, wie die Geschichte selbst, die sich wendet wie ein Fisch im Wasser. Eine perfekte, kurzweilige Klassenlektüre im Angesicht allgegenwärtiger Digitalisierung.

Reale und virtuelle Welten – wer weiß noch, wo wir uns aufhalten?

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2018, Jugendbuch

Karl Olsberg: Boy in a White Room, Loewe Verlag 2019 € 9,95

Es geht um den Jungen Manuel, der ohne Erinnerungen in einem weißen Raum aufwacht. Er kann nichts spüren, er kann nichts riechen. Wenn er spricht, dann "kommen die Wörter heraus", die er sagen will,  jedoch mit einer "Roboter-Stimme , die ganz sicher nicht seine ist. Es gibt eine sprachgesteuerte Machine, mit deren Hilfe er versucht, herauszufinden wer er ist. Plötzlich tritt ein Mann in das Zimmer und behauptet etwas Unglaubliches. Anmerkung vom Leser: Ich habe schon viele fantastische Bücher gelesen, doch dieses ist eines der Besten (auf jeden Fall Top 10). Erst baut es Spannung auf und dann gibt es ein vollkommen überraschendes Ende. Liam, 13 Jahre

Das Salz in der Suppe

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Marc-Uwe Kling: QualityLand, Ullstein Tb 2019 11.-

In kurzen bühnentauglichen Episoden erzählt Kling in seiner Gesellschaftssatire QualityLand vom smarten Leben in einem zukünftigen Deutschland, das  zu 100 Prozent von Algorithmen bestimmt wird. Widerstand zwecklos. Das ist doch nicht die Zukunft, das ist fast die Gegenwart, denkt die Leserin, die ihr herzhaftes Lachen bei dieser Lektüre auch nachdenklich macht. 159x schauen wir schon heute im Durchschnitt täglich auf unser Smartphone und teilen unser Leben mit Maschinen. Peter Arbeitsloser, die Hauptfigur dieses Romans, trägt sein Smartphone als persönlichen Assistenten im Ohr: den Ohrwurm.