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Whitney Scharer: Die Zeit des Lichts, Klett-Cotta 2019 € 22,00

Ein mitreissender Künstler- und Liebesroman im Paris der 1930er Jahre. Die schillernden zentralen Figuren sind Lee Miller und Man Ray: Ihr langsames Annähern über die Kunst der Fotografie zu einer leidenschaftlichen obsessiven Beziehung. Sie sind umgeben von der Größen der Pariser Bohème aus Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Film, Ballett. Die Euphorie und Verzweiflung im Künstlerdasein werden in all ihren Höhen und Tiefen ausgelotet, allem voran die Sehnsucht der außergewöhnlichen Lee Miller nach Anerkennung ihrer Kunst.  Wir Leser fühlen uns wunderbar hineinversetzt in diese Zeit, sitzen mit den Künstlern im Deux Magots, trinken Gin Fizz auf Partys und genießen beim Lesen den Strudel aus Bildern und Emotionen in der Stadt der Lichter.


Perlend wie ein Cocktail

Die Romanbiografie von Whitney Scharer über die Fotografin Lee Miller hat in mir den Eindruck hinterlassen, als würde ich Lee Millers Leben in einer einzigen Abfolge von Fotografien und Momentaufnahmen folgen. Einsame Szenen voller Ungeduld und Selbstzweifel wechseln sich mit der Erotik des Fotografierens und Entwickelns der Fotos in der Enge einer Dunkelkammer ab. Dabei ist für mich Paris selbst, die Stadt, für die sich Lee Miller als junge Frau nach einer Modelkarriere in New York entscheidet, und das wilde Leben der Künstlerszenerie in den 30er Jahren beinahe in den Hintergrund getreten. In Erinnerung geblieben ist die starke junge Frau, die sich an der Seite eines bekannten Fotografen einen Namen machen möchte und doch an ihrer Rolle als Frau, Muse und Geliebte immer wieder zu scheitern droht. Der Leser ist unmittelbar im Geschehen, taumelt von Bar zu Bar, von Party zu Party oder schlüpft ins Auge des Fotografen. Die kurzen Brüche, wenn Lee Menschen aus ihrem früheren Leben begegnet, oder die Zeit nach vorn springt in ihr Leben als Kriegsreporterin lassen von Anfang an ahnen, dass das Leben dieser Künstlerin noch viel mehr bereit hält. Das Buch liest sich wie ein Cocktail, den man nicht mehr aus der Hand legen will. Marion Hübinger