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Andreas Steinhöfel: Anders, Carlsen Tb 2017 € 7,99

Andreas Steinhöfel erzählt in seinem neuen Buch Anders die ungewöhnliche Geschichte eines Jungen, der nach einem tragischen Unfall im Koma liegt und als er wieder aufwacht, völlig verändert, eben anders ist. Felix kann sich jedoch an nichts von der Zeit vor seinem Unfall erinnern. Er hat auf einmal ein sehr feines Gespür dafür, was in den Menschen vorgeht, doch wenn er das offen und direkt anspricht, reagieren die Leute oft verletzt und genervt.  Weil er so stark verändert ist nach seinem Unfall, benennt er sich um und heißt fortan „Anders“. Die plötzliche Veränderung seines Charakters finde ich sehr interessant. Andreas Steinhöfel inszeniert den Unfall sehr geschickt, denn beide Elternteile sind Mitverursacher. Das klingt zwar grausam, aber so vermeidet er das typische Vorwurfskarussell und kann sich ganz auf seine Charaktere und die eigentliche Geschichte konzentrieren. Mal beschreibt Andreas Steinhöfel die Protagonisten von weit weg, dann wirkt das Buch kühl, gefühlsarm und distanziert. Ein anderes Mal „zoomt“ er nah ran und beleuchtet einen Charakter sehr genau, dadurch entsteht eine ganz besondere Dramatik. Alle Charaktere sind gleichberechtigt, mal steht einer im Mittelpunkt, mal mehrere und manchmal auch gar kein bestimmter. Durch diese Fokusverlagerungen wurde das Lesen dieses Buches besonders spannend für mich. Für Anders spielen Farben eine wichtige Rolle, wenn er einen Menschen betrachtet, sieht er eine Farbe, die dessen Charakter und Probleme widerspiegelt. Wenn ich diesem Buch eine Farbe zuordnen sollte, dann wäre es ein strahlendes blau-silber-grau. Bis auf das Ende, denn das ist wieder leuchtend bunt, das spürt man beim Lesen und merkt es auch an der Sprache. „Anders“ ist einfach anders; ein sehr besonderes, ab und zu auch sonderbares, interessantes und auf jeden Fall lesenswertes Buch!