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Leif Randt: Allegro Pastell, Kiepenheuer & Witsch, 2020 € 22.-

Sie passen perfekt zusammen die 26-jährige Berlinerin Tanja Arnheim, die mit ihrem Roman "Panoptikum-Neu", der Shootingstar in der jüngeren Literaturszene ist und der 33-jährige Jerome Daimler, der im Speckgürtel Frankfurts im Bungalow seiner Eltern wohnt. Als erfolgreicher Webdesigner hat er ausgesorgt. Gutaussehend und erfolgreich jetten sie zwischen den angesagten Szenen Frankfurts und Berlins hin und her und sind in ihrem virtuellen Dasein zuhause. Alle Erlebnisse und Begegnungen werden reflektiert und genauestens kommentiert, denn das Leben will gut überlegt sein. Wohldosierte Alkohol- und Drogenerlebnisse, wichtige Freundschaften, Sex, hippe Sportschuhe und Fake-Markenprodukte werden clever social media tauglich inszeniert, nur kein Anecken, alles in Pastell und Allegro bitte!
Doch wo bleiben die Ups and Downs des wirklichen Lebens? So driften Tanja und Jerome auseinander, ohne vermeintlich konkreten Anlass, obgleich sie sich immer wieder nach dem Anderen sehnen, bis Jerome in einer kleinbürgerlichen Familienidylle landet, welch Ironie. Leif Randt entwickelt einen Sog mit hippen Dialogen und differenzierten Beobachtungen, die den kontrollierten und ästhetischen Blick auf die Welt einer jüngeren Generation einfangen und einen ganz anderen Alltagskosmos offenbaren. Eine sehr stimmiger literarischer Spot auf die Gegenwart, ein weiters Highlight der diesjährigen Shortliste für den Preis der Leipziger Buchmesse. Anne Brieger