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Anushka Ravishankar, Susanne Straßer: Ausreden, Ausreden, Peter Hammer Verlag 2019 € 16,-

Zwischen Kindern und Erwachsenen können in der Betrachtung eines Sachverhaltes Welten liegen. Auch diesem Buch kann man sich von verschiedenen Seiten nähern. Die einen verfolgen Tims Bemühen, die anderen fiebern mit seiner Fantasie.  Beim Start in die Woche nimmt Tim sich vor hilfsbereit, nützlich, brav und vernünftig allen erwachsenen Erwartungen zu entsprechen. Doch jeden Tag gerät ihm die anstehende Aufgabe irgendwie zu verrücktem Blödsinn und absurdem Quatsch.
Auf dem Schulweg stolpert er über einen eingeschüchterten Elefanten, der gerettet werden muss. So hat er, als ihm seine Hausaufgaben entfleuchen, beim Retten schon Übung. Statt Brötchen zu holen, geht er, ganz bildlich, einem Hund ins Netz und sein Zimmer putzt er mit einem Besen von goethischem Eifer. Wie das endet, kann man sich denken: mit Stubenarrest. Ziel nicht erreicht, könnte man meinen. Doch gerade im Eingesperrtsein erblüht  Tims Fantasie zur wahren Kunst und allen Lesern, denen Tims Fantasie richtig Spaß gemacht hat, sei gesagt: "Morgen beginnt die Woche von vorn." Wer weiß welche seiner Ausreden dann die Welt bunter werden lassen?  Diese von Uwe-Michael Gutzschhahn überzetzen und von Susanne Straßer als Bilderbuch in die Fantasiewelt übertragenen Zeilen Ravishankars wandeln zwischen den Welten. Der indische Junge wird zum blonden Tim. Seine, für Ausrede Nr. 2 benötigte Schuluniform wirkt hierzulande britisch. Der Elefant verliert an Stellenwert, dafür kommt uns beim Zimmerputz der Zauberlehrling in den Sinn. Der Freiheitsentzug als Strafmaßnahme, so hofft man, möge ein Relikt aus der Kindheit heute Erwachsener sein. So war es gewesen. Die Fantasie jedoch hält alles zusammen, überwindet Grenzen und Zeiten und breitet sich in Text und Bild in alle kindlichen Räume aus.