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Jason Reynolds: Ghost. Jede Menge Leben, dtv 2018 € 14,95

Was Castle, alias Ghost kann, ist rennen. In ausgelatschen, billigen Turnschuhen, Jeans und T-shirt ist er schneller als die gestylten Kids auf der Aschebahn des Sportplatzes. Bisher hat er nur auf der Tribüne gesessen, Sonnenblumenkerne gekaut, die Zeit totgeschlagen und versucht den Mist zu vergessen,  in den er in der Schule ständig verwickelt ist. Als der Trainer ihm vorschlägt in der Trainingsgruppe mitzumachen, hält er das für einen Witz, doch bald steht er mit geklauten Turnschuhen auf der Bahn. Mit schnellem Tempo auf kurzer Strecke entwickelt sich die Geschichte wie ein guter Sprint, dem es an nichts fehlt: Einsatz und Herzblut, Vertrauen und Wertschätzung. Familie und Drama. Und Ghost wird es mit ein paar Umwegen gelingen, sich selbst zu erkennen. Lesenswert.

"See me and love me - jeder Mensch hat seine Geschichte!" Die Bücherfresser treffen Jason Reynolds auf einer Lesung in der Münchner Stadtbibliothek und haben da mal ein paar Fragen:

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BF: Haben Ihre Geschichten, zum Beispiel Ghost mit Ihrem richtigen Leben zu tun? Jason Reynolds: Die Geschichte habe ich mir ausgedacht, aber manche Figuren haben Vorbilder aus  meinem Leben. Der Leichtatletiktrainer im Buch ist nach dem Vorbild unseres Basketballcoaches entstanden. Er war der Vater für 30 bis 60 Jungs und junge Männer in unserem Viertel, die ohne Vater aufwuchsen. Mir ist es besonders wichtig in meinen Büchern erwachsene Charktere zu entwerfen, die Jugendliche wertschätzen.

Wieso haben Sie dann kein Buch über Basketball geschrieben? Das wollte ich ja zuerst. Alle spielen Basketball und der Sport kommt ständig in Büchern vor. Ich wollte mal über etwas anderes schreiben. Laufen ist die erste sportliche Leistung, die jeder absolviert.

Thema Rassismus: Hat sich irgendetwas im Laufe der Jahre verbessert , zB in dem Autoren immer wieder über Rassismus schreiben? Das Gesicht von Rassismus hat sich verändert. Die Sache an sich nicht. Amerika ist auf der Sebstverständlichkeit von Sklaverei erbaut. 100 Jahre kann man nicht so schnell ändern. Wir leben in einer Zweiklassengesellschaft. Es gibt Unterschiede vor dem Gesetz, bei Verurteilungen und Strafen. Die GI's sind nach dem zweiten Weltkrieg und werden noch heute unterschiedlich entlohnt. Das führt zu systemimmanenter Armut. Es gibt noch viel zu tun.

Wir danken Ihnen für das Interview.